McDoc macht Medizin

Es soll alles rasch und effizient gehen, Patienten werden im Schnelldurchlauf abgefertigt. Die Ärzte, die wie am Fließband arbeiten sollen, erweisen sich sodann als Dienstleister. Ist das die Zukunft der medizinischen Versorgung?

Aerzte werden immer öfter als Angehörige des Dienstleistungssektors betrachtet und sollen nach dieser Logik ihren Beruf zunächst und vor allem als Job in einer serviceorientierten Branche namens Gesundheitswirtschaft ausüben. Diese Sichtweise entspricht im Zeitalter der allumfassenden Service-Einrichtungen einem neuen gesellschaftlichen Grundverständnis. Allerdings greift sie zu kurz und führt die Medizin unmittelbar ins Profane und Triviale, denn sie entzieht dem Arzt einen essenziellen, jenseits der handfesten Dienstleistung verorteten Teil seines Aufgabenbereiches. Überdies konterkariert sie grundsätzlich seine Stellung und Verantwortung gegenüber dem Patienten. Freilich sind Ärzte neben ihren anderen, hier noch zu besprechenden Funktionen auch Dienstleister, sie verrichten ja buchstäblich ihren Dienst etwa im Spital oder bei der Rettung. Die Mediziner aber deswegen in der Dienstleistungsbranche einzuordnen, wie es vor allem unter Ökonomen und Politikern zunehmend Usus wird, schafft spezielle Probleme, die außerhalb desMessbaren, jedoch im Zentrum des Spürbaren liegen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2011)

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