Dort im Osten

20 Jahre Ende der Sowjetunion: Was man als Teenager im Vorarlberg der 1980er vom „Reich des Bösen“ eigentlich so mitbekam.

Als ich aufwachte, spürte ich sofort den Pelz im Mund. Ich öffnete die Augen, sie brannten, in meinem Kopf stand Hitze. Grummelnd schob ich die Plastikklappe vor dem Fenster hinauf. Draußen war es wolkig und grau, dennoch blendete es mich, denn ich blickte übel verkatert aus dem Flieger. Wir waren im Landeanflug auf Bangkok, unten sah man braungrün gescheckte Reisfelder, in denen kleine, schwarzhaarige Menschen und Ochsen umherstaksten.

Zwischenstopp im British-Airways-Jumbo von London nach Sydney, 19. August 1991. Ich hatte in Canberra einen Ferialjob. Ich war 21, neben mir saß der erste Australier meines Lebens, und wir hatten beschlossen, für uns ein Fest zu geben. Es waren die glorreichen Zeiten, als man im Flieger noch rauchen durfte, und wir tranken und rauchten so wahnsinnig, dass sich sogar die Leute im Raucherbereich aufregten. Später, in einer Bangkoker Flughafenbar, war spürbar, dass etwas nicht stimmte. Menschen starrten in Großbildfernseher. Man sah T-80- Panzer durch eine Stadt rollen. Da waren Männer in grauen Anzügen, die sichtlich nervös vor einem grauen Vorhang eine Pressekonferenz gaben. Ein weißhaariger, stämmiger Typ stand auf einem Panzer und deklamierte irgendetwas. Immer wieder wurde „Coup in Moscow“ eingeblendet, und da fröstelte mich: In Moskau hatte es einen Putschversuch gegeben, gerade als wir trinkend und rauchend über die sowjetische Endlosigkeit geflogen waren. Präsident Gorbatschow sei verhaftet worden, hieß es. Ich dachte daran, dass man in solchen Situationen leicht abgeschossen werden kann. Darauf brauchten wir einen Drink.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.12.2011)

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