Die Formel der Revolution

Lassen sich Revolutionen vorhersagen? Immer wieder hat man sich an einschlägigen Berechnungen versucht, aber: Wo wäre das Modell, das den Fall der „Mauer“ oder den „Arabischen Frühling“ prophezeit hätte? Über J-Kurve, „moral indignation“ und den Punkt, an dem alles kippt.

Es waren die frühen 1980er. Wir saßen im Rahmen der Jahrestagung unserer Caribbean Studies Association am Swimmingpool des Hotels El Prado im kolumbianischen Barranquilla und besprachen, reichlich verunsichert, den eben erst aufgebrochenen Bürgeraufstand in Port-of-Spain, der Hauptstadt von Trinidad: Fenster und Auslagen splitterten, ein Polizeiwagen ging in Flammen auf, vor der Telefonzentrale fuchtelten aufgebrachte Klienten mit Knüppeln und Macheten. Warum hatten wir arrogante Jungexperten den Aufstand nicht vorhergesehen? Eher hätten wir auf Stabilität gewettet: Der Erdölstaat Trinidad verfügte über das höchste Pro-Kopf-Einkommen in der Karibik, funktionierte auf der Basis britischer Rechtstradition und hatte auch seinen muslimischen Bevölkerungsteil pazifiziert. In unseren Bewertungsskalen figurierte Trinidad ganz oben.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.01.2012)

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