Pauken, Prunk, Plantagen

101 Stockwerke im Zeichen des Energiesparens. Ein Minister, der Aquarelle malt. Geheimste Wünsche auf gelben Zetteln. Eine Republikfeier ohne politisches Gerangel. Nachrichten aus Taiwan.

Nachtflug Taipeh–Wien, Rückkehr von einer Neun-Tage-Reise durch die Inselrepublik Taiwan. Um 6.15 Uhr sollen wir landen, gegen fünf, kurz vor dem Early Morning Tea, kommt in meiner Sitzreihe Unruhe auf. Ein gut gekleideter Mittfünfziger, durch zwei Plätze von mir getrennt, dreht sein Leselicht auf, macht sich mit Papieren aus seinem Bordkoffer zu schaffen, scheint irgendwelche Akten durchzugehen, bereitet sich wohl auf die bevorstehenden Termine vor. Plötzlich höre ich seine Stimme – ganz klar: Chinesisch. Leise, damit keiner der noch schlummernden Mitreisenden gestört wird, fast unhörbar, liest er den Text von dem Blatt ab, das er vor sich ausgebreitet hat. Ich nehme an, er memoriert eine Konferenzwortmeldung oder einen Vortrag, den er in wenigen Stunden zu halten haben wird – in einer Sprache, die nicht die seine ist, in deren Idiom er sich einüben will.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.01.2012)