Verlorene Stimmen. Ein Dramolett

20.04.2012 | 18:27 |  Antonio Fian (Die Presse)

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„Wir sind die neuen Juden.“
(Heinz-Christian Strache)

(Kärntner Straße. Ein altes Ehepaar geht, mithilfe von Rollatoren, Richtung Oper. Ihnen entgegen kommt, den Arm um die Hüfte einerjungen blonden Frau gelegt, der Vorsitzende der Freiheitlichen Partei Österreichs, Strache.)


DIE FRAU: Schau, wer da kommt.
DER MANN: Saujud.
DIE FRAU: Von ihm hätt ich's am wenigsten gedacht. Diese blauen Augen...
DER MANN: Kontaktlinsen wahrscheinlich.
DIE FRAU: G'schickt.
DER MANN: So schleppen s' die feschesten deutschen Mädeln ab.

DIE FRAU: Saubande. Aber so war's immer.
DER MANN: Und was er für ein Theater macht! Wegen ein paar Fensterscheibenschreit er gleich Reichskristallnacht. (Lacht.)
DIE FRAU: Wehleidig halt. Waren sie immer.

(Strache und die junge Frau sind inzwischen an ihnen vorbeigegangen. Pause.)

DIE FRAU: Glaubst du, der Haider war auch ein Jud?
DER MANN: Sicher. Allein die Geldgier, typisch.
DIE FRAU: Schwul war er auch.
DER MANN: Und diese Nas'n!
DIE FRAU: Diese Nas'n, genau.

(Ihre Stimmen verlieren sich. Vorhang.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2012)

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