Solange Fritz lebte

Er war als zentrale Gestalt des antifaschistischen Exils gefragt, aber geschätzt und geliebt wurde er um seiner selbst willen. Fritz Kalmar, 1911 bis 2008: Erinnerungen aus Anlass einer filmischen Freundschaftsgabe.

Von seiner Existenz in Uruguay wusste ich lange, bevor ich Fritz Kalmar persönlich kennenlernte. Freunde und Bekannte schilderten ihn mir als einen Menschen, der so gar nicht dem Bild entspricht, das man sich von einem österreichischen Konsul in Südamerika macht: wegen seiner Verlässlichkeit, wegen seiner Hilfsbereitschaft, wegen seines gütigen Wesens. Und natürlich wegen seiner Fluchtgeschichte, die es paradox erschienen ließ, dass einer, den die Nazis aus Wien vertrieben hatten, in seiner Liebe zu Österreich nie zu erschüttern war. Sein tätiger Humanismus führte ihn dazu, sich für linke Oppositionelle einzusetzen, die während der Zeit der Militärdiktatur, von 1973 bis 1985, in Uruguay verfolgt, verhaftet und gefoltert wurden. Politisch stand er ihnen fern, aber das hinderte ihn nicht daran, sich um sie und ihre Angehörigen zu kümmern. Er fiel den Behörden lästig, indem er sich auf Bitten von Amnesty International nach ihrem Schicksal erkundigte, er suchte sie im Gefängnis auf und sorgte dafür, dass sie nach ihrer Entlassung Arbeit fanden.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2012)

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