Das wirre Weltbild eines Massenmörders

21.04.2012 | 18:13 |  von Hannes Gamillscheg (Die Presse)

Breivik sieht sich im Kampf für das norwegische »Urvolk«, al-Qaida diente ihm als Vorbild.

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In Norwegen und Europa gibt es seit der Zwischenkriegszeit keine reelle Demokratie. Stattdessen herrscht eine liberalistische, kulturmarxistische Diktatur, die die Meinungsfreiheit abschaffte, die Bevölkerung indoktriniert und in ihrem Faible für den Multikulturalismus die Schleusen für islamische Masseneinwanderung öffnete, die im Lauf von zehn Jahren zu einer muslimischen Bevölkerungsmehrheit führen wird.

Das ist das Fundament des Weltbilds des norwegischen Massenmörders Anders Breivik, der sich ermächtigt sieht, dieser Entwicklung mit der Waffe entgegenzutreten. Seine Taten mögen barbarisch wirken, aber „die Verbrechen gegen mich und mein Land sind millionenfach barbarischer“, sagte Breivik vor Gericht.

Breivik vergleicht den Kampf des norwegischen „Urvolks“, das seit 12.000 Jahren das Land bevölkert habe, mit jenem der Indianer gegen die weißen Eroberer. Er übersieht dabei geflissentlich, dass es dieses Urvolk nicht gibt und auch die Norweger, wie alle anderen Europäer, Produkt zahlreicher Einwanderungsströme sind. Hauptschuld an der Entwicklung in Richtung einer multikulturellen Gesellschaft seien die Sozialdemokraten und die Medien, behauptet Breivik. Marxisten hätten nach dem Krieg Medien und Schulen unterwandert, Liberalisten die Wirtschaft erobert. Für „Nationalkonservative“ wie ihn habe es keinen Platz gegeben. Breivik war bis 2004 Mitglied der rechten Fortschrittspartei, weil er gemeint habe, die Gesellschaft demokratisch verändern zu können, habe dann aber den Glauben daran verloren.

Er habe versucht, mit seinem „Kompendium“ – dem 1800-seitigen Pamphlet mit dem Titel „Eine europäische Unabhängigkeitserklärung“ – eine Brücke zwischen Nationalsozialisten, Nationalkonservativen und gläubigen Christen zu bauen. Diese Gruppen repräsentierten in Europa die „militanten Nationalisten“, denen in den Medien das Wort entzogen sei.

Jörg Haiders „ausgegrenzte Gruppe“.Er bezeichnet Japan und Südkorea als Vorbilder für monokulturelle Gesellschaften, in denen Ehrbegriff und der Stolz auf die eigene Herkunft noch etwas bedeuteten, im Gegensatz zur „kulturellen Selbstverachtung“, die in Norwegen herrsche. Sein Ideal einer hierarchischen, patriarchalischen Gesellschaft trägt klar faschistische Züge, er verabscheut Feminismus und die „sexuelle Revolution“ und zeigt offene Faszination für die islamische Terrorbewegung al-Qaida, die er als „erfolgreichste revolutionäre Gruppe“ preist. Seine Erklärungen strotzen von faktischen Fehlern, so nennt er Jörg Haiders Partei ÖVP, die er als er Beispiele für „ausgegrenzte“ Gruppen erwähnt.

Sein wirres Geschichtsbild sieht ihn und seinesgleichen in einer „Kreuzfahrer“-Tradition. Seine Behauptungen, dass er im Auftrag der „Knight Templar“, eines 2002 gegründeten Tempelritterordens, agiere, relativierte er vor Gericht: Dies sei eine „pompöse“ Darstellung gewesen. Er hält jedoch daran fest, dass es außer ihm andere Einzelzellen gebe, die die gleichen Ziele verfolgten und zu den gleichen Methoden fähig seien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.04.2012)

 
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6 Kommentare
Gast: Zensor
22.04.2012 16:03
7

Hauptschuld an der Entwicklung in Richtung einer multikulturellen Gesellschaft seien die Sozialdemokraten

Vor allem, wenn solche Politik betrieben wird:

The Fatah Youth group had taken part in the summer camp in the past on the Island of Utoya, near Oslo, where over 90 people were reportedly killed in a shooting spree on the Island and a bomb attack in Oslo on Friday, news reports said.
...
"Fatah Youth has participated for almost 15 years in the same summer camp and our youth has benefited by learning and sharing experiences on democracy and advocacy for peace and justice.

http://www.maannews.net/eng/ViewDetails.aspx?ID=407665

Gast: Pensador
22.04.2012 14:55
3

Problem: Nicht alles davon ist "wirr".

Das Tückische ist, dass eben nicht alles an diesem Weltbild "wirr" ist, sondern vieles, wenn auch ideologisch übertrieben, den Tatsachen entspricht.
Seine Reaktion darauf ist eben die eines gefährlichen, schwer gestörten Psychopathen, der deswegen aber nicht unzurechnungsfähig ist.

Antworten Gast: na,
22.04.2012 15:23
2

Re: Problem: Nicht alles davon ist "wirr".

Entdecken Sie Übereinstimmungen in seinem und Ihrem Denken.

Gast: Demokratius
22.04.2012 11:18
12

al-Qaida diente ihm als Vorbild

Das ist das Übel, wie überall in der Sicherheitspolitik.

http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/146038#.T42E3FRuGsA

Gast: aldeberaner
22.04.2012 08:39
2

was ist daran wirr?


Antworten EmanuelSwedenborg
22.04.2012 11:33
4

Re: was ist daran wirr?

"....dieser Entwicklung mit der Waffe entgegenzutreten ... " nur das ist daran wirr ... ansonsten .....

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