Aus Liebe zur Alma Mater: Sperrt sie zu!

04.05.2012 | 18:10 |  Von Robert Menasse (Die Presse)

Finanzierung: radikal gekürzt. Mitbestimmung: aufgehoben. Studienrichtungen, die abgeschafft, Lehrstühle, die nicht nachbesetzt werden. Ein Rektorat, das alle Fristen und allen Anstand vergisst. Stattdessen: der Ruf nach der Polizei.

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Die Universität Wien, die zweitälteste im ehemaligen Heiligen Römischen Reich, die älteste und bis heute größte Universität im deutschsprachigen Raum,hat eine großartige Geschichte. Von Zeit zu Zeit gab es kurzfristigen Niedergang aufgrundpolitischer Interventionen, etwa durch die Theresianische Hochschulreform, die die Freiheit von Forschung und Lehre radikal einschränkte und das Studium straff verschulte, oder durch politisch motivierte Aufnahmebeschränkungen oder Ausschlüsse von Studenten, zum Beispiel während und nach der Türkenbelagerung, nach der Glaubensspaltung oder nach dem „Anschluss“. Aber immer wieder erkämpfte sich die Alma Mater Rudolphina Freiheit, Größe und Bedeutung zurück.

Die Gründungsurkunde der Universität, die sich bis heute im Archiv der Universität befindet und immer noch Leitbild der Alma Mater ist, oder wäre oder sein sollte, jedenfalls nie aufgehoben wurde, definiert in programmatischer Weise die Aufgabe der Universität: „...daz ein yeglich weiser mensch vernünftiger und ain unwaiser zuo menschlicher vernunft in rechte erkantnüsse bracht und geczogen werde.“ Die Tatsache, dass wir heute eine Regierung haben, die sich an einem Boulevard orientiert, der einen solchen Anspruch nicht verstehen kann, nicht nur, weil er – höflich formuliert – eine etwas andere Orthografie verwendet, ändert an diesem Gründungs- und Daseinsanspruchder Universität nichts. –Ende des 14. Jahrhunderts kamen Scharen von hochgelehrten Professoren der Pariser Sorbonne nach Wien, weil sie lieber hier lehren und forschen wollten, und sie wurden mit offenen Armen empfangen und eingestellt. Dem päpstlichen Vorbehalt, dass doch nicht „yeglich mensch“ studieren könne (und womöglich gar noch Theologie), wurde 1384 durch einen zweiten Stiftsbrief begegnet, der die offene und freie Universität festschrieb, worauf der Aufstieg Wiens zur bedeutendsten Universitätsstadt Europas unaufhaltsam begann. Die Revolution von 1848, die die feigen Bürger Wiens verloren, brachte einen Sieg der Wiener Universität, deren Professoren und Studenten es gelang, alle theresianischen Einschränkungen der Lehr- und Lernfreiheit abzuschütteln, wodurch Wien wieder zum geistigen Zentrum des Kontinents wurde. Wer nach der niedergeschlagenen Revolution nicht in die Neue Welt flüchtete, kam nach Wien, um hier zu studieren oder zu lehren, und dass Wien damals explizit Vorbild der europäischen und selbst der amerikanischen Universitäten werdenkonnte, hat mit dem simplen Sachverhalt zu tun, dass an der Uni Wien und in der Regierung (Minister Thun-Hohenstein) Menschen am Werk waren, die die Gründungsurkunde der Alma Mater ernst nahmen: „...dass menschlich vernunft wachse... und ein yeglich mensch... in rechte erkantnüsse bracht werde...“!

So könnte man die Erzählung von den Glanzzeiten der Universität Wien fortsetzen bis in die Siebzigerjahre des 20. Jahrhunderts, als ich selbst studierte: Damals haben immerhin noch zwei Professoren der Alma Mater Rudolphina den Nobelpreis erhalten. Wir gingen frei und selbstbewusst in deren Vorlesungen, auch wenn wir andere Fächer studierten, waren gleichermaßen stolz auf die Bedeutung unsererLehrer wie auch kritisch gegenüber ihren Thesen,die wir infrage stellten(was unser Recht undunsere Aufgabe war),machten Zwischenrufe –und bekamen Antwort.Die Glut, die damals inuns entfacht worden ist, hat uns lange erhitzt und weit getragen. – Heute delirieren Politiker im Chor mit Boulevardmedien von Exzellenz-Unis, bei denen man nur Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen einführen, zugleich aus budgetären Gründen das Toilettepapier auf den Uni-Toiletten einsparen müsse, und schon könnten diese Unis geradezu serienmäßig Nobelpreisträger produzieren, und zwar „shortly“... Nie war so utopisch wie heute, was noch vor einem Vierteljahrhundert nicht bloßer Anspruch, sondern Selbstverständlichkeit war. Aus einem Grund, der so simpel ist, dass mannicht ein habilitierter Altphilologe seinmuss, um ihn zu verstehen: Er steht in derGründungsurkunde der Universität – und damals, als der heutige Wissenschaftsminister noch studierte, wurde sie noch ernst genommen.

Wenige Sätze wurden so geistlos interpretiert und so lustvoll missbraucht wie Bruno Kreiskys Aperçu „Dankbarkeit ist keine politische Kategorie“. Kreisky besaß zwar im politischen Diskurs die Meisterschaft, bei Bedarf selbst die Uhrzeit so zu verkünden, als wäre sie jetzt ewig gültig – aber was man von ihm letztlich lernen konnte (und daher berücksichtigen sollte, bevor man ihn geistlos zitiert), ist, dass die Wahrheit nicht eine Tochter der Zeit, sondern des Kontexts ist. Kreiskys Satz bezog sich auf das Wahlverhalten und meinte, dass man mit der Dankbarkeit der Wähler, deren Interessen man vertreten hatte, nicht mehr rechnen dürfe, wennman beginnt, deren Interessen zu verraten. Dankbarkeit für frühere Leistungen führe nicht automatisch zur Zustimmung auch zu nachfolgenden politischen Fehlentscheidungen. Er meinte definitiv nicht, dass man grundsätzlich mit Undankbarkeit rechnen müsse und selbst Dankbarkeit höchstens jenen Lobbyisten erweisen sollte, die einen „anfüttern“.

Das sollte man mitbedenken, um folgenden Sachverhalt beurteilen zu können: Alle Akademiker in der gegenwärtigen Regierung haben gratis studiert, haben in der Regel länger studiert, als es heutige Studienfristen erlauben, sie hatten weder Barrieren zu überwinden noch Drop-out-Sanktionen zu fürchten, sie sind gratis zur Uni und gratis von der Uni nach Hause transportiert worden, sie haben durch das UOG Firnbergs von 1975 die Institutionalisierung studentischer Mitbestimmung erlebt beziehungsweise davon profitiert, sie haben zugleich mit ihrer akademischen Ausbildung Erfahrungen mit politischem Engagement machen und Demokratie einüben, letztlich ihre politischen Karrieren starten können – und sie haben es durch diese Chancen, die ihnen gegeben waren, bis auf Regierungsposten geschafft, wo sie, statt heute auf dem Bauernhof der Eltern Kühe zu melken, nun staatstragend (und zwar den Staat in den Abgrund tragend) sagen: So wie wir studiert haben, soll keiner mehr studieren dürfen! Warum soll Studium gratis sein? Bildung ist ein knappes Gut! Bildung ist teuer! Es muss Schluss sein mit dieser Lässigkeit, mit der die Studierenden heute womöglich so viele Semester benötigen, wie wir selbst seinerzeit. Für Gratis-Universitäten stehen wir nicht zur Verfügung, sagen sie, und statt zurückzutreten stehen sie unbeugsam weiter zur Verfügung, um diesen Unsinn und diese Undankbarkeit zu demonstrieren. Selbst der Wissenschaftsminister, der bei verschiedenen Parteien inskribiert hatte, um zu studieren, wo er größere Karrierechancen hat, verteidigt heute nicht die Universität, nicht die Studierenden, wie es seine Aufgabe wäre, sondern gibt im Wochentakt Interviews, in denen er den Satz „Es muss ja nicht jeder studieren“ abwechselnd epikureisch und stoizistischargumentiert, also nicht nur den Anspruch der Gründungsurkunde der Universität, sondern gleich auch die Philosophie- und Bildungsgeschichte verballhornt.

Der Einzige, der an einer offenen und freien Universität festhält, ist der Kanzler – der sein Studium abgebrochen hatte. Österreich? Absurdistan?

Es gibt ein einziges Argument gegen freie und offene Universitäten (zumindest in Österreich): dass sie Karrierechancen auch solchen eröffnet, für die „undankbar“ daseinzige zutreffende Attribut ist, das nicht eine gerichtliche Klage nach sich führt.

Durch die schwarz-blaue Universitätsreform 2002 (in Kraft seit 2004) erhielt die Universität ihre sogenannte Rechtsfähigkeit, was gut klingt, de facto aber bedeutet, dass aus einer staatlichen eine nur formal autonome, vom Staat in ihren Strukturen zerschlagene, durch Finanzierungsdebatten regelmäßig erpresste und schließlich im Stich gelassene Institution wurde. Die Mitbestimmung von Studierenden und universitärem Mittelbau wurde aufgehoben. Die Finanzierung wurde radikal gekürzt und auf diesem evident viel zu niedrigen Niveau eingefroren: In den 1970er-Jahren belief sich das Bildungsbudget auf zwei Prozent des BIP, heute sind es, selbst nach einigen Rechentricks, nur noch 1,2 Prozent. (Die EU-Empfehlung hingegen wäre zwei Prozent und sollte bis 2020 noch einen halben Prozentpunkt steigen!)

Minister aller Ressorts begannen als Bildungspolitiker zu dilettieren und nannten einmal diese, dann wieder jene Studienrichtung „Orchideenfach“, verlangten von der nun „autonomen“ Universität größere Abhängigkeit, nämlich von den Interessen der Wirtschaft, verwechselten unausgesetzt Bildung und Ausbildung, zeigten immer wieder, dass sie den Unterschied zwischen öffentlichen Universitäten und Privatuniversitäten nicht kennen, und hielten ihre fortgesetzte Destruktion universitärer Praxis für einen Beitrag zu mehr „Praxisbezug“ der Bildungsinstitutionen.

Die Universitätsreform, die letztlich alle Weichen stellte, die zur heutigen Misere führten, wurde von einem Rektor administriert, der gegenüber der damaligen schwarz-blauen Ministerin willfährig war,gegenüber der Vertretung der Studierenden aber autoritär auftrat – genauso stellt man sich ja eine „autonome Universität“ vor! – und der schließlich, um der studentischen Proteste Herr zu werden, einen folgenschweren Tabubruch beging: Er rief die Polizei in die Uni, um Studierende aus der Uni entfernen zu lassen. In der mehr als ein halbes Jahrtausend langen Geschichte der Wiener Universität gehörte es zu ihrem Selbstverständnis und zum Stolz, Polizei und Militär den Zutritt zu ihrem autonomen Freiheitsraum mit allen Mitteln zu verwehren. Im Jahr 1848 sind Rektoren und Dekane mit auf die Barrikaden geklettert, die von Studentengemeinsam mit ihrenProfessoren und Dozenten gegen die Versuche der Polizei, auf der Uni wieder „Ruhe und Ordnung“ herzustellen, errichtet wurden, und heute, ausgerechnet auf der Basis einer gesetzlich festgeschriebenen Autonomie, wird die Polizei in die Uni gerufen. Streng genommen müssten dem letzten und dem gegenwärtigen Rektor nach dem Uni-Gesetz wegen groben Verstoßes wider die akademischen Sitten die akademischen Titel aberkannt werden!

Heute produziert die Universität Wien, was einmalig für eine Universität ist, mehr Rätsel als Erkenntnisse. Wenn Studenten studieren wollen, dann schafft die Universität Studienrichtungen ab. Wenn die Studierenden für bessere Studienbedingungen demonstrieren, dann verlautet aus der Uni-Leitung, es sei „unverständlich, was die Chaoten wollen“! Dass unverständlich sei, dass Menschen, die inskribiert haben, auch studieren wollen, wird dann von den Medien publiziert, als wäre dieser rätselhafte Sachverhalt ein von der Universität wissenschaftlich belegtes Phänomen. Wenn Professoren emeritiert werden, dann vermeidet die Uni, deren Lehrstühle nachzubesetzen – bedroht aber die Studierenden mit Drop-out, wenn sie in einer gewissen Frist keine Prüfungen an diesen Lehrstühlen machen, die vakant sind. Das Rektorat selbst vergisst alle Fristen, und allen Anstand: Wenn eine Professur ausgeschrieben wird und ein Dreiervorschlag vorliegt, dann werden die drei Erstgereihten zu Hearings eingeladen – um danach nie wieder eine Information von der Uni zu bekommen, aber vielleicht durch Zufall zu erfahren, dass der Lehrstuhl neu ausgeschrieben wurde. Wer sich nun die Mühe macht, sich noch einmal zu bewerben, darf diese Erfahrung wiederholen: Hearing, dann Schweigen. Seltsam, dass eine Institution ein Verfahren „Hearing“ nennt, bei dem sie sich taub stellt. Allerdings gibt es keinen Lehrstuhl für „Anglizismen“. Und Kulturwissenschaften: vakant. Lateinamerikanistik: vakant. Internationale Entwicklung: abgeschafft! Und so weiter. Andererseits: Der Rektor, der während der schwarz-blauen Jahre auf dem Schoß der damaligen Ministerin saß, hatte seine Professur und danach die höchsten Weihen erobert, ohne eine wissenschaftliche Arbeit publiziert zu haben. Rätsel über Rätsel.

Und der Wissenschaftsminister gibt dem „Kurier“ ein Interview, in dem er als Karikatur eines Basisdemokraten auftritt und verkündet: Er finde die Proteste und Hörsaalbesetzungen mancher Studierenden „höchstunfair gegenüber der großen Mehrheit all jener, die in Ruhe studieren wollen“! Und was,bitte, wollen die Studenten, die dagegen protestieren, dass ihre Studienrichtung abgeschafft wurde? Rätsel über Rätsel. – Manchmal, wenn ich an das Glück denke, das ich in meiner Studentenzeit hatte, empfinde ich Dankbarkeit – und Mitleid mit jenen, die heute studieren. Mitleid ist, wie auch Dankbarkeit, sehr wohl eine politische Kategorie. Meine Dankbarkeit gegenüber der Alma Materermöglicht mir die Empathie mit den heute Studierenden, die in politische Wut umschlägt.

Vielleicht sollte man die österreichischenUniversitäten einfach zusperren – und allen, die studieren wollen, ein monatliches Stipendium von 1500 Euro für ein Studium an einer guten ausländischen Universität bezahlen. Die EU garantiert Studierfreiheit undAufenthaltsrecht in allen Mitgliedstaaten. Wer an der Sorbonne oder an der Humboldt-Universität oder an der Universität Löwen oder wo auch immer inskribiert, bekommt 1500 Euro monatlich. Das würde am heutigen Stand der Studentenzahlen etwa ein Prozent des BIP kosten. Selbst wenn dann die Zahl der Studierenden um 20 Prozent steigen würde, wäre das Budget erst mit der Summe belastet, die heute bloß für die Verwaltung der Uni-Misere in Österreich budgetiert ist. Der Staat bekommt dafür Akademiker mit Abschlüssen an renommierten Unis, erspart sich auch noch die Kosten für Polizeieinsätze und könnte noch aus der Wiener Hauptuni ein Museum machen, mit Blockbuster-Ausstellungen zur Wissenschaftsgeschichte – so beeindruckend istdieses Haus: wie die Pyramiden in Ägypten. Man zahlt Eintritt und ist fassungslos, wie toll die Kultur war. Seinerzeit. ■

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.05.2012)

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44 Kommentare
 
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In einigen Punkten

kann ich Menasse, von dem ich ansonsten nicht viel halte, schon verstehen, aber trotzdem frage ich mich (und ihn): Da sich die Studentenzahlen von den 70er Jahren bis heute vervielfacht haben, wie stellt es sich Herr Menasse vor, dass die Qualität des Studiums bei Gratis-Hochschulzugang gewahrt bleiben soll? Viele Probleme wie fehlende Seminarplätze und damit einhergehende Verzögerungen im Studium sowie die K-O-Prüfungen in vielen Studien kommen ja daher, dass einfach kein Platz mehr für so viele Menschen ist! Da müssten einfach Maßnahmen ergriffen werden (wobei mir persönlich Aufnahmeprüfungen lieber wären als Zahlungen)! Glaubt Herr Menasse tatsächlich, dass mit der "Ausfinanzierung der Unis" (was auch immer das bedeuten mag) alles gut sei? Platzprobleme bleiben Platzprobleme, und so viel Geld, dass die Unis bedenkenlos ausbauen könnten, um noch mehr Studenten aufzunehmen, gibt es nicht! Irgendwie naiv... Ansonsten aber hat Menasse vieles richtig erkannt (Unterfinanzierung, Nicht-Besetzung von Lehrstühlen etc.).

Re: In einigen Punkten

Aufnahmeprüfungen sind jetzt nachgelagert in die STEOP-Phase mit Siebfächern.

Sinnvoll ist das allerdings auch nicht, denn für Prüfungen kann man lernen - für wissenschaftliche Arbeit qualifiziert das einen trotzdem nicht.

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Re: Re: In einigen Punkten

Ja eh, und das ist nicht gut, dass so Studenten ein Semester oft verlieren und dann sich ganz neu orientieren müssen...

Re: Re: Re: In einigen Punkten

Sie verlieren ja ca. 2 Jahre die auch dem Steuerzahler kosten.

Das ganze System ist derzeit sehr dumm aufgebaut.

Gast: IE
08.05.2012 22:43
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Weitblick

Ich bin Studentin der Internationalen Entwicklung und habe auf so einen Artikel schon lange gewartet!!!!!! Es tut gut, zu sehen, dass es sie noch gibt, die Menschen mit kritischem Weitblick!!! DANKE!!!

Antworten Gast: neugieriger leser
11.05.2012 22:36
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Re: Weitblick

Janine bist du´s?

schlichtweg falsch & peinlich

Der geschätzte Herr Menasse hat hier wohl sein literarisches Recht auf Phantasie ein wenig zu ungezügelt walten lassen. Seine politische Meinung steht ihm natürlich frei, aber so viel faktischer Blödsinn im Spectrum ist eine besondere Erscheinung. Hut ab!
1. "Wer an der Sorbonne oder an der Humboldt-Universität oder an der Universität Löwen oder wo auch immer inskribiert, bekommt 1500 Euro monatlich." - wirklich? das würde ich mir noch einmal ansehen.
2. Georg Winckler hat also keine wissenschaftlichen Arbeiten publiziert - wo andernorts die Empathie nur so galoppiert, fehlt hier basales Recherchetalent - hier steht's genauer: http://ec.europa.eu/research/eurab/cvwinckler.html
3. "Er rief die Polizei in die Uni, um Studierende aus der Uni entfernen zu lassen." - Zu dem Zeitpunkt als die Polizei einschritt war das Verhältnis Obdachlose:Studierende 4:1; 80 Obdachlose, 20 Studierende. Das sollte man zumindest dazusagen, mehr: http://derstandard.at/1259282457619/Nach-Audimax-Raeumung-Besetzung-kostete-laut-Uni-Wien-14-Millionen

Wenn das der Kommentar des intellektuellen Österreichs zur Lage der Unis ist, dann sagt das mehr über Herrn Menasse denn über die Unis und ihre Lage aus. Dieser Artikel, Herr Menasse, ist schlicht peinlich,

BB

Antworten Gast: sodawasserl
08.05.2012 08:51
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Re: schlichtweg falsch & peinlich

Gemeint war natürlich Dissertation, nicht Diplomarbeit.

Antworten Gast: sodawasserl
08.05.2012 08:51
1 0

Re: schlichtweg falsch & peinlich

Seine Diplomarbeit und seine Habilitation dürfte er laut ihrer Liste nicht publiziert haben. Schon peinlich für den Rektor einer Uni, wenn er eine Publikationsliste seiner Werke hat ohne seiner Habilitationsschrift.

Antworten Gast: lustigsamma
07.05.2012 19:02
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Re: schlichtweg falsch & peinlich

Interessante Wiederholung der Co-authors in den Artikeln. Ein Schelm wer Böses denkt ...

Re: schlichtweg falsch & peinlich

zu 1.) Die 1.500 Euro sind ein Vorschlag von Menasse. Ist derzeit noch nicht so. Lesen Sie es noch mal, diesmal sinnerfassend, dann werden Sie es vielleicht auch verstehen.

zu 3.) Hier bezieht er sich wohl auf die erst kürzlich erfolgte Räumung der Uni im Zuge der Proteste gegen die Abschaffung von "Internationale Entwicklung". Da waren keine Obdachlosen anwesend, sondern Studierende.

Re: Re: schlichtweg falsch & peinlich

Punkt 1. stimmt, da war ich voreilig
Punkt 3. der Rektor von dem hier gesprochen wird, ist ziemlich klar als Winckler identifizierbar: "Die Universitätsreform, die letztlich alle Weichen stellte, die zur heutigen Misere führten, wurde von einem Rektor administriert, der gegenüber der damaligen schwarz-blauen Ministerin willfährig war"

wenn man schon mit 'sinnerfassender Lesekompetenz' antanzt, dann sollte man die auch für sich reklamieren können,
cheers

Re: Re: Re: schlichtweg falsch & peinlich

da haben jetzt Sie wieder recht...

Gast: justerix
07.05.2012 12:11
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Menasse - als Experte auf vielen Gebieten hat

wieder einmal zugeschlagen; aber außer
leeren Phrasen kommt nicht viel heraus.

Gast: Luzifer
06.05.2012 23:48
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Menasse ist ein "würdiger" Vertreter jener Herren,

die sich Historiker nennen, diese Bezeichnung aber gar nicht verdienen!

Bei historischen Themen genügt es wohl nicht, in eindimensionaler Sicht Fakten zu präsentieren, an deren Wahrheitsgehalt wahrscheinlich auch noch zu zweifeln ist. Als Beispiel: der Exodus von Professoren der "Sorbonne" wegen der angeblich hier garanierten geistigen Freiheit ...

Wie es vor mir bereit in einem früheren Leserbrief angedeutet, läßt Herr Menasse (dessen Dissertation man übrigens einmal überprüfen sollte!) die historischen Zusammenhänge total außer Acht: Freiheit von Wissenschaften und Forschung (soweit die Kirche diese überhaupt zuließ!!) bestanden im 19. Jahrhunder woohl hauptsächlich für das wohlhabende Bürgertum, ein "Unterschichtler" oder eine Frau hatte kaum eine Chance, auf der Universität zugelassen zu werden ... Dementsprechend begrenzt waren auch die Hörerzahlen. Und jeder hatte bis weit ins 20.Jh. in der Quästur Studiengebühren und Prüfungstaxen zu bezahlen.

Mit der Massenuniversität, auf die Menasse mit keinem Satz eingeht, entstanden neue Probleme. Die Österreicher kommen immer mehr zur Auffassung, daß für jedermann ein Rechtsanspruch auf die Matura als Vorassetzung für ein Hochschulstudium besteht! Demensprechend niedrig ist auch das Niveau der Studenten in der Eingangsphase. Leider wurde noch nicht der sog. Nürnberger Trichter erfunden, mit dem Begabten und Unbegabten gleicherweise der Lernstoff "eingetrochtert" werden kann. Und deshalb will Menasse die UNI gleich zusperren!

Wir haben schon jetzt ein Zwei-Klassen (zweitklassiges) -Bildungssystem

Im Jahr 1972 (als Herr Menasse vermutlich zu studieren begonnen hat) gab es laut Statistik Austria 64.806 Studenten in Österreich. 2010/11 waren es 265.030. Es stellt sich also die Frage, wer das finanzieren soll, ob es zumutbar ist, von jenen, die es sich leisten können, einen Beitrag zu verlangen und ob es gesellschaftlich erwünscht ist, jedem jedes Studium zu finanzieren auch wenn wir nicht jährlich z. B. 200 Kunstgeschichte-Absolventen benötigen. Und natürlich kann man der Ansicht sein, dass, wenn es jemanden interessiert, jede Studienrichtung zu finanzieren ist. Das gilt dann aber wohl auch für andere Ausbildungen. Weil möglicherweise interessiert sich ein anderer Staatsbürger für ein Thema, das an einer Universität nicht angeboten wird sondern an einer Fachhochschule oder einer anderen Bildungseinrichtung. Gilt freier Zugang zu Bildung nur für Studenten? Darf die Arbeiterklasse zwar die Unis mit Steuergeld bezahlen, aber ihre eigene Fortbildung selber berappen? Herrn Menasse ist zuzustimmen, wenn er die mangelnde Finanzierung von Universitäten beklagt, aber genauso beklagenswert ist z. B. die Vernachlässigung des Pflegebereiches um nur eine Baustelle öffentlichen Interesses zu benennen. Unsere Universitäten gehen vor die Hunde, wer es sich leisten kann, geht jetzt schon ins Ausland und zahlt dort oft sehr ordentlich Gebühren. Wer das Geld nicht hat, darf unter unzumutbaren Bedingungen in Österreich studieren. Wie bl...ind kann man sein, das nicht zu sehen?

Antworten Gast: Gast2
06.05.2012 20:29
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Re: Wir haben schon jetzt ein Zwei-Klassen (zweitklassiges) -Bildungssystem

Nachtrag:
Im Jahr 1972 betrug das Bildungsbudget etwa 2% des BIP. Bei - wie Sie schreiben - ca. 65.000 Studenten. Im Jahr 2010 ca. 1,2% des BIP bei ca. 265.000 Studenten.

Erkennen Sie den riesigen Geldmangel? Sogar laut EU-Richtlinie sollte das Budget mindestens 2,0% des BIP betragen, demnächst sogar 2,5% des BIP! Diesen Anteil erreichen Sie nicht dadurch, dass Sie die Studentenanzahlen erniedrigen sondern nur dadurch, dass Sie das Bildungsbudget erhöhen! Österreich sollte anteilsmäßig sogar NOCH MEHR Akademiker bekommen, nicht weniger!

In der Zwischenzeit seit 1972 gab es übrigens einen großen gesellschaftlichen Wandel hin zur Dienstleistungsgesellschaft, Internetboom, Computerzeitalter. Mit einem Akademikeranteil von 1972 kommen Sie heute wirklich nicht mehr weit.

Im übrigen missfällt es mir persönlich, wie Sie Ihren Dr.-Titel sogar bei einem Forums-Nick heraushängen lassen. Diese Tatsache alleine spricht stilistisch natürlich Bände!

Re: Re: Wir haben schon jetzt ein Zwei-Klassen (zweitklassiges) -Bildungssystem

Sorry für den Dr-Titel, aber im Unterschied zu Ihnen poste ich meine Meinung unter meinem Namen, da ich kein Verständnis für die Mutlosigkeit habe, in online-Foren anonym aufzutreten. Ich habe eine Meinung zu der ich stehe. Auch ich bin dafür, die Universitäten mit mehr Geld auszustatten. Anders als Sie bin ich aber der Meinung, dass Studenten, die es sich leisten können, ihren Teil dazu beitragen sollen. Und anders als Sie glaube ich, dass auch Nicht-Akademiker einen Wert haben und nur, weil jemand keinen akademischen Abschluss hat, er deshalb weniger wichtig für die Gesellschaft ist.Sie liegen leider vollkommen falsch mit Ihrem Glauben, dass unsere Gesellschaft lauter Akademiker braucht. Wir haben einen Fachkräftemangel! Und zuviele Publizistik Absolventen! Am Ende des Lebens werden viele froh sein, wenn ihnen eine diplomierte Pflegekraft das Leben erleichtert. Wir brauchen nämlich mehr Pflegekräfte als Kunstgeschichte-Absolventen.

Antworten Antworten Antworten Gast: Humili
07.05.2012 11:05
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Re: Re: Re: Wir haben schon jetzt ein Zwei-Klassen (zweitklassiges) -Bildungssystem

Und da begehen sie meiner Meinung nach einen gewaltigen Fehlschluss, wenn sie von "Studenten, die es sich leisten können" schreiben. Das ist ein heuchlerisches Argument aus der Politik, es gibt nämlich keine "Studenten, die es sich leisten können". Es gibt bestenfalls junge ohnehin stark belastete Familien die es sich grad leisten können, oder nunmehr fertig gebildete und arbeitende Akademiker die es sich leisten können. Kassiert soll aber direkt von Studenten werden, die ohnehin schon von Zuwendungen abhängig sind. Das ist zutiefst asozial.
Aber darum geht es ohnehin nicht, wenn Studiengebühren kommen, dann über kurz oder lang eh wieder von allen, den wiederum heuchlerischen Versprechungen eines "treffenden Stipendiensystems" werden erfahrungsgemäß keine Taten folgen.

Re: Re: Re: Re: Wir haben schon jetzt ein Zwei-Klassen (zweitklassiges) -Bildungssystem

Ich denke, 800 Euro im Jahr oder für 5 Jahre ca. 4000 Euro ist finanzierbar (mit Unterstütung, Stipendien-System, Kredit).
Wenn Sie heute eine Wohnung einrichtenm, ein Auto kaufen oder einen Betrieb eröffen, investieren Sie Geld in die Zukunft. Viele andere Länder zeigen uns das vor (wir sind also keineswegs Vorreiter, ja wir hatten das schon mal!). Ich bin überzeugt, dass die Steuerzahler die Universitäten besser finanziell ausstatten sollten, aber gleichzeitig bin ich überzeugt, dass jene, die sich für ein Studium entscheiden, das zu einem ohnehin nur kleinen Teil mitfinanzieren können. Zeigen Sie mir die große Zahl der Studenten, die ohne Smartphon, Laptop, Ipod und wie dieses technische Schnick Schnack auch heißt aukommt. Wir zahlen soviel für unwichtigere Dinge als Bildung. Und jene Studenten, die sich das nicht leisten können sollen ja von Gebühren befreit werden bzw. einen Kredit erst dann zurückzahlen, wenn sie es sich als fertiger Akademiker leisten können. Es fordert doch niemand Gebühren ohne Möglichkeit von Stipendien, Krediten etc.!! Asozial ist es, während die Wohlhabenden ins Ausland auf tolle Unis ausweichen, den armen jene unzumutbaren Bedingungen überzulassen.

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Re: Re: Re: Re: Re: Wir haben schon jetzt ein Zwei-Klassen (zweitklassiges) -Bildungssystem

wir können uns nicht leisten, dass junge, engagierte Menschen mit ihrem Hochschulabschluss gleichzeitig Systemgefangene werden. Dies passiert unweigerlich, wenn sie bereits für Studienrückzahlungen in die Fänge der Banken geraten.
Mit dem Zwang zur Kreditbedienung für das Studium erzwingen wir nur Willfährigkeit- vermutlich ist das gewünscht- es ist aber kurzsichtig und letztendlich schädlich für jede Gesellschaft. Abhängige sind zwar vorerst leichter kontrollierbar, sie sind aber potentiell gefährlich- nämlich dann, wenn es ihnen reicht, der Frust zu groß wird- dann kommt es zur Revolution und nicht zur Evolution

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: blubberlutsch
07.05.2012 17:43
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Re: Re: Re: Re: Re: Wir haben schon jetzt ein Zwei-Klassen (zweitklassiges) -Bildungssystem

Zeigen sie mir den Bauer, der ohne Traktor seine Arbeit verrichtet. Dass ein Laptop das Arbeitsutensil eines Studenten ist haben Sie vermutlich noch nie bedacht. Aber vielleicht sollten wir auf Wachstafeln unsere Seminararbeiten schreiben? Vielleicht sollen wir keinen Internetanschluss zuhause besitzen, sondern unsere Finger in die Steckdose halten um Zugang zu elektronischen Magazinen zu bekommen? Eventuell sollten wir mit Rauchzeichen kommunizieren, statt unsere Kollegen anzurufen um Gruppenarbeiten zu besprechen und Termine zu vereinbaren? Und vermutlich sollten wir uns auch einfach in ein dunkles Kämmerlein einsperren bis wir mit dem Studium fertig sind?

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Wir haben schon jetzt ein Zwei-Klassen (zweitklassiges) -Bildungssystem

Sie glauben also, für Ihr komplettes Studium keine 4000 Euro bezahlen zu können. Gut, dann werden Sie ein Stipendium bekommen. Ich bestreite aber massiv, dass das für alle Studenten gilt. Tun Sie doch nicht so, als wären alle Studenten an der Armutsgrenze. Viele von denen haben Eltern, die selber Akademiker sind, gut verdienen und rechtlich sogar verpflichtet sind, ihren Kindern eine gleichwertige Ausbildung zu finanzieren. Sozialismus überall hat dazu geführt, dass man für wirklich wichtige Dinge (Bildung, Gesundheit) selber nicht mehr aufkommen will. Und das in einem der reichsten Länder der Welt.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: blubberndes
07.05.2012 19:04
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Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Wir haben schon jetzt ein Zwei-Klassen (zweitklassiges) -Bildungssystem

Sie können gerne Dinge unterstellen, die nie geäußert wurden. Man bezog sich auf Ihren Kommentar aus dem zu lesen war, dass jeder Student ja reich sei, weil er einen Laptop hätte. Es unterstellt auch niemanden den Bauern reich zu sein, weil sie einen Traktor hätten, oder den Ärzten, weil sie ein Stetoskop hätten.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Humili
07.05.2012 13:15
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Re: Re: Re: Re: Re: Wir haben schon jetzt ein Zwei-Klassen (zweitklassiges) -Bildungssystem

Und, bei allem Respekt, ein kleiner Nachsatz: Werden sie dann neben mir auf der Straße stehen und demonstrieren, wenn wir unsere Strudiengebühren bekommen, aber keine entsprechende soziale Abfederung?

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Wir haben schon jetzt ein Zwei-Klassen (zweitklassiges) -Bildungssystem

Ja!

 
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