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Der Fremde in meiner Kabine

05.07.2012 | 18:11 |  WOLFGANG WIEDERSTEIN (Die Presse)

Causa Breno: Der FC Bayern München muss sich den Vorwurf gefallen lassen, bei der Integrierung junger Spieler zu versagen.

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Der FC Bayern sorgt auch für Schlagzeilen, wenn nicht einmal gespielt wird. Oder gerade dann. Kaum war der EM-Schlusspfiff erfolgt, preschten die Münchner mit der Verpflichtung von Matthias Sammer als neuem Sportdirektor nach vorn. Damit erntete der Vizemeister in der Bundesliga viel Lob, die Konkurrenten verneigten sich vor dieser mutigen Personalentscheidung. Wie lange Uli Hoeneß mit dem doch recht eigenwilligen Sammer, der ausgerechnet mit Dortmund assoziiert wird, harmoniert, das ist eine der spannenden Fragen vor der neuen Saison.

Der Champions-League-Finalist musste dieser Tage aber auch einiges an Kritik einstecken. Der ehemalige Bayern-Profi Breno hat sich wegen schwerer Brandstiftung vor Gericht verantworten müssen, der 22-Jährige wurde zu knapp vier Jahren Haft verurteilt. Der betrunkene und vermutlich unter Tabletteneinfluss stehende Breno hatte im September 2011 seine gemietete Villa in Grünwald angezündet, der Schaden bewegte sich in der Höhe von einer Million Euro. Nun aber wird der Verein öffentlich angeprangert, ob er auch wirklich alles unternommen hat, um den jungen Brasilianer zu integrieren, nicht nur mit Geld unter die Arme zu greifen.

Vor wenigen Jahren haben Experten Breno Vinicius Rodrigues Borges eine Weltkarriere vorausgesagt, in drei Jahren und neun Monaten aber wird sich niemand mehr an ihn erinnern. Seine Profikarriere ist vermutlich vorbei, ehe sie richtig begonnen hat. In Deutschland wollte Breno nur eines – Fußballspielen. Eine schwere Knieverletzung aber warf ihn aus der Bahn. Er flog bei der Führerscheinprüfung durch, er sprach auch nach fast vier Jahren kaum Deutsch. Er ist als Fremder gekommen – und ist es immer geblieben.

Breno wurde anfangs in München noch von seinen Eltern begleitet, sie kehrten allerdings schneller heim, als es dem Bayern-Spieler lieb war. Als er sich einer neuerlichen Knieoperation unterziehen musste, griff er immer öfter zum Alkohol. Wenn es sein musste, dann schon in den Mittagsstunden. Obendrein bediente er sich regelmäßig am Medizinschrank des FC Bayern. Schlafmittel und Alkohol haben sich aber noch nie gut vertragen.

Die Staatsanwaltschaft hat auch beim FC Bayern ermittelt, der Münchner Großklub muss sich den Vorwurf gefallen lassen, den Umgang mit Spielern – vor allem mit jungen Spielern – zu hinterfragen. Andere Vereine, so lautet das Urteil ehemaliger Legionäre, würden für eine weitaus bessere Integration sorgen. Das ist auch die Meinung von Giovane Elber.

Die Bayern haben Breno, der mit 18 zwölf Millionen Euro gekostet hat, nach dem Urteil Unterstützung zugesagt. Der entwurzelte Breno aber war grenzenlos überfordert. In zweieinhalb Jahren könnte er nach Brasilien abgeschoben werden. Als gebrochener Mann.

 

E-Mail: wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2012)

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