Damit hat Rapid nicht gerechnet, die Hütteldorfer aber haben sich auch ein wenig vom guten Start in die neue Bundesliga-Saison blenden lassen. Schon die erste Bewährungsprobe, das Duell in der Europa League bei Vojvodina Novi Sad, war nicht von Erfolg gekrönt. Ein erster Warnschuss, der allerdings mit unglücklichen bzw. kuriosen Gegentoren verniedlicht wurde. Die klare 0:3-Schlappe im Wiener Derby gegen die Austria ist allerdings mehr als nur ein Weckruf. Denn für Grün-Weiß stehen in den kommenden Tagen richtungsweisende Partien auf dem Programm. Am Donnerstag kommen die Serben zum Rückspiel ins Hanappi-Stadion, will man weiterhin im Europacup vertreten sein, muss man einen 1:2-Rückstand aufholen. Am Sonntag folgt dann das Auswärtsspiel bei Tabellenführer Salzburg.
Die Mannschaft von Trainer Peter Schöttel wirkte im Derby nicht frisch genug, die Spuren der Doppelbelastung waren nicht zu übersehen. „Aber ich werde sicher nicht jammern“, so Schöttel. „International zu spielen, das war unser Ziel. Wir wollen in den Europacup.“ Nur die Mannschaft hat den Strapazen Tribut zollen müssen, die Hitze hat die ganze Sache auch nicht gerade einfacher gemacht.
Eingeleitet wurden die jüngsten Niederlagen durch individuelle Fehler, die einer Mannschaft, die als Mitfavorit für den Titel gehandelt wird, nicht passieren dürfen. In Serbien hieß der große Pechvogel Lukas Königshofer, gegen die Austria Stefan Kulovits. Er gab das Bild eines überforderten Amateurs ab. „Das erste Tor war ein ganz entscheidender Faktor“, so Peter Schöttel. „So ein billiges Tor, das schmerzt.“
Nach dem 0:1 war das Derby für Rapid gelaufen, die Mannschaft konnte sich nicht mehr aufbäumen, sie war körperlich auch nicht mehr dazu in der Lage zuzulegen. „Vielleicht“, mutmaßt Trainer Schöttel, „haben wir auch nicht mehr daran geglaubt.“ Das wiederum würde an Selbstaufgabe grenzen. Und das ausgerechnet im ersten Derby seit über einem Jahr im Hanappi-Stadion. Rapid war nicht in der Lage, das Tor der Austria ernsthaft zu gefährden, auch der schon so hoch gelobte US-Amerikaner Boyd konnte sich nicht in Szene setzen. Sein Stangenschuss im Finish war bedeutungslos.
Der Erzrivale hingegen scheint unter Peter Stöger wieder auf dem richtigen Weg zu sein, die Austria agiert offensiver als zuletzt, schaltet schneller von der Defensive in die Offensive. Obendrein hat der Vastić-Nachfolger ein gutes Händchen bewiesen, Roman Kienast war jedenfalls mit zwei Toren und einem Assist (Tor Simkovic) der Matchwinner. Der Verlierer hieß daher automatisch Roland Linz, an sich erfolgreichster Derby-Torschütze für Violett. Aber Linz hat in den ersten beiden Saisonspielen nicht zu begeistern verstanden, Trainer Stöger will den Stürmer, der unter Vastić zum Bankbeamten mutiert ist, aber noch nicht abschreiben. „Das war eine Entscheidung auf Augenhöhe. Auch Linz unternimmt das Seine, um in der Mannschaft zu bleiben.“
Unter den interessierten Zuschauern befand sich auch Österreichs Teamchef Marcel Koller, er war auf der Suche nach Kandidaten für das freundschaftliche Länderspiel gegen die Türkei am 15. August. Austrias Tormann Heinz Lindner darf sich sicher Hoffnungen machen, dabei zu sein. Den Kader gibt Koller heute bekannt.
Mail: wolfgang.wiederstein@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2012)
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