Zunächst verabschiedete sich Ried von der europäischen Fußballbühne, dann folgte die Admira – und nach der regulären Spielzeit war auch Rapid ausgeschieden. Denn die Hütteldorfer, bereits im Derby gegen die Wiener Austria klar in die Schranken gewiesen, fanden auch im Qualifikationsrückspiel gegen gegen Vojvodina Novi Sad lange Zeit kein Mittel, die Serben auszuspielen. Alles deutete bereits auf ein 0:0 hin, aber letztlich konnte sich Grün-Weiß zumindest auf den Schiedsrichter verlassen. Der Pole Robert Malek avancierte zum Matchwinner, er sah nämlich einen Elfmeter, den ehrlicherweise nicht jeder ausnehmen konnte. Die Wogen gingen hoch, die Serben waren außer sich, die Emotionen gingen hoch.
Vor einer Woche hatte Steffen Hofmann, der Kapitän, in Novi Sad die Chance eines Elfmeters ausgelassen. Daher trat der Publikumsliebling diesmal ins zweite Glied zurück, er verzichtete auf einen weiteren Versuch. Grundvernünftig, dass er einem Mitspieler den Vortritt ließ. „Man soll das Glück nicht überstrapazieren“, sagte Hofmann anschließend. Der Pfiff des Referees war Segen genug. Also schnappte sich Deni Alar die Kugel, dem eingewechselten Rapidler konnte das Rundherum nichts anhaben, er verwandelte und durfte sich feiern lassen.
Trainer Peter Schöttel konnte bei diesen bangen Szenen gar nicht zuschauen, er war viel zu nervös, um bei der Entscheidung zwischen Aufstieg und Untergang Augenzeuge werden zu wollen. Er kehrte dem Geschehen den Rücken zu, im Falle des Scheiterns wäre er vermutlich am liebsten im Erdboden versunken. Aber Schöttel konnte sich auf Alar, der im Hinspiel den wertvollen Auswärtstreffer (in der 96. Minute!) erzielt hat, verlassen. Und der Trainer konnte nicht umhin, seinen unerschrockenen Schützling zu loben. „Es ist nicht so ohne, diesen Elfer zu schießen, der Druck war schon sehr groß.“ Der Offensivspieler scheint mit den Aufgaben zu wachsen, er entwickelt sich zum mündigen Sportler. „Ich war mir sicher, dass ich treffe“, posaunt der Ex-Kapfenberger. Ende der Diskussion. Den Strafstoß herausgeholt hatte US-Stürmer Terrence Boyd, sonst ein wenig wirkungslos, aber bemüht. In der 98. (!) Minute war er zum 2:0 zur Stelle. Damit haben die Serben alle drei Treffer in der Nachspielzeit kassiert. Und Rapid ist auf dem besten Weg, aus der Rapid-Viertelstunde die Rapid-Nachspielzeit zu machen.
Auf Glücksmomente in letzter Sekunde aber wird sich Grün-Weiß auf Dauer nicht verlassen können, schon am Sonntag in Salzburg werden die Hütteldorfer ganz anders gefordert. Der Meister, wenn auch gegen Düdelingen extrem unrühmlich gescheitert, ist an sich über Vojvodina Novi Sad zu stellen. Aber am Sonntag wird sich sicher kein polnischer Schiedsrichter finden.
Auch gegen Paok Saloniki (4:1 und 2:0 gegen Bnei Yehuda Tel Aviv) ist Rapid nur Außenseiter. Die Griechen haben im Vorjahr in einer Gruppe mit Tottenham und Rubin Kazan Rang eins belegt. Das sollte am 23. und 30. August Warnung genug sein. Der Aufsteiger steht in der Gruppenphase.
E-Mail: wolfgang.wiederstein@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2012)
Grid GirlsSchönheiten der Boxenstraße
SchnappschussDie besten Sportbilder