22.05.2013 17:07 Merkliste 0

Österreich ist ein Entwicklungsland

20.08.2012 | 18:25 |  MARKKU DATLER (Die Presse)

Die „Nullnummer von London“ bietet die große Chance, in Österreich etwas zu verändern. Die Gefahr, auch diese Chance zu verlieren, ist groß.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

 

Woran krankt es im österreichischen Sport? Seit dem ernüchternden Auftritt bei den Sommerspielen in London bewegt das schon länger bekannte Thema erstmals landesweit die Gesellschaft. Es schmerzt, als Verlierer dazustehen, doch weder Bildungs- noch Sportpolitiker – geschweige denn Funktionäre – wollen schuld daran sein, dass Österreich im internationalen Vergleich hinterherhinkt.

Auch eine Talkrunde im ORF brachte keine neuen Erkenntnisse. Die SP-Parteifreunde Peter Wittmann und Norbert Darabos scheinen in der Frage der Machtverteilung über Kreuz. Bildungsministerin Claudia Schmid will partout keinen Zusammenhang zwischen Schule und sportlichem Erfolg sehen. Und so alarmierend die Berichte von Sportlern über bürokratische Hürden bei diversen Förderstellen auch sein mögen, sie bleiben weiterhin bestehen.

Dass über den Bedarf von Turnstunden überhaupt diskutiert wird, ist ob alarmierender Gesundheitsdaten oder erschreckender Pisa-Studien eine Beleidigung der Intelligenz. Dass Sport, selbst im Kindergarten, der Integration dienlich ist, ist auch kein Staatsgeheimnis. Dass es finanziell transparenter, billiger und vom Ablauf einfacher ist, Verbände, Förderstellen und das Österreichische Olympische Komitee unter einem Dach zu vereinen, weiß sogar jeder Polit-Funktionär. Nur, wer sägt schon freiwillig seinen Arbeitsplatz ab?

Artur Wechselberger, der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, formulierte es in einem „Presse“-Interview unlängst sehr deutlich: „Österreich ist ein Entwicklungsland in Fragen von Public Health.“ Dafür dienen Sporterfolge, Turnstunden und Krankheiten durchaus als Indikatoren. Londons „Nullnummer“ ist die große Chance, Österreich neue Impulse zu verleihen. Problematisch ist dabei jedoch, dass nun diejenigen über die Zukunft entscheiden, die schon in der Gegenwart kläglich gescheitert sind.

 

E-Mails an: markku.datler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

1 Kommentare
Gast: dsdsssss
23.08.2012 12:11
0 0

es ist richtig und gut,

dass seitens der bso versucht wird auf die problematik der fehlenden turnstunden und den bewegungsmangel
unserer jugend hinzuweisen.

fragt sich nur, warum das erst jetzt passiert und was der bso präsident in den letzten 5 jahren dagegen unternommen hat.
in seiner amtszeit hätte sich doch auch die eine oder andere gesprächsmöglichkeit zwischen dem parlametarier wittmann und der u.a.
auch an diesem ort tätigen bundesministerin finden lassen müssen.

wer sich die die gesetzlichen verändungen im schulwesen ansieht, wird zu dem ergebniss kommen, dass es überhaupt keine
sinnvollen kontakte gegeben haben kann. anders ist es nicht zu erklären, dass im parlament ein freizeitpädagogengesetz mit der zustimmung
von wittmann beschlossen wurde, dass den organisierten vereinssport ein nahezu unüberwindbare hürde für aktivitäten im schulbereich aufbaut.
zukünftig dürfen nur mehr freizeitpädagogen im nachmittagsangebot eingesetzt werden. auch ein akademische sportausbildung wurde als nicht
ausreichend angesehen!?!

wie das mit der jetzt gestellten forderung zusammenpasst ist unerklärlich!