Woran krankt es im österreichischen Sport? Seit dem ernüchternden Auftritt bei den Sommerspielen in London bewegt das schon länger bekannte Thema erstmals landesweit die Gesellschaft. Es schmerzt, als Verlierer dazustehen, doch weder Bildungs- noch Sportpolitiker – geschweige denn Funktionäre – wollen schuld daran sein, dass Österreich im internationalen Vergleich hinterherhinkt.
Auch eine Talkrunde im ORF brachte keine neuen Erkenntnisse. Die SP-Parteifreunde Peter Wittmann und Norbert Darabos scheinen in der Frage der Machtverteilung über Kreuz. Bildungsministerin Claudia Schmid will partout keinen Zusammenhang zwischen Schule und sportlichem Erfolg sehen. Und so alarmierend die Berichte von Sportlern über bürokratische Hürden bei diversen Förderstellen auch sein mögen, sie bleiben weiterhin bestehen.
Dass über den Bedarf von Turnstunden überhaupt diskutiert wird, ist ob alarmierender Gesundheitsdaten oder erschreckender Pisa-Studien eine Beleidigung der Intelligenz. Dass Sport, selbst im Kindergarten, der Integration dienlich ist, ist auch kein Staatsgeheimnis. Dass es finanziell transparenter, billiger und vom Ablauf einfacher ist, Verbände, Förderstellen und das Österreichische Olympische Komitee unter einem Dach zu vereinen, weiß sogar jeder Polit-Funktionär. Nur, wer sägt schon freiwillig seinen Arbeitsplatz ab?
Artur Wechselberger, der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, formulierte es in einem „Presse“-Interview unlängst sehr deutlich: „Österreich ist ein Entwicklungsland in Fragen von Public Health.“ Dafür dienen Sporterfolge, Turnstunden und Krankheiten durchaus als Indikatoren. Londons „Nullnummer“ ist die große Chance, Österreich neue Impulse zu verleihen. Problematisch ist dabei jedoch, dass nun diejenigen über die Zukunft entscheiden, die schon in der Gegenwart kläglich gescheitert sind.
E-Mails an: markku.datler@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2012)
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