Diskutieren wir doch lieber über ein neues Stadion

09.11.2012 | 18:38 |  WOLFGANG WIEDERSTEIN (Die Presse)

Wie man von sportlichen Misserfolgen in der Europa League ablenken kann, das beweist Rapid-Präsident Rudolf Edlinger.

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Über die Leistung des SK Rapid in der Europa League braucht man nicht viele Worte zu verlieren, das 0:3 in Leverkusen war letztlich nur eine weitere Niederlage, die niemanden überrascht. Ein Misserfolg, der sich ausnahmsweise mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vorhersagen ließ. Die Hütteldorfer hatten daher auch nicht viel aufzuarbeiten, obwohl der Rekordmeister in der Europa League die einzige Mannschaft ist, die bislang punktelos dasteht. Wenn das so weitergeht, dann wird sich daran vielleicht auch in den letzten beiden Spielen daheim gegen Metalist Charkiw und auswärts gegen Rosenborg Trondheim nichts mehr ändern.

Was das für den österreichischen Fußball bedeutet, das zeigt die Tatsache, dass Rot-Weiß-Rot Gefahr läuft, bereits nach nur einer Saison (2013/14) den fünften Europacup-Startplatz auch schon wieder zu verlieren. Während die Schweizer (Basel, YB Bern) im Vormarsch sind, haben die heimischen Vertreter außer enttäuscht nur enttäuscht.

Rapid-Präsident Rudolf Edlinger ist ein schlauer Fuchs, er hat die Situation genützt, um vom Thema abzulenken. Der ehemalige Finanzminister hat im Rahmen des Leverkusen-Ausflugs die Stadiondebatte neu eröffnet. Edlinger berichtete davon, dass die Förderung der Stadt Wien gerade einmal dazu reichen würde, um das alte Hanappi-Stadion generalzusanieren. Um es anders auszudrücken: Die 17,7 Millionen Euro Förderung seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Für einen Umbau aber sei das viel zu wenig, von einem Zubau ganz zu schweigen. Eine Erweiterung des Fassungsvermögens (zwischen 25.000 und 30.000) aber wäre dann genauso teuer wie eine neue Arena. Die Kosten dafür werden mit 40 bis 45 Millionen beziffert.

Geht es nach Rudolf Edlinger, dann sollten in Hütteldorf die Abrissbirnen geschwungen werden. Der Klubchef hält nichts mehr davon, erneut Millionen in eine Renovierung zu stecken, das 35 Jahre alte Stadion solle man doch dem Erdboden gleichmachen und neu errichten. Dafür geht er auch betteln – bei der Stadt Wien. Ob der Ex-Finanzminister aber noch wie früher Türen öffnen kann, das bleibt abzuwarten. Zuletzt ist es ihm nämlich eher nicht mehr gelungen.

 

E-Mail: wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2012)

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