Reden wir über Marko Arnautović – aber nicht zu viel

03.12.2012 | 18:14 |  WOLFGANG WIEDERSTEIN (Die Presse)

Ein Bundesliga-Triplepack ist zuletzt Martin Harnik gelungen. Und davor Toni Polster. Aber vom Saulus zum Paulus ist ein langer Weg.

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Wenn man so will, dann haben die „Ösis“ von Werder Bremen heuer für den zweiten Trainerabschuss in Deutschlands Bundesliga gesorgt. Hoffenheim hat sich jedenfalls am gestrigen Montag dazu durchgerungen, den angeschlagenen Markus Babbel in den Urlaub zu schicken, das 1:4 war der Niederlagen (neun) zu viel, der Klub steht derzeit auf dem Relegationsplatz, das Abstiegsgespenst ist also nicht mehr weit.

Bei Werder hingegen herrscht Jubelstimmung, die Bremer liegen vor allem Marko Arnautović zu Füßen. Der 23-jährige Wiener hat mit seinem Gala-Abend endlich einen richtigen und absolut sehenswerten Volltreffer gelandet, er durfte sich feiern lassen, hat das in der Rhein-Neckar-Arena auch noch lange genossen. Das beweist, welche Zuneigung dieser Exzentriker, der als Enfant terrible verschrien ist, in Wahrheit braucht. Der Hattrick hat beim Floridsdorfer große Emotionen ausgelöst, bei Werder knüpft sich die Hoffnung daran, dass Arnautović endlich das hält, was man sich von ihm eigentlich versprochen hat. Immerhin steht der ÖFB-Teamspieler bereits die dritte Saison bei den Hanseaten auf der Gehaltsliste, der große Durchbruch ist aber immer noch nicht gelungen. Auch heuer hat sich Arnautović noch ziemlich zurückgehalten – fünf Tore, vier Assists, das reißt noch niemanden vom Sessel.

Sein Trainer Thomas Schaaf, der von seinem Triplepack-Schützen einmal so richtig geherzt wurde, ist bekannt für seine Fähigkeiten. Für viele gilt er als Spezialist für schwierige Fälle, in ihm steckt eben nicht nur ein Fußballlehrer, sondern auch ein Pädagoge. „Diese Tore“, mahnte Schaaf darum auch ein, „wollen wir von ihm sehen, dafür ist er da!“ Andersrum: Arnautović hat nur seinen Job gemacht. Sein Mitspieler Lukas Schmitz meinte in diesem Zusammenhang mit einem kleinen Augenzwinkern: „Wir wollen nicht so viel über Marko reden, sonst könnte es nächste Woche wieder schwierig werden.“

Vom Saulus zum Paulus ist es oft ein langer Weg. Marko Arnautović, der zuletzt bei der 1:4-Schlappe gegen Leverkusen krankheitsbedingt gefehlt hat, ist in dieser Saison nicht negativ aufgefallen, wenn man von einer „Kopfnuss“, die er in einem Spiel verteilt hat, absieht. „Die Zahl der schlagzeilenträchtigen Ausflüge ins Bremer Nachtleben nimmt kontinuierlich ab“, schreiben die Deutschen. „Und daran haben zwei Frauen den größten Anteil: seine Ehefrau Sarah und das Töchterchen Emilia.“

Marko Arnautović, der das Kicken noch im Wiener „Käfig“ gelernt hat, kann für Werder noch ein ganz besonderer Spieler werden. Aber der Wiener muss sich mehr Konstanz aneignen, die Mannschaft ist auch ohne ihn schon wankelmütig genug. Eine Überraschungstüte, wie sie auch Österreichs Nationalteam ist. Mit so einem Arnautović aber muss man sich nicht einmal vor den Schweden oder den tapferen Iren fürchten.


E-Mail: wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2012)

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