Aufwachen, Herr Präsident!

Bei Misserfolgen im Sport sollte die Politik künftig besser schweigen.

Drei Jahre waren offenbar nicht genug, es wurde gestritten und gezerrt, verzögert und torpediert. Explodiert ist das Fass dann bei den Sommerspielen in London, der Olympia-Flop des rot-weiß-roten Teams veranlasste den Sportminister zu einem Rundumschlag. Gezimmert wurde dann doch noch ein gemeinsamer Entwurf eines neuen Bundessportfördergesetzes. Der Entwurf, darauf waren die Experten und Mitarbeiter des Sportministeriums so stolz, würde endlich ein modernes und transparentes Fördersystem vorsehen, auch die Forderungen des Rechnungshofes wurden miteingearbeitet. Der Ministerrat aber hat es nicht behandelt, das Bundessportfördergesetz wurde damit wieder einmal auf die lange Bank geschoben. Ein Veto der ÖVP hat den Ausschlag gegeben.

Immer dann, wenn Parteipolitik im Sport mitspielt, sind mehr als nur Zweifel angebracht. Allzu oft sind es die Farbenspiele, die Reformen und Verbesserungsvorschläge scheitern lassen, den österreichischen Sport in der Stagnation verharren lassen. Bleibt der Medaillenregen aus, dann ist der Aufschrei allerdings groß. Der Sport ist zu einem Nebenschauplatz, auf dem man Stellvertreterkriege führt, verkommen. Wenn Peter Haubner, einer der Multifunktionäre dieses Landes und Präsident der Sportunion, behauptet, dass der Sport bis heute kein Spielfeld von politischen Streitereien war, dann sollte er endlich aufwachen. Willkommen in der Wirklichkeit, Herr Präsident!

wolfgang.wiederstein@diepresse.com

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