Sex in the City? Schafft lieber Schnee herbei!

02.01.2013 | 16:00 |  Wolfgang Wiederstein (Die Presse)

Der alpine Weltcup machte in München Station. Wenn man die Schlupflöcher im Reglement stopft, eine durchaus interessante Angelegenheit.

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Am Ende hatten sich wieder fast alle lieb, es fielen keine kritischen Worte mehr. Die Skifans, die zum Münchner Olympiaberg gepilgert waren, hatten ihre Gaudi – und wurden sogar mit einem echten Heimsieg belohnt. Felix Neureuther war beim City-Event nicht zu schlagen, der 28-jährige Bayer strahlte letztlich bis über beide Ohren. Zum dritten Mal in seiner Karriere stand er bei einer Weltcup-Veranstaltung auf dem obersten Treppchen. Alle drei Erfolge haben ihre eigene Geschichte: Die Sieg-Premiere in Kitzbühel war etwas Einmaliges, das war im Jänner 2010 einfach „ohne Worte“; dann kam Garmisch, der Triumph dahoam. „Und jetzt München – das ist etwas ganz Spezielles. Wegen der Stimmung und der Leute bei dem genialen Event.“ Über 17.000 waren gekommen, unter den Neureuther-Fans befand sich auch Bastian Schweinsteiger, der Bayern-Star. Als Knirpse haben sie einst gemeinsam Pisten bezwungen. Noch heute rennt da der Schmäh zwischen den beiden.
Hinter der zweiten Auflage des Rennens in München ist lange Zeit ein Fragezeichen gestanden, die Plusgrade haben sich so hartnäckig gehalten, dass dem Veranstalter die 40 Lkw-Ladungen mit Schnee aus Reit im Winkl beinahe davongeronnen wären. Die Piste aber hielt, und Weltcup-Punkte durften die Topstars auch einstreifen. In der Slalomwertung liegt Marcel Hirscher, der sich bis ins Finale gekämpft hat, nur noch 24 Punkte vor Felix Neureuther. „Mir tut das gut, sonst wäre Marcel ein bisschen weggezogen. Jetzt hat er wieder einen kleinen Dämpfer bekommen.“

Die Skistars sind also wieder einmal in die Stadt gekommen, am 29. Jänner wird der zweite Parallelslalom dieses Winters in Moskau stattfinden. „Unsere Aufgabe ist es, Interesse bei den Leuten zu wecken“, stellt Günter Hujara, der FIS-Renndirektor, unmissverständlich klar. „Wir wollen raus in die Städte.“ Und damit runter vom Berg. „Zwei Stunden Liveberichterstattung zu Neujahr sind nicht zu unterschätzen.“

Vor München hat es das übliche Gemurre gegeben, vor allem des Reglements wegen. Obendrein sei das alles nur ein zweifelhaftes sportliches Vergnügen. „Mehr Show als Rennen“, hat auch Marcel Hirscher gemeint. Kein Wunder, er ist quasi Angestellter des ÖSV – und Präsident Peter Schröcksnadel hat wiederholt kritisiert, dass es bei City-Events auch um Punkte geht. Markus Wasmaier wiederum bricht eine Lanze für solche Veranstaltungen. „Das ist wie mit Rockkonzerten. Man kennt zwar das Lied, aber wenn man die Musiker live erleben kann, ist das doch ganz etwas anderes.“
Möglich, dass bald auch einmal in New York oder in Rom gefahren wird. FIS-Präsident Gian-Franco Kasper: „Ob der Papst den Vorläufer gibt oder nicht, das weiß ich noch nicht . . .“


E-Mail: wolfgang.wiederstein@diepresse.com

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