Ein Zeichen- endlich ein kleines Zeichen

04.01.2013 | 18:22 |  WOLFGANG WIEDERSTEIN (Die Presse)

Die Europäische Fußball-Union versucht zwar, Rassismus zu bekämpfen, scheitert aber regelmäßig.

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Es war eine Aktion, die Respekt verdient, ein Signal, das im italienischen Fußball wieder breit diskutiert wird. Nach rassistischen Beschimpfungen von gegnerischen Fans hat die Mannschaft des AC Milan ein Testspiel gegen den Viertligisten Pro Patria vorzeitig abgebrochen, nachdem die dunkelhäutigen Spieler Kevin-Prince Boateng, M'Baye Niang, Urby Emanuelson und Sulley Muntari angefeindet und schlimm beleidigt wurden. Milan-Trainer Massimiliano Allegri wirkte mehr als nur irritiert: „Wir müssen dieses unzivilisierte Verhalten stoppen. Italien muss zivilisierter und intelligenter werden!“ Die Täter konnten mittlerweile identifiziert werden, ihnen drohen Stadionverbote bis zu fünf Jahren.

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Dass der AC Milan in der 26.Minute in die Kabine flüchtete, wurde vor allem vom Deutsch-Ghanesen Boateng initiiert. Er brach ein Dribbling ab, hob den Ball auf, schoss ihn auf die Tribüne der Pro-Patria-Fans, zog sein Trikot aus und lief in Richtung Umkleidekabinen. Die Mannschaft zeigte sich solidarisch, folgte ihm, schloss sich demonstrativ dem „Protest“ an. Die Mehrheit der Zuschauer in Busto Arsizio spendete den „Rossoneri“ zwar tosenden Applaus, dies änderte aber nichts mehr an dem Skandal, der eines der großen Probleme im italienischen Fußball aufzeigte. Die Unbelehrbaren finden sich nicht nur in unteren Ligen, sondern auch in der Serie A.

Kevin-Prince Boateng, dessen Bruder Jerôme beim FC Bayern München unter Vertrag steht, gilt nicht gerade als zart besaitet oder als unkomplizierter Profi. Er kann auch ganz schon hinlangen, wenn er glaubt, dass es der Mannschaft dient. In Deutschland ist vor allem sein Foul an Michael Ballack unvergessen, der damalige DFB-Kapitän verpasste nach einer rüden Attacke von Boateng, einem gebürtigen Berliner, die WM in Südafrika 2010.

„Es ist eine Schande, dass so etwas immer noch passiert, das ist inakzeptabel“, sagt der Milan-Legionär. „Ich hoffe, dass unsere Reaktion endlich angekommen ist. Schwarz und Weiß ist eines. Es gibt keine Menschen zweiter Klasse!“

Solidarisch mit Milan und Boateng zeigte sich auch Rio Ferdinand. Der Verteidiger von Manchester United twitterte: „Fair play to him. Well done!“ Sein Bruder Anton wurde einmal von John Terry (Chelsea) rassistisch beleidigt. Der Captain entschuldigte sich, wurde mit einer Sperre von vier Spielen belangt.

In St.Petersburg hat unlängst ein Fanklub den Klub Zenit ungeniert und öffentlich aufgefordert, von der Verpflichtung von dunkelhäutigen oder homosexuellen Spielern abzusehen.

 

E-Mail: wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2013)

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