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Austria's New Footballstar: "Konnte nichts besseres passieren"

07.07.2012 | 16:12 |  von Sascha Bunda (DiePresse.com)

2010 gewann die Fußball-Castingshow Austria's New Footballstar. Doch der 20-Jährige musste schmerzlich erfahren, wie steinig der Weg zum Kickerstar wirklich ist. Enttäuscht ist er aber nicht.

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Eigentlich wollte er gar nicht mitmachen. Als der Privatsender Puls 4 im Sommer 2010 die Fußball-Castingshow „Austria's New Footballstar“ bewirbt, leistet Dominik Scherr gerade seinen Präsenzdienst ab. Das Ziel, Profifußballer zu werden, hat der damals 18-Jährige durchaus. Er absolviert das Frank Stronach College in Weiz, spielt in der vorletzten Liga bei seinem Heimatverein, dann bei Gleisdorf in der Landesliga. Aber eine TV-Sendung scheint dem schüchternen Jungen nicht der richtige Weg zu sein. „Ich mach' mich doch da nicht zum Affen“, meint er, als ihn seine Schwester und seine damalige Freundin zum Mitmachen überreden wollten. Aber dann lässt sich Scherr doch breitschlagen, bittet seinen Bundesheer-Hauptmann darum, für die Sendung freigestellt zu werden.  „Dann machen Sie halt mit“, meint der Vorgesetzte zu den Plänen.
Und die Abwesenheit von der Grundausbildung sollte lange dauern. 900 Kandidaten bemühen sich, die Jury, bestehend aus den Ex-Fußballern Frenkie Schinkels und Toni Polster sowie dem Salzburger Verbandspräsidenten und ÖFB-Funktionär Herbert Hübel, zu überzeugen. Dabei gilt es Aufgaben zu meistern wie die Hermann-Maier-Riesentorlaufstrecke hinauf laufen oder ein „sexy Fotoshooting“, das Model-Sternchen und Moderatorin Patricia Kaiser einfädelt. So stellt sich ein Privatsender eben das Leben eines Fußballstars vor. Der prominent besetzte Trainerstab um Zoran Barisic, Stefan Marasek, Kurt Garger, Christian Keglevits und Walter Knaller bemüht sich, die sportlichen Leistungen in den Vordergrund zu rücken.

Kapfenberger Star. Am Ende heißt der Sieger Dominik Scherr. Der Lohn ist ein Profivertrag beim damaligen Bundesligisten Kapfenberg, mit einem Verdienst am unteren Ende des Gehaltsgefüges. Die neuen Kollegen akzeptieren den Emporkömmling. „Tut mir leid, wenn ihr irgendwas Schlechtes von mir denkt, aber das ist meine Chance“, stellt er sich bei den Profis vor.
Der junge Mittelfeldspieler wirkt bei vielen Testpartien mit, die Bundesliga wird er aber nur kurz kennenlernen. Beim Trainingslager in der Türkei kommt der Einbruch. Auf diesem Niveau zu trainieren, das ist Scherrs Körper laut Werner Gregoritsch nicht gewohnt.  „Ich war körperlich so fit und von einem Tag auf den anderen war alles weg“ erzählt er der „Presse am Sonntag“. Scherrs Körper reagiert auf die ungewohnte Belastung mit einem Streik. Ein Muskelfaserriss erschwert den Kampf um einen Platz im Team. Obwohl der damalige Trainer Werner Gregoritsch große Stücke auf seinen Jungpromi hält, wird Scherr zu den Amateuren gesteckt. Gregoritsch ist es auch, der schließlich den Wechsel in die dritte Mannschaft vorschlägt, um ihm Spielpraxis zu verschaffen. Eine schwere Zeit für den Senkrechtstarter.
Fast sein gesamter rechter Arm ist mit Tattoos bedeckt, wie es bei vielen Fußballstars heutzutage der Fall ist. Doch von seinem großen Ziel, dem großen Fußball, ist Dominik Scherr im Sommer 2011 weit entfernt.
„Und dann ist Peter gekommen und hat mich nach Deutschland geholt.“ Peter, das ist Peter Assion, der auch bei unserem Gespräch neben ihm sitzt. Der Deutsche kennt das Fußballgeschäft, war Trainer bei Bregenz, Altach und Ulm, dann Sportdirektor bei Salzburg und heute bei Burghausen. Und er war sportlicher Leiter der Sendung „Austria's New Footballstar“. Assion fühlt sich für Scherr verantwortlich, holt ihn zu Wacker Burghausen. „Man kann nicht nur die Sendung abschließen und Tschüss, wie es bei diesen Sänger-Castingshows passiert. Uns ging es nicht um die Quote, sondern um die Menschen.“
Beim deutschen Drittligisten Burghausen kämpft Scherr um den Anschluss an das Team. Nach Anlaufschwierigkeiten befindet er sich „in Top-Verfassung“ und will „voll angreifen“. Wichtig ist mittlerweile, dass er gleichzeitig eine Ausbildung zum Sportartikelverkäufer machen kann. Der Verein greift ihm dabei unter die Arme. Im Dezember wird er damit fertig sein, gleichzeitig endet der Vertrag in Burghausen. Dennoch hat er den Traum nicht aufgegeben, nicht nur Bälle zu verkaufen, sondern auch zu versenken. „Möglichst hoch zu spielen, das ist das Ziel“, meint er.
Die leichten Ansätze von Starrummel vermisst er nicht. „Ich habe Autogramme geben dürfen. Das war eine tolle Erfahrung, aber man muss auch die Kirche im Dorf lassen“, sagt Scherr. Die vielen Freunde, die nach der Sendung plötzlich aufgetaucht sind, sind längst wieder weg. „Echte Freunde kannst du an einer Hand abzählen“, lässt er Lebenserfahrung durchblicken. Die negativen Aspekte seiner 15 Minuten Ruhm fehlen Scherr schon gar nicht: „Es gibt immer Neider. Nach der Sendung war es brutal, da haben viele über mich gesagt, ich wäre eingebildet, aber nie mir ins Gesicht.“

Ganz unten. Das Konzept von Fußball-Castingshows sieht Scherr kritisch, aber nicht aussichtslos: „Ich glaube schon, dass man mit so einer Show ein Talent finden kann, aber um innerhalb eines Jahres so einen Sprung zu schaffen, dafür muss man schon ein Riesentalent sein. Im Moment, als ich gewonnen habe, habe ich mich nicht richtig freuen können. Mir war klar, dass die Chance so gering ist, einmal in der österreichischen Bundesliga zu spielen, wenn du von unten kommst.“
Unten ist er trotz schwerer Zeiten nicht mehr. Deshalb zieht er ein zufriedenes Resümee seiner kurzen Zeit als Österreichs neuer Fußballstar: „Es hätte mir nichts Besseres passieren können. Ich habe viel daraus gelernt und bin als Mensch sehr gereift.“  ?

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