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Blatter: "Vielleicht war ich zu gutgläubig und naiv"

15.07.2012 | 18:23 |  von Wolfgang Wiederstein (Die Presse)

Fifa-Präsident Joseph S. Blatter antwortet auf die Kritik mit Vorwürfen bei der WM-Vergabe für 2006 in Deutschland. Bei der Abstimmung soll es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein.

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Zürich/Wien. Der Fifa-Präsident ist wieder einmal unter Beschuss geraten, der Korruptionsskandal wirft dunkle Schatten auf den Weltfußballverband. Joseph S. Blatter trat nun die Flucht in die Offensive an. Der Funktionär legte im „SonntagsBlick“ seine Sicht der Dinge dar und holte zum Gegenschlag aus. Er antwortete mit Vorwürfen gegen die WM-Vergabe 2006 in Deutschland und deutete in diesem Zusammenhang ebenfalls Korruption an.

Beim Thema „gekaufte WM“ schildert Blatter folgende Begebenheit: „Da erinnere ich mich an die WM-Vergabe für 2006, als im letzten Moment jemand den Raum verließ und man statt 10:10 bei der Abstimmung ein 10:9 für Deutschland hatte. Ich bin froh, ich musste keinen Stichentscheid fällen. Da steht plötzlich einer auf und geht. Vielleicht war ich da zu gutgläubig und naiv.“ Was wollte der Fifa-Präsident damit andeuten? „Ich vermute nichts, ich stelle fest.“

Diese Episode wirbelte gehörig Staub auf. Franz Beckenbauer, der die WM als Chef des Organisationskomitees nach Deutschland geholt hatte, war empört. „Ich kann Blatters Äußerungen und Andeutungen nicht nachvollziehen. Sie sind falsch! Er irrt ja schon beim Ergebnis. Es war 12:11 für uns, nicht 10:9.“ Durch die Enthaltung von Charles Dempsey habe Deutschland sogar eine Stimme verloren und nicht gewonnen...

 

„Die wollen mich weghaben“

Der ehemalige Fifa-Präsident João Havelange hat 1,5 Millionen Franken Schmiergeld, Ricardo Teixeira als Exekutivkomiteemitglied 12,7 Millionen kassiert. Eine Mitwisserschaft dementiert Blatter entschieden. Sein Medienberater Bernd Fisa autorisiert dazu folgendes Statement des Schweizers: „Ich habe es erst später erfahren, nach dem Kollaps der Agentur ISL 2001. Es war die Fifa, die damals Strafanzeige erstattete und den ganzen Fall ins Rollen brachte. Wenn ich nun sage, es sei schwierig, die Vergangenheit an heutigen Maßstäben zu messen, dann ist das eine generelle Feststellung. Ich heiße weder Bestechung gut, noch unterstütze oder rechtfertige ich sie. Genau das wird mir jetzt vorgeworfen. Das Bundesgericht hat all jene Leute Lügen gestraft, die behaupten, ich hätte Schmiergelder empfangen. Jetzt versuchen die gleichen Leute, mich auf der zweiten Ebene zu attackieren. Okay, er hat zwar kein Schmiergeld kassiert, aber er muss davon gewusst haben. Nein, nochmals: Erst nach dem Kollaps von ISL, Jahre später. Die Leute, die mich attackieren, wissen, dass es so ist. Aber sie wollen mich weghaben.“

Fifa-Präsident Blatter geht im „SonntagsBlick“ auch auf Distanz zu Havelange. „Das Thema soll beim nächsten Kongress behandelt werden.“ Dann stellt der Walliser klar: „Er muss weg. Er kann nicht Ehrenpräsident bleiben.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2012)

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11 Kommentare

Blatter weiß offenbar über zu viele zuviel...

Trotz der massiven Angriffe gegen seine Person und Funktion wankt Blatter eigentlich noch immer nicht wirklich; für mich ein Zeichen, daß er sich zumindest relativ sicher fühlt!Der Grund dafür dürfte sein "Wissen" über so manchen einflußreichen FIFA-Funktionär und dessen "Schwächen" in der Vergangenheit sein. Diese Herren wissen genau: Fällt der Boss, dann fallen auch sie um ihre prächtig dotierten Jobs um! Und irgendwie hat sich der Sepp schon seit vielen Jahrzehnten aus jeder Bredouille heraus gewurstelt. Er ist und bleibt eben ein "Cleverle".

Anderseits: Daß bei den Bewerbungen um die Austragung der WM so manches in seltsamen Bahnen läuft, wurde jedenfalls noch nie zuvor so deutlich zelebriert, wie beim Zuschlag für Katar! I

In einem kleinen Wüstenstaat, der nicht einmal über eine heimische Meisterschaft verfügt; in dem im Sommer eine Temperatur von 50+ an der Tagesordnung ist und in dem sich nach der WM kein Mensch mehr für Fußball interessieren wird; also keine werbemäßige "Umwegrentabilität" zu erwarten ist, diese WM-Endrunde auszutragen: Das ist einfach nicht "normal" - das ist nur noch GEKAUFT!

Ähnlich wie sich Putin die Olympischen Winterspiele in Sotschi KAUFTE! In einer Region, die sonst als veritable Sommerurlaub-Destination fungiert. Und die für die Winterspiele llandschaftlich "umgebaut" werden mußte. Für ca. 20 Mrd. Euro; was aber nicht die endgültige Summe sein muß...

Gast: soccersucker
17.07.2012 11:39
0 0

blatter wusste...

seit jahrzehnten sieht man seinen machenschaften zu und schneidet kräftig mit - und nun plötzlich die große empörung?das darf doch alles nicht wahr sein!

Warum sind alle so erstaunt?

Es ist schon bei viel kleineren Beträgen geschoben worden, also warum wundert es jeden wenn bei so großen Beträgen die bei einer WM fliessen, geschoben und Korrumpiert wird?

Die Deutschen sind ja auch nicht

vor Korruption gefeit,

wie ja aus den jüngsten Enthüllungen über Korruption in diesem angeblichen Sauberland bekannt sein dürfte!

Vom abgetreten Bundespräsidenten bis in südliche Bundes-Provinzen.

Antworten Gast: mortne
17.07.2012 12:02
2 0

Re: Die Deutschen sind ja auch nicht

und was wollen Sie uns damit sagen? dass macht, geld und korruption nahe beinanderliegen?
das wissen wir nämlich schon. korruption in deutshcland macht die korruption irgendwoanders auch nicht legitimer

Gast: Argesauge
15.07.2012 23:11
13 1

Naiv, gutgläubig

So ein schmarrn!!!

Ein eiskalter schwerverbrecher

Und die giszahler finanzieren diese korrupten abzocker im steuerhinterzieherland

Gast: b754
15.07.2012 22:16
6 1

der berlusconi des fussball


Blatter: "Vielleicht war ich zu gutgläubig und naiv"

ER nicht. Aber alle, die glaubten in Blatter einen halbwegs passablen Präsidenten für den Weltfußball gefunden zu haben!

Gast: Pele
15.07.2012 19:51
8 6

wenn ich einen Kommentar schreibe.......

....und dieser Kommentar schon beim Mausklick auf Kommentar senden verschwindet, dann ärgere ich mich nicht, NEIN, ich ärgere mich nicht.....ICH FREUE MICH, weil dann weiß ich, dass ich mit diesen Kommentar GENAU INS SCHWARZE getroffen habe UND NOCH VIEL MEHR FREUT MICH, dass schon während meines Schreibens MITGELESEN wurde, DA HAT DANN ZUMINDEST EINER DIE WAHRHEIT GELESEN, aber er/sie darf sie halt nicht zulassen.....so etwas nennt man Diktatur im Mantel einer Demokratie....Schönen Sonntag noch!

Re: wenn ich einen Kommentar schreibe.......

WIR sind sogar noch näher dran als sie denken: WIR lesen nicht beim Schreiben mit, WIR lesen schon beim Denken mit.
Aber ich verrate ihnen, wie sie sich schützen können: Machen sie sich einen Helm aus Alufolie und lassen sie diesen 24h/Tag aufgesetzt. Das verhindert, dass WIR ihre Gedanken lesen können.

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