Wien. Roger Schmidt erkannte diese Mannschaft nicht wieder. Das waren wirklich nicht „seine“ Salzburger, die sich am Dienstag in Luxemburg so bitter blamierten. „Nein, dieses Gesicht kannte ich bisher noch nicht“, sagte der Trainer nach der 0:1-Niederlage bei F91 Düdelingen.
Die Vorbereitung der Salzburger unter dem Deutschen Schmidt, der erst vor wenigen Wochen Ricardo Moniz beerbte, war verheißungsvoll verlaufen. Testspiel-Siege, unter anderem gegen namhafte Klubs wie RSC Anderlecht, schürten Hoffnung. Das erstmalige Erreichen der Champions-League-Gruppenphase in der Ära Red Bull sollte nicht länger Illusion bleiben. Düdelingen könne doch kein Stolperstein sein.
„Nicht zu akzeptieren“
Bei den vier bisherigen Versuchen, die Königsklasse zu erreichen, scheiterte Salzburg stets in der letzten Qualifikationsrunde. 2012 droht man diese sogar zu verpassen. „Wir haben nicht die richtigen Entscheidungen getroffen, einfache Fehler gemacht“, haderte Schmidt, der die Leistung seiner Elf nicht akzeptieren will. „Es gibt nichts zu beschönigen. Wir haben schlecht ins Spiel gefunden, und es wurde noch schlechter.“
Die klar favorisierten Gäste ließen nicht nur spielerische Klasse vermissen, sondern auch den Kampfgeist. Nach Joachims Treffer zum 1:0 in der 75. Minute machten die Salzburger kaum Anstalten, das Ergebnis zu korrigieren. Auf dem Platz fehlte der „Lautsprecher“. Einer, der die zehn Spieler rund um sich wachrüttelte, den Ernst der Lage illustrierte. So verfiel die Mannschaft in Lethargie, fügte sich seinem Schicksal. „Das Aufbäumen hat gefehlt“, stellte Schmidt – nach dem Abpfiff – fest.
Niederlage mit bitteren Ausfällen
Das 0:1 beim Fußballzwerg aus Luxemburg ist eine Blamage, die ihren Weg in die Geschichtsbücher gefunden hat und auf dem gleichen Level wie das 0:1 des Nationalteams gegen die Färöer einzustufen ist. Zu toppen wäre das nur, sollte Salzburg am kommenden Dienstag im Rückspiel nicht doch noch den Aufstieg fixieren. Geht man konzentriert und mit vollem Elan an diese Aufgabe heran, kann nur Österreichs Double-Gewinner als Sieger aus diesem eigentlich ungleichen Duell hervorgehen.
Schmidt hofft, dass der Warnschuss bei allen Spielern angekommen ist. „Wenn wir es bisher nicht gewusst haben, so ist jetzt klar, dass wir das Rückspiel außerordentlich ernst nehmen müssen. Wir können das Ganze noch ausbessern. Das ist das einzig Positive.“ Zwei Spieler werden dabei definitiv nicht mitwirken. Stürmer Soriano sah für eine Schwalbe in der 90. Minute Gelb-Rot und ist gesperrt. Schlimmer wiegt aber der Ausfall von Dušan Švento. Der Slowake musste nach einem Zweikampf schon in den Anfangsminuten ausgewechselt werden. Der 26–Jährige erlitt einen Kreuzbandriss und einen Seitenbandeinriss.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2012)

