Paris/Wien. Rund um den Eiffelturm drängten sich die Menschenmassen. Selbst die drückende Hitze hielt nur wenige davon ab, ihren neuen Fußballstar zu begrüßen. Die Verpflichtung von Zlatan Ibrahimović versetzte Paris und die Anhänger des Klubs St. Germain in einen Rausch. Der Schwede, 31, wurde gefeiert wie ein Popstar. Auch manch französischer Politiker hätte sich so einen Empfang gewünscht...
Naturgemäß ist dieser Hype von sportbegeisterten Medien ausgelöst worden. Auch die Wortwahl, mit welcher der oft divenhaft wirkende Star beschrieben wurde, war reichlich überhöht. Die Schlagzeilen reichten vom „heiligen Monster“ bis zum „Genie“. Sie treffen auf den schwedischen Stürmer auch zu. Ob aber Magier oder Messias stimmt, das sei dahingestellt.
Dank der Millionen aus Katar
In einem Punkt aber hatte „Le Figaro“ recht: „Paris wird in eine neue Dimension treten.“ Seit der Klub im Mai des Vorjahres in den Besitz der „Qatar Sports Investment“ gelangte, spielt Geld keine Rolle mehr. Paris St. Germain ist nun ein weiteres Beispiel für das schier wahllose Investment arabischer Scheichs im europäischen Klubfußball. Für sie sind es Spielzeuge, für die Klubs kommen die Geldgeber unhinterfragt aus dem Märchen „1001 Nacht“. Ob Manchester City, Malaga, Nottingham Forrest oder Paris – Petrodollar rollen, leidige Begriffe wie die Eurokrise stehen im Abseits.
So wunderte sich in Paris auch niemand darüber, dass Neo-Klubchef Nasser Ghanim Al-Khelaifi als Einstandsgeschenk im Mai 2011 gleich 90 Millionen Euro für Verstärkungen investierte. Da der geforderte Erfolg ausblieb, wurde im Winter Coach Carlo Ancelotti verpflichtet. Den dritten Titel der Ligue 1 nach 1986 und 1994 hat er aber klar verpasst. Da Al-Khelaifi von Titel, Champions League und großen Namen träumt, müssen Stars her – um jeden Preis.
Also machte sich Ancelotti mit Sportdirektor Leonardo auf Einkaufstour. Ibrahimović ist bislang der letzte, wenngleich prominenteste Neuzugang. Milan-Präsident Silvio Berlusconi verkaufte ihn nur im Doppel mit dem Brasilianer Thiago Silva – für 70 Millionen Euro. Davor wurden der Argentinier Ezequiel Lavezzi (Napoli) und der Italiener Marco Verratti (Pescara) verpflichtet. Laut „L'Équipe“ ist die Einkaufsliste noch lang. Auch die Brasilianer Kaká (Real Madrid) und Robinho (Milan) sollen bei Paris SG unterschreiben.
Sportdirektor Leonardo wirkte bei der Präsentation des Schweden erlöst: „Er ist ein Spieler, der alles ändern kann.“ Ibrahimović könnte tatsächlich ein Glücksbringer sein. Er gewann zwischen 2004 und 2011 mit jedem seiner Arbeitgeber, die Palette reicht von Ajax, Juventus, Inter Mailand, Barcelona bis zum AC Milan, jeweils die Meisterschaft. Allerdings, er gewann noch nie die Champions League.
15 Millionen sind „unanständig“
Mit großem Druck und hohen Erwartungshaltungen konnte Ibrahimović, der bosnisch-kroatische Wurzeln und als Kleinkind in den Seitengassen von Malmö erstmals gegen den Ball getreten hat, seit jeher gut umgehen. Neu für ihn ist allerdings die Reaktion auf sein Gehalt. Während den Pariser Fußballfans sein Salär vollkommen gleichgültig ist, stieß sich Roselyn Bachelot, die ehemalige Sportministerin der Grande Nation, an der Rekordsumme von 15 Millionen Euro pro Jahr. Damit sei er der Topverdiener in Europas Klubfußball, Bachelot sei ob dieser Summe „total angeekelt“.
Auch Budgetstaatssekretär Jérôme Cahuzac lieferte eine populäre Aussage über das Gehalt des Fußballers ab. Es sei vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise „unanständig“.
Nicht nur Paris SG will vom Starstürmer profitieren, auch ganz Frankreich. Regierungssprecherin Najat Vallaud-Belkacem kündigte an, dass Ibrahimović das Gros seiner Millionengage mit einem Spitzensatz von 75 Prozent werde versteuern müssen. Das entspreche eindeutig dem Vorschlag der sozialistischen Regierung, der für Gehälter ab einer Million Euro pro Jahr in Frankreich gelten soll. Das hat Präsident François Hollande im Wahlkampf angekündigt.
So manches ihrer Wahlversprechen lösen Politiker nach ihrer Präsentation somit schneller ein als Spitzenfußballer.
Zlatan Ibrahimović wird seit 2001 auf Europas „Transferbörsen“ gehandelt. Mit dem Schweden, 31, wurden insgesamt 168,1Millionen Euro umgesetzt.
Kosten seiner Klub-Transfers:
2001: Malmö – Ajax 7,8 Mio. €
2004: Ajax – Juventus 16 Mio. € 2006: Juventus – Inter 25 Mio. €
2009: Inter – Barcelona 69 Mio. €
2010: Barcelona – AC Milan
Leihvertrag: 6 Mio. €
2011: Barcelona – AC Milan
Kauf: 24 Mio. €
2012 AC Milan – Paris SG 20 Mio. €
Topverdiener in Europa pro Jahr:
1.Ibrahimović (Paris) 15 Mio. €
2. Ronaldo (Real) 13,5 Mio. €
3.Messi (Barcelona) 12,5 Mio. €
Quelle: transfermarkt.at, Uefa
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.07.2012)

