Wien. Eigentlich konnte Rapid-Präsident Rudolf Edlinger dem Ausgang des Duells mit Vojvodina Novi Sad in der Fußball-Europa-League-Qualifikation relativ gelassen entgegenblicken. Im laufenden Budget sind nach Angaben des ehemaligen Finanzministers nur die Einnahmen für eine Europacup-Runde vorgesehen, ein Ausscheiden sollte daher kein Loch in die Klubkassa reißen.
Dennoch könnte Rapid in dieser Saison in finanzielle Schieflage geraten. Wie jedes Jahr gingen die Hütteldorfer bei der Budgeterstellung für 2012/13 im vergangenen Frühjahr von zusätzlichen Einnahmen aus Bereichen wie Transfers, Merchandising oder auch Europacup aus, die erst während dieser Spielzeit aufgetrieben werden müssen. Da im Gegensatz zu den vergangenen Jahren bisher kein Spieler für gutes Geld verkauft wurde, scheint ein Abdriften in die Schuldenfalle nicht ausgeschlossen.
Im Juni 2007 wies Rapid ein negatives Eigenkapital von über vier Millionen Euro auf, das rund drei Jahre später, dank zweier Teilnahmen an der Europa-League-Gruppenphase und der Verkäufe von Spielern wie Erwin Hoffer, Stefan Maierhofer, Ümit Korkmaz, Veli Kavlak oder Nikica Jelavić, wettgemacht wurde. Für letzteren Spieler erhält Rapid von den Glasgow Rangers noch eine – im Budget eingeplante – Rate von 890.000 Euro, als Zahlungstermin ist der 31. August festgelegt. Der schottische Rekordmeister schlitterte allerdings in die Insolvenz, weshalb die Rapidler, die in dieser Causa bereits eine britische Kanzlei eingeschaltet haben, durch die Finger schauen könnten.
Die Vorzeichen sprechen nicht unbedingt gegen eine neuerliche Anhäufung negativen Eigenkapitals, auch wenn Edlinger beschwichtigte: „Das kann man jetzt noch nicht sagen, es hängt davon ab, wie die Saison verläuft. Es ist ja erst ein Monat von zwölf Monaten in dieser Saison vergangen.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2012)

