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Manchester United: Ein Börsengang wie ein Eigentor

10.08.2012 | 18:27 |  FELIX LILL (Die Presse)

Der wertvollste Fußballklub der Welt ist zum zweiten Mal an die Börse gegangen. Die Erstausschüttung brachte nicht die Preise, die sich die Besitzer erhofft hatten.

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London. Die Nachricht überraschte kaum: „Unser Verschuldungsgrad könnte sich negativ auf unsere finanzielle Gesundheit sowie die sportliche Wettbewerbsfähigkeit auswirken. Mit Stand 31. März 2012 hatten wir eine absolute Schuldenlast von 423,3 Millionen Pfund“, hieß es im Juli von offizieller Seite. Schon lange hatten Kritiker über die drückende Schuldensituation des Fußballklubs geklagt, die sich zuletzt auch negative Folgen für das Geschäft hatte.

Um nun das nötige Geld für die Tilgung aufzutreiben, ist Manchester United gestern zum zweiten Mal in seiner Vereinsgeschichte an die Börse gegangen. So nahm der Verein auf einen Schlag 233,3 Millionen US-Dollar ein. 16,7 Millionen Papiere wurden an der New Yorker Börse zum Erstemissionspreis von 14 US-Dollar pro Aktie verkauft, womit der Wert hinter den ursprünglichen Erwartungen von 16 bis 20 US-Dollar zurückblieb. Nachdem die negativen Einschätzungen von Analysten dominiert hatten, stieg der Kurs auch gestern kurz nach Öffnung der Märkte in New York nur marginal an.

2005 war „United“ von der US-amerikanischen Milliardärsfamilie Glazer für 790 Millionen Pfund von der Londoner Börse geholt worden, wo der Klub zuvor seinen Wert über 15 Jahre um den Faktor 16 vergrößert hatte. Mit der Übernahme der Glazers, die ihren Reichtum durch Einkaufszentren erlangten und zudem die American-Football-Mannschaft Tampa Bay Buccaneers besitzen, stiegen hingegen die Schulden. Trotz harter Kritik wurden die Kosten der Klubübernahme auf die Konten des Vereins überschrieben.

 

„Räuberische Übernahmen“

„Solche fremdfinanzierten Übernahmen sind häufig räuberisch“, kritisiert der Fußballfinanzexperte Sean Hamil, der am Birkbeck College der University of London forscht. „So müssen hohe Zinszahlungen geleistet werden, was sich negativ auf Investitionen auswirkt.“ Ein Beispiel ist der englische Fußballklub FC Liverpool, der 2007 durch zwei US-amerikanische Geschäftsmänner per „leverage buyout“ gekauft wurde und seitdem sportlich ins Hintertreffen geraten ist. „Das Problem ist, dass im Sport der teuerste Faktor die Spielergehälter sind. Wenn man daran spart, weil man Schulden hat, fehlen die sportlichen Erfolge und dadurch die Einnahmen.“

Auch Manchester United passt in dieses Muster. In vier der letzten sechs Jahre machte der Verein Verlust. Gleichzeitig wurde weniger Geld in Spieler investiert und Erfolge blieben aus. Im vergangenen Jahr schloss „United“ die englische Meisterschaft nur als Zweiter ab; in der Champions League, wo durch Prämien und TV-Einnahmen am meisten Geld verdient wird, schied der Verein schon in der Vorrunde aus. Durch das an der Börse neu eingenommene Kapital sollen schließlich auch wieder Investitionen ermöglicht werden, sobald die Schuldenlage konsolidiert ist.

Betriebswirtschaftlich wird der Börsengang daher gelobt. Dass die Glazers dies aber aus Liebe zum Fußball tun, glauben die wenigsten. Einen „toy club owner“, nennt etwa der Kopenhagener Sportökonom Troels Troelsen das Phänomen, wenn ein Investor aus Prestige oder finanziellem Interesse in einen Fußballverein investiert. „Manchester United scheint dabei ein besonders attraktives Objekt“, sagt Troelsen, weil der englische Rekordmeister laut der jährlich erscheinenden „Forbes“-Liste der wertvollste der Welt ist. Das hat sich mit dem Börsengang bestätigt: Die Erstemission bewertete den Verein mit 2,9 Milliarden US-Dollar, etwa eine Milliarde mehr als Real Madrid, der zweitwertvollste Klub.

Allerdings gilt die neu emittierte Aktie in den Augen der meisten Analysten kaum als attraktiv. Fans, die sich Mitspracherecht erhoffen, werden enttäuscht: Durch verschiedene Aktienklassen hat jedes börslich erhältliche Wertpapier nur ein Zehntel des Stimmrechts von jenen Papieren, die die Glazer-Familie hält. So bleiben rund 99 Prozent unter Kontrolle der bisherigen Besitzer. Zudem ist Manchester United schon heute der beliebteste Klub weltweit und weiteres Einnahmenwachstum durch Ticketverkäufe, Merchandising und Fernsehrechte erscheint langfristig begrenzt. Auch die Ausschüttung von Dividenden ist vom Verein „vorerst nicht vorgesehen“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2012)

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