Wien. Wenn Österreich am 11. September zum Auftakt der WM-Qualifikation Deutschland empfängt, wird in der Ära Marcel Koller erstmals eine bedeutende Zwischenbilanz gezogen. Beim finalen Test für den Ernstfall wartet Mittwochabend (20.30, live in ORF 1) im Wiener Ernst-Happel-Stadion die Türkei. Bis dahin muss der Teamchef noch einige Entscheidungen treffen, etwa wer die verletzten David Alaba und Marko Arnautović ersetzen soll. Eine Wahl ist bereits gefallen.
Fuchs löst Janko ab
Christian Fuchs wird die ÖFB-Elf künftig als Kapitän aufs Feld führen. Eine logische Entscheidung. Koller, 51, kennt Fuchs schon aus gemeinsamen Tagen in Bochum, schätzt seine Qualitäten auf dem Platz und abseits des Platzes. „Ich habe auch ein bisschen auf mein Bauchgefühl gehört“, sagt der Schweizer, der den bisherigen Kapitän Marc Janko als Vize ins zweite Glied gerückt hat. Einer Degradierung des in der Vergangenheit aufgrund von Verletzungen immer wieder fehlenden Stürmers soll dies nicht gleichkommen. Koller: „Dass Marc nun Vizekapitän ist, heißt nicht, dass er nichts mehr zu melden hat. Er genießt meine Unterstützung.“
Gemeinsam mit Paul Scharner, Andreas Ivanschitz, Sebastian Prödl und Alaba bilden Fuchs und Janko den neuen Spielerrat, der laut Koller als „Verbindungsteil zwischen Mannschaft und Vorstand“ agieren soll.
Auf dem Rasen braucht es freilich mehr als sechs Spieler, die als Vorbilder voranschreiten. Gegen die Türkei, das nach dem Erreichen des EM-Halbfinals 2008 in ein sportliches Tal schlitterte, will der Teamchef weitere Fortschritte feststellen und setzt Grundlegendes voraus.
„Wir müssen die Bereitschaft zeigen, defensiv zu arbeiten und schnell nach vorn zu spielen.“ Einer, der in Kollers Planungen eine tragenden Rolle spielen dürfte, ist Veli Kavlak. Den 23-jährigen Besiktas-Legionär bezeichnet der Teamchef als „zweikampfstarken Spieler, der viel unterwegs ist und den Ball verlangt“. Ein Typ, wie Koller ihn liebt.
„Wir werden belächelt“
Kavlak, der neuerdings mit Vollbart auftritt, kennt den Großteil der Gegenspieler aus der türkischen Liga. Trotz der ausbleibenden Erfolgserlebnisse ist der türkische Fan davon überzeugt, „dass man gegen Österreich gewinnt“. Der Respekt vor der heimischen Auswahl sei zwar durchaus gegeben, Angst verbreitet Rot-Weiß-Rot im Ausland allerdings nicht. Einen Standpunkt, den auch Wolfsburg-Neuzugang Emanuel Pogatetz vertritt. In Deutschland wird das gesteigerte Potenzial der österreichischen Nationalmannschaft sehr wohl bemerkt, „aber für unsere Ergebnisse werden wir noch immer belächelt“. Zuletzt schlug Salzburgs Europacup-Blamage gegen Düdelingen hohe Wellen und hinterließ tiefe Spuren. Pogatetz wurde „oft darauf angesprochen“. Umso bedeutender ist ein guter Start in die WM-Quali. Damit die Lacher leiser werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2012)

