Frankfurt/Apa. Pfiffe gab es keine. Obwohl Deutschlands Fußballnationalteam gerade 1:3 gegen Argentinien verloren hatte, reagierten die Fans in Frankfurt mit aufmunterndem Beifall. Sie honorierten die unglücklichen Umstände, die zu dieser Niederlage und damit der verpatzten Generalprobe für die WM-Qualifikation geführt hatten. „Es ist schwer, es auf den Punkt zu bringen, was alles passiert ist in diesem Spiel“, meinte der deutsche Bundestrainer Joachim Löw: „Der Spielverlauf war einfach gegen uns.“
Schon früh nahm das Unheil seinen Lauf: Nach 25 Minuten musste Verteidiger Mats Hummels nach einem Zusammenprall mit einer Halswirbelverrenkung hinaus. Fünf Minuten später flog Torhüter Ron-Robert Zieler wegen einer Notbremse vom Platz. Ersatzmann Marc-Andre ter Stegen hielt zwar den Elfer von Lionel Messi, doch unmittelbar vor dem Ende der ersten Hälfte fiel doch noch das 0:1. Sami Khedira hatte mit einem verunglückten Befreiungsschlag ins eigene Tor getroffen. „Das war kurios. Es kam alles zusammen heute“, meinte Stürmer Miroslav Klose.
Deutschland konnte sich danach nicht richtig aufbäumen, die Niederlage nahm bedrohliche Formen an. Messi schlug nach der Pause doch noch zu (52.) und Angel di Maria gelang ein Traumtor aus 30 Metern (73.). Es lief einfach alles für Argentinien, der Anschlusstreffer von Benedikt Höwedes (81.) änderte daran nichts mehr. Deutschlands Spieler hakten die Partie schnell ab. „Nach der Roten Karte mussten wir uns erst finden. Das Ergebnis ist letztlich verdient. Es geht weiter“, sagte Khedira. Aktivposten Marco Reus erklärte: „Es war ein unglücklicher Abend. Wir haben gezeigt, dass wir gegen Argentinien schon mitspielen können.“
Kahn spart nicht mit Kritik
Die nach dem Aus im EM-Halbfinale gegen Italien aufgekommene Kritik an Löw wird trotzdem nicht verstummen. Schon kurz nach dem Schlusspfiff brachte Ex-Teamtorhüter Oliver Kahn eine neue Debatte ins Rollen. „Was sich in den letzten Monaten gezeigt hat, ist, dass die Mannschaft im Defensivbereich große Probleme hat. Der Bundestrainer muss sich da schon langsam mal Gedanken machen“, meinte der ZDF-Experte.
„Es ist ja alles schön und gut mit Spielphilosophie und Offensive. Grundsätzlich sind es aber zu viele Torchancen, die der Gegner hat. Man kann doch als Spieler nicht immer zufrieden sein. Gegen die Italiener blutleer verloren, heute kriegt man wieder drei Stück. Mich würde das ärgern“, führte Kahn weiter aus. Löw ließ die meisten Sätze unkommentiert. „Ich teile seine Meinung nur bedingt“, sagte er. „Ich kann keinem Spieler einen Vorwurf machen, dass er nicht alles gegeben hat.“
Zum Startschuss der WM-Qualifikation am 7. September werde mit den Färöer ein anderer Gegner warten, meinte der Bundestrainer. „Die Qualifikation ist ein anderer Wettbewerb. Und wir haben eine andere Situation, weil die Spieler dann schon zwei, drei Pflichtspiele gemacht haben“, sagte Löw.
Wie die Inselkicker (0:2 in Island) gewann – bis auf Österreich – kein Team der Quali-Gruppe C sein Testspiel. Schweden verlor gegen übermächtige Brasilianer 0:3, Irland trennte sich in einer schwachen Partie von Serbien 0:0.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2012)

