Herr Scharner, wie ist Ihre Befindlichkeit?
Paul Scharner: "Es ist hart. Es ist eine absolut harte Zeit. Belastend, weil sich alles unrühmlich entwickelt hat und nicht der Wahrheit entspricht."
Was entspricht nicht der Wahrheit?
"Mich stört die Darstellung, wonach ich aus dem ÖFB-Camp abgereist sein soll. Das stimmt absolut nicht. Ich bin rausgeschmissen worden. Ich habe aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, würde nie wieder aus dem Nationalteam zurücktreten, das möchte ich ein für alle Mal klarstellen. Sonst machen wir einen Pressetisch, der Koller und ich."
Sie haben Teamchef Marcel Koller Respektlosigkeit vorgeworfen. Was genau kritisieren Sie?
"Seine Begründung, warum ich nicht gegen die Türkei spiele. Koller meinte, er wolle erst meine Entwicklung beim Hamburger SV abwarten, weil ich die letzten eineinhalb Jahre nicht auf der Innenverteidigerposition gespielt habe. Dabei habe ich 180 bis 200 Erstliga-Spiele auf dieser Position absolviert. Da braucht man mir nicht mehr erklären, wie man als Innenverteidiger spielt. Außerdem gab es andere Anzeichen für die fehlende Wertschätzung wie etwa die Nominierung für den Spielerrat. Ich sollte ein Backup sein. Ein Gute-Laune-Spieler, der die Kollegen pusht."
Gab es denn keine Möglichkeit, sich konstruktiv mit dem Teamchef über diese Themen auszutauschen?
"In jedem Betrieb gibt es einmal einen Crash, wenn Personen unterschiedlicher Meinung sind. Dann setzt man sich zusammen und spricht darüber, um diesen Crash wieder zu beseitigen. Mit Koller war kein Gespräch möglich. Im Endeffekt war ich der Schwarze Peter, der abgereist ist und nicht mehr wollte."
Sie schließen einerseits eine Rückkehr im Nationalteam nicht aus, weil Sie ja von sich aus nicht zurückgetreten sind. Andererseits haben Sie im Magazin "News" Teamchef Koller scharf kritisiert. Was wollten Sie damit bezwecken?
"Ich wollte nur den Crash provozieren. In dieser WM-Qualifikation ist eine außergewöhnliche Leistung notwendig, wirklich alles muss in die richtige Richtung zeigen. Ich habe es nicht darauf ausgelegt, dass ich rausgeworfen werde."
Bereuen Sie dennoch Ihre Wortwahl?
"Die nächste Tage wird sich abzeichnen, in welche Richtung es geht, ob das richtig oder falsch war."
Nachsatz: Das ÖFB-Präsidium hat in seiner Sitzung vom 16. August einstimmig zugesichert, Marcel Koller in seiner Entscheidung hinsichtlich der Causa Scharner vollinhaltlich zu unterstützen.
Darüber hinaus hat das Präsidium den einstimmigen Beschluss gefasst, dass der Spieler Paul Scharner, unabhängig von der Person des Teamchefs, künftig in keine österreichische Nationalmannschaft mehr einberufen wird.

