[Berlin/Wien] Wenn er egoistisch wäre, dann könnte sich Marko Arnautović als Gewinner fühlen. Der Österreicher war einer der wenigen, die bei der Blamage von Werder Bremen im deutschen Fußballpokal überzeugen konnten. Bei der 2:4-Niederlage in der ersten Runde beim Drittligisten Preußen Münster bereitete Arnautović die zwischenzeitliche 2:1-Führung des Bundesligisten vor. Der 23-Jährige, der nach einer Stunde eingewechselt wurde, flankte in der 67. Minute genau auf den Kopf von Werder-Talent Niclas Füllkrug. Doch die Münsteraner retteten sich noch in die Verlängerung und machten nach 120 Minuten die Sensation perfekt. Sebastian Prödl und Zlatko Junuzović waren die volle Spielzeit über auf dem Platz.
Durch das zweite Erstrunden-Aus in Folge könnte es nun auch einen Konkurrenten weniger für Arnautović geben. Eigentlich stand Bremen kurz davor, den nigerianischen Stürmer Joseph Akpala vom FC Brügge zu kaufen. Nur Kleinigkeiten gelte es noch zu regeln, hieß es am Sonntagvormittag. Doch der Transfer wackelt nun ob der überraschenden Finanzlücke gewaltig. „Wir hatten schon mit einigen Runden im Pokal geliebäugelt. Mindestens aber mit der zweiten Runde“, beschrieb Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs die finanzielle Dimension dieser Enttäuschung.
Die Bremer waren nicht das einzige Team, das sich an diesem Pokal-Wochenende blamierte. Sechs der 18 Bundesligisten verabschiedeten sich in Runde eins. In der Cupgeschichte muss man bis zur Saison 1987/88 zurückblättern, um eine derartig schlechte Erstrundenbilanz der deutschen Eliteklubs zu finden. Der bisherige Negativrekord ist noch 20 Jahre älter. 1967/68 schieden gleich sieben Topvereine schon zum Pokal-Auftakt aus. Allerdings konnten bis zur Saison 98/99 auch Bundesligisten in der ersten Runde aufeinandertreffen.
Historische Blamage
Den Vogel schoss Hoffenheim ab, das sich vom Viertligisten Berliner AK mit 4:0 demontieren ließ. Nie verlor ein Bundesligisten im DFB-Pokal höher bei einem Amateurklub. „Langsam wird mir Berlin unsympathisch“, meinte Hoffenheim-Trainer Markus Babbel, der im Dezember 2011 einen schmachvollen Rauswurf bei Hertha BSC erlebte.
Paul Scharner blieb eine Blamage bei seinem neuen Klub, dem Hamburger SV, erspart. Als sich der Traditionsverein vom Drittligisten Karlsruher SC mit 4:2 hinauswerfen ließ, saß der Ex-ÖFB-Nationalspieler auf der Bank – diesmal ohne Murren. Auch Erwin Hoffer saß bei der 0:3-Pleite der Eintracht bei Zweitligist Erzgebirge Aue nur auf der Frankfurter Bank.
Das traurige Sextett komplettieren der 1. FC Nürnberg (2:3 n.V. bei Viertligist Havelse) und Aufsteiger Greuther Fürth (0:2 bei den drittklassigen Kickers aus Offenbach).
Aber es gibt auch österreichische Erfolgsgeschichten: die der beiden Mainzer Andreas Ivanschitz und Julian Baumgartlinger zum Beispiel. Beide hatten großen Anteil am Sieg über die fünftklassigen Amateure vom SV Roßbach/Verscheid. Ivanschitz bereitete die frühe 1:0-Führung und den 4:0-Endstand vor, Baumgartlinger erzielte das 3:0 mit einem 22-Meter-Fernschuss.
Auch Martin Harnik hatte am Samstag das Cupspiel seiner Stuttgarter bei Sechstligist Falkensee-Finkenkrug sehr ernst genommen. Nach einer vergebenen Chance hatte der Österreicher wie einst Jürgen Klinsmann per Fußtritt eine Werbebande demoliert, ehe er dann doch noch zwei Tore zum klaren 5:0-Sieg des Bundesligisten beisteuerte.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2012)

