Thessaloniki/Wien. Als letzter österreichischer Europacup-Vertreter hatte Rapid die Reise nach Griechenland angetreten. Rund 800 Fans begleiteten die Hütteldorfer zum Play-Off-Hinspiel gegen Paok und sie erwartete in Thessaloniki kein herzlicher Empfang. Bereits am Nachmittag attackierten Paok-Fans in der Innenstadt grün-weiße Anhänger, erst die Polizei konnte die Gruppen trennen. Vor dem Stadion bewarfen Griechen die Rapid-Fanbusse mit pyrotechnischen Gegenständen und Molotow-Cocktails, erst Tränengas setzte den Tumulten ein Ende.
Der Grund für die Spannungen liegt in Rapids Fan-Freundschaft mit Paok-Kontrahent Panathinaikos. Trotz offiziellen Verbots dürften sich auch einige Panathinaikos-Anhänger im Auswärtssektor eingefunden haben. Von dort flogen rund 15 Minuten vor dem Spiel Feuerwerkskörper in die griechischen Sektoren, woraufhin die Lage erneut eskalierte.
Unbehelligt von den Einsatzkräften stürmten hunderte Paok-Fans das Spielfeld und bewarfen den Rapid-Block mit Bengalen, auch Sitze und Werbebanden flogen herum. Die Partie stand am Rande des Abbruchs. Nach Absprache mit den Uefa-Offiziellen entschied sich der englische Schiedsrichter Andre Marriner doch anzupfeifen, allerdings mit dem Vorbehalt, das Spiel bei jedem weiteren Vorfall sofort zu beenden.
Paok spielt, Rapid trifft
Anschließend beschränkten sich die Paok-Fans darauf, das mit rund 29.000 Zuschauern ausverkaufte Toumba-Stadion in den erwarteten Hexenkessel zu verwandeln. Auch auf dem Feld übernahmen die Hausherren von Beginn an das Kommando. Bereits nach fünf Minuten fand Paok die erste Topchance vor, ein Schuss des aufgerückten Etto strich jedoch knapp an der linken Stange vorbei.
In der Folge dominierten die Griechen zwar das Spiel, kamen allerdings kaum gefährlich vors Tor von Königshofer. Rapid spielte viel zu ungenau, selten gelangen mehr als drei aufeinanderfolgende Pässe. Doch mit der ersten richtigen Chance gingen die Gäste in Führung. Nach einem Ildiz-Pass ließ Alar mit einer wunderbaren Ballmitnahme seinen Gegenspieler aussteigen und traf genau ins linke Eck (25.). Mit der glücklichen Führung im Rücken kam Rapid etwas besser ins Spiel, durfte sich kurz vor der Pause aber noch einmal bei Fortuna bedanken. Athanasiadis kam völlig freistehend am Fünfer an den Ball, doch Paoks Topscorer schoss am Tor vorbei (46.).
In der Halbzeit reagierte Paok-Trainer Donis und vollzog einen Doppelwechsel. Am Spielgeschehen änderte sich wenig: Paok drückte, Rapid konnte kaum noch für Entlastung sorgen. Sukzessive näherten sich die Griechen auch dem Tor an. Landete der erste Kopfball von Athanasiadis noch an der Stange (62.), hatte der Paok-Angreifer wenig später das Glück auf seiner Seite. Von der rechten Stange sprang der Ball zum verdienten Ausgleich ins Netz (69.).
Verlusttreffer trotz Überzahl
Wenig später verabschiedete sich Lazar nach einem rüden Foul an Hofmann mit Gelb-Rot (74.). Doch auch zu zehnt blieb Paok die aktivere Mannschaft und wurde dafür belohnt. Ein Befreiungsschlag von Katzer landete direkt vor Katsikas, der den Ball von der Strafraumgrenze unter die Latte jagte (83.). Im Gegensatz zu den Partien gegen Novi Sad gelang Rapid diesmal in der Nachspielzeit kein Tor. Dank Alars Auswärtstreffer darf in Hütteldorf aber weiter von der Gruppenphase geträumt werden.
Paok: Glykos; Etto, Katsikas, Kuhmalo, Lino; Georgiadis (68. Lawrence), Lazar, Kace, Bertrand (46. Fotakis); Giannou (46. Salpingidis), Athanasiadis.
Rapid: Königshofer; Schimpelsberger, Sonnleitner, Gerson, Katzer; Ildiz, Heikkinen; Burgstaller, Hofmann (77. Kulovits), Grozurek (65. Schrammel); Alar (82. Boyd).
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2012)






