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Real Madrid stolpert, Mourinho holt den nächsten Star

27.08.2012 | 16:59 |  von Wolfgang Wiederstein (Die Presse)

Der spanische Meister reagiert auf die 1:2-Niederlage gegen den Madrider Vororteklub Getafe und verpflichtet den Kroaten Luka Modric. Real Madrid ist so schlecht wie schon lange nicht mehr in die Saison gestartet.

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Madrid/Wien. Dass José Mourinho böse werden kann, das ist an sich nichts Neues. Dass der exzentrische Startrainer das schon nach zwei Runden der spanischen Meisterschaft ist, das ist dann doch eher verblüffend. Seine Mannschaft ist jedenfalls so schlecht wie schon lange nicht mehr in die neue Saison gestartet. Genau genommen seit 2001 nicht mehr. Die „Königlichen“ haben nur einen einzigen Punkt zu Buche stehen, am Wochenende handelte man sich im Derby gegen den Madrider Vororteklub Getafe eine 1:2-Niederlage ein. In der abgelaufenen Saison, die mit dem Gewinn des Titels geendet hat, hatte man lediglich zwei Niederlagen einstecken müssen. Dazu kamen vier Unentschieden. „Real war schlecht“, polterte Mourinho. „Sehr schlecht sogar. Das war ein Match, das man so nicht akzeptieren kann.“ Besser gesagt, der Trainer kann das 1:2 nicht akzeptieren, denn der Portugiese, der sich selbst als Fußballmessias sieht, nimmt Niederlagen ziemlich persönlich, Getafe hat ihn, den großen Unfehlbaren, als Außenseiter persönlich beleidigt.

Für Real Madrid ist eine stolze Serie zu Ende gegangen, 24 Spiele war man in der Meisterschaft in Serie ungeschlagen gewesen. Obendrein war man mit 1:0 in Führung gelegen, das Spiel hat man sich dennoch aus der Hand reißen lassen. Das ist dem „Weißen Ballett“ zuletzt vor über fünf Jahren passiert. Getafe hat den Meister der Effizienz gespielt, mehr oder weniger aus zwei Chancen zwei Treffer erzielt. „Wir hingegen sind in einem schlechten Zustand“, kritisierte José Mourinho. „Die Niederlage für unser Team war verdient!“

Der Real-Trainer stellt sich üblicherweise schützend vor seine Auswahl, diesmal aber prangerte er sie öffentlich an. Auch der Schiedsrichter war nicht schuld. Einzelne Spieler nahm Mourinho dann aber doch nicht aufs Korn. „Es war ein fürchterliches Spiel. Das waren zwei lächerliche Tore, die wir kassiert haben!“ Nach Standardsituationen ist Real Madrid derzeit wahnsinnig anfällig, das war beim 1:1 gegen Valencia schon festzustellen.

In Madrid herrscht also blankes Entsetzen, denn auch das Hinspiel um den spanischen Supercup ist ein wenig in die Hose gegangen. Die 2:3-Niederlage gegen den FC Barcelona lässt die Madrilenen zwar noch hoffen – um den ersten Titel der Saison zu gewinnen, muss sich aber vieles ändern. Denn der Pokalsieger war im ersten Spiel der klare Punktesieger, Barcelona war eindeutig dominierend. Das Rückspiel steigt am Mittwoch.

Die spanischen Gazetten fahren indes bereits schwere Geschütze auf, vor allem der Deutsche Mesut Özil bekommt sein Fett ab. „Er ist ein Scharlatan“, schrieb „El Mundo“. „Es ist sehr selten, dass er gut spielt.“ Auch Sami Khedira, der in den beiden Ligaspielen nicht erste Wahl war, steht in der Kritik. „Khedira scheint wie Frankenstein.“

Das „Weiße Ballett“ aber hat am Montag bereits korrigierend eingegriffen, den 26-jährigen Kroaten Luka Modric von Tottenham geholt. Laut Medienberichten hat man sich auf eine Ablöse von 42 Mio. Euro und auf einen Vertrag bis 2017 geeinigt. Viele sehen den spielgestaltenden Techniker Modric als Gefahr für Özil. Aber José Mourinho wird schon wissen, was er tut.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2012)

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