Wien. Die Strafe, die die Europäische Fußballunion nach den Vorfällen von Saloniki dem SK Rapid aufgebrummt hat, schmerzt die Verantwortlichen in Hütteldorf. Im Fall von neuerlichen Zwischenfällen droht sogar der Ausschluss vom Europacup. Daher steht beim heutigen Play-off-Rückspiel der Europa League gegen Paok Saloniki im ausverkauften Hanappi-Stadion auch irgendwie die Zukunft von Grün-Weiß auf dem Spiel. Das Match wurde zum Hochsicherheitsspiel ernannt, die Hütteldorfer behaupten, alle Vorkehrungen getroffen zu haben, um einen friedlichen Ablauf zu gewährleisten. Es werde intensive Kontrollen geben, im Einsatz sind knapp 600 Polizisten. Das sind um 30 Prozent mehr als bei einem Wiener Derby.
Die Exekutive erwartet heute rund 1000 Paok-Fans in Wien, ein großer Teil davon dürfte als Risikofans einzustufen sein. Obendrein gibt es Gerüchte, dass sich die Griechen mit Anhängern von Partizan Belgrad verbrüdern könnten. Zwischen diesen beiden Vereinen besteht eine Partnerschaft. Aufseiten von Rapid muss erwähnt werden, dass vereinzelte Fangruppierungen intensiven Kontakt zu den Hardcore-Fans vom „Gate 13“ bei Panathinaikos pflegen. Grün-Weiß verbindet offenbar, das war auch beim Platzsturm im Mai 2011 schon so.
„Künftig werden wir einen harten Weg einschlagen“, kündigte Rapid-Präsident Rudolf Edlinger im Rahmen eines Pressegesprächs am Mittwoch an. „Der Großteil unserer Fans hat sich in Saloniki ordentlich verhalten. Manche aber schaden dem Verein immer wieder. Bewusst oder unbewusst. Sechs verhaftete Rapid-Fans erwartet ein Prozess. Bis zur Urteilsverkündung besteht Hausverbot, im Fall einer Verurteilung wird das in ein langfristiges Stadionverbot umgewandelt.“
Edlinger übte sich bei dieser Gelegenheit zumindest auch ein wenig in Selbstkritik. „Vielleicht waren wir in der Vergangenheit zu tolerant gegenüber manchen Fans. Das wird es in Zukunft nicht mehr geben. Schließlich beobachtet die Uefa auch nationale Spiele sehr genau.“ Von Krawallmachern und Rowdies will der Rapid-Boss jedenfalls nichts mehr wissen. „Wir werden zwar auch weiterhin den Kontakt zu den Fans suchen, aber diejenigen, die Schaden verursachen, werden künftig nicht mehr willkommen sein.“ Und weiter meinte er: „Selbst der Wurf eines Trinkbechers beim Rückspiel gegen Paok könnte schon den Ausschluss aus der Europa League für uns bedeuten.“
„Es gibt keine Wunderpille“
Als erste Konsequenz kündigte Rapid eine Neustrukturierung der Fanarbeit an. Clubservice-Leiter Andreas Marek zieht sich in puncto Zusammenarbeit mit der „aktiven Fanszene“ zurück, für diesen Bereich werden ab Herbst zwei neue Mitarbeiter zuständig sein. Marek will in diesem Bereich nur noch beratend tätig sein.
Der gebürtige Waldviertler hat zuletzt immer wieder Kritik einstecken müssen. Am neuen Fanprojekt, sagte Marek, werde seit Monaten gearbeitet. Es soll von einem Sozialarbeiter sowie einem Experten in Sachen Sicherheit und Organisation geleitet werden. Die Umstrukturierung wäre auch ohne die Vorfälle in Griechenland gekommen. Den Vorwurf, eine zu tolerante Fanpolitik betrieben zu haben, wies der 50-Jährige zurück. „Es war sicher nicht ,zero tolerance‘, aber viele Dinge haben gut funktioniert. Vielleicht kann man mir vorwerfen, dass ich zu tolerant war, aber es gibt keine Wunderpille.“ Letztlich ausschlaggebend für seinen Rückzug: „Eine Handvoll hat sich abgewendet und will nicht mehr mit dem Verein reden.“ Es dürfte sich dabei um die Gruppierung „Vatos Locos“ handeln. Einige von ihnen haben in Wien Stadionverbot, saßen aber dennoch in den von Rapid gecharterten Flugzeugen. Marek, der sich künftig wieder vermehrt dem Marketing und Ticketing widmen will: „Wir werden auch weiterhin Auswärtsreisen organisieren, aber das Prozedere ändern.“
Um die Krawallmacher vom Toumba-Stadion zu identifizieren, hat Rapid von Paok die Videoaufzeichnungen eingefordert. Bisher ohne Erfolg.
Rein sportlich gesehen muss Rapid einen 1:2-Rückstand aufholen. Die Verletztenliste hat sich um Schimpelsberger (Seitenbandeinriss) erweitert.
Rapid: Königshofer; Trimmel, Sonnleitner, Gerson, Katzer; Heikkinen, Ildiz; Hofmann, Alar, Burgstaller; Boyd. – Paok: Glykos; Etto, Khumalo, Katsikas, Lino; Georgiadis, Fotakis, Kace, Robert; Giannou, Athanasiadis. Hinspiel: 1:2.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2012)

