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Andreas Marek: Die grün-weiße Seele

01.09.2012 | 18:15 |  von Wolfgang Wiederstein (Die Presse)

Rapid zeigt im Fußball immer wieder zwei Gesichter. Kaum einer hat sie so intensiv studiert und kennengelernt wie Andreas Marek.

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Es gibt sie also doch noch, diese Abende, an denen Andreas Marek zufrieden in sein Auto steigt, um die Heimreise ins Waldviertel anzutreten. Am Donnerstag nach dem 3:0-Sieg gegen Paok Saloniki war es wieder da, dieses Glücksgefühl. Die unendliche Erleichterung, das Hochsicherheitsspiel des SK Rapid im Hanappistadion ohne gröbere Zwischenfälle über die Bühne gebracht zu haben. Ausschreitungen, wie es sie in Griechenland gegeben hat, hätten diesmal fatale Folgen für den Fußball-Rekordmeister gehabt. Weil die Hütteldorfer im Europacup gleichsam nur auf Bewährung mitspielen dürfen. Gegen das Urteil, in der Gruppenphase ein Match ohne Publikum bestreiten zu müssen, hat man Einspruch erhoben.

Andreas Marek ist von Rapid nicht mehr wegzudenken, er ist Klubservice-Leiter, Stadionsprecher – und Fan-Beauftragter. Der mittlerweile 50-Jährige aus Groß-Siegharts ist aber vor allem der gute Geist von Hütteldorf. Viele wissen das zu schätzen bei Grün-Weiß, auch bei der Bundesliga und beim Österreichischen Fußballbund. Aber dieser gute Geist musste auch schon viel Kritik einstecken. Immer dann, wenn Rapid-Fans aus dem Rahmen fallen, bekommt der gelernte Einzelhandelskaufmann sein Fett ab.

Aus der griechischen Nacht hat Marek jedenfalls seine persönlichen Konsequenzen gezogen, er zieht sich im Herbst von der Zusammenarbeit mit der „aktiven Fan-Szene“ zurück. Künftig werden sich zwei neue Mitarbeiter um diese Aufgaben kümmern.


Der Insider. Die „Stimme Rapids“, wie Marek gerne genannt wird, wird natürlich bei der Neustrukturierung der Fanarbeit mit Rat und Tat mithelfen. Schließlich kennt er die Mitglieder der „Westtribüne“ wie kaum ein anderer. Er kennt auch die Ängste und Sorgen, aber auch die Probleme der Jugendlichen im Alltag. Auch darum will man künftig vermehrt auf Sozialarbeiter zurückgreifen. Und manchmal, gesteht Marek, ist man bei all dem Wissen trotzdem überfordert. Überfordert im Kampf gegen Windmühlen. „Aber ich bin nicht der Erziehungsberechtigte.“

Marek und Rapid haben gelernt, mit Kritik umzugehen. Aber auch im benachbarten Ausland sei nicht alles ideal. „Weil es die Wunderpille einfach nicht gibt!“, stellt der Mann, der einen großen Teil der „Rapid-Familie“ ausmacht, klar. Erst vor wenigen Tagen ist es auch beim Rückspiel zwischen Hannover und Wroclaw (Breslau) zu Auseinandersetzungen gekommen. Auch dort flogen Flaschen und Böller, 100 Fans wurden festgenommen. Die schwarzen Schafe versammeln sich nicht nur in der Anonymität auf der Hütteldorfer Westtribüne. Gespräche habe er diesbezüglich unendlich viele geführt, weil er ein Anhänger des Dialoges ist. „Aber wir alleine können gesellschaftspolitische Probleme nicht lösen, das wäre zu viel verlangt.“


Dunkle Stunden. Marek konnte mit seiner Art viele Teilerfolge verbuchen. Die Zuschauerzahlen haben sich in den vergangenen Jahren vervielfacht, die Merchandising-Schiene wurde professionalisiert, die Rapid-Weihnachtsfeier ist längst zu einer nicht unbeträchtlichen Einnahmequelle geworden. „Aber ich würde lügen, wenn ich sage, ich habe jeden Tag genossen.“ Eine der schwärzesten Stunden ereignete sich beim Wiener Derby 2011 – Platzsturm. „Vielleicht“, mutmaßt Marek, „kann man mir vorwerfen, dass ich zu tolerant war.“ Aber so ist er eben, ein Moderator. Entertainer, sagt er, wäre des Guten schon wieder zu viel.

Die Fan-Szene bei Rapid hat sich verändert, es geht längst nicht mehr darum, eine Autobahn-Raststätte auseinanderzunehmen. Oder eine U-Bahn-Garnitur zu verwüsten. Mittlerweile geht es sogar um das Delikt des Landfriedensbruchs. Oder um schwere Körperverletzung. Und oft betrifft es auch gar nicht mehr nur den harten Kern, der unter der Bezeichnung „Ultras“ bekannt ist. Einzelne Gruppen haben sich abgespalten. „Ein Dialog ist nicht mehr mit allen Fans möglich.“ Marek weiß: „Eine Handvoll hat sich abgewendet – und will nicht mehr mit dem Verein reden.“ Einige dieser Problemkinder haben sich als „Vatos Locos“ einen „Namen gemacht“. Viele von ihnen wurden bereits mit einem Hausverbot im Hanappistadion belegt. Manche von ihnen weichen darum zu unterklassigen Vereinen aus. Zumindest vorübergehend.

Andreas Marek hat einst ein Textilunternehmen im Waldviertel geführt, die Liebe zu Rapid besteht seit ewigen Zeiten. Bei einem Aufenthalt in Wien ist er dann einmal über ein Inserat gestolpert, Rapid suchte einen Sprecher. Das war 1992. Sechs Jahre später hat er auf Einladung von Günter Kaltenbrunner, dem damaligen Präsidenten, das Klubservice des Vereins gegründet. „Das Klubservice beschäftigt sich mit allem abseits des eigentlichen Fußballspiels. Hier läuft alles zusammen – Fanarbeit, Mitgliederbetreuung, Aboservice, VIP-Betreuung, Sicherheit etc. Und wir nennen es darum grün-weißes Haus.“

Seine Karriere als Sänger hat Marek schon lange beendet. Dabei hat er 1984 an der österreichischen Vorausscheidung zum Songcontest teilgenommen. Das Lied hieß „Top Secret“, zum Durchbruch reichte es aber nicht. Er musste das Singen bleiben lassen, denn „viele waren der Meinung, dass ich ohnedies besser reden kann“.

Zuletzt haben einige Andreas Marek in Hütteldorf nicht mehr zugehört. „Ich schaffe es alleine nicht mehr. Darum muss es im Herbst ein neues Fanzentrum geben“, sagt er. Willkommen sei grundsätzlich jeder. Jeder, der zum Dialog bereit ist.

Fan-Kultur

Ausschreitungen
Rapid-Fans haben in der Vergangenheit immer wieder für schwere Ausschreitungen gesorgt. Im Mai 2011 wurde im Wr. Derby der Platz gestürmt, die Partie wurde mit 0:3 gewertet. Am Donnerstag der Vorwoche kam es in Saloniki zu Krawallen, auf sechs Rapid-Anhänger wartet ein Prozess.

Uefa-Strafe
Rapid bekam eine Geldstrafe von 75.000 Euro aufgebrummt, es blüht obendrein im nächsten Europacup-Match ein „Geisterspiel“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2012)

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7 Kommentare
Gast: jetzt mal klartext
03.09.2012 10:13
0 0

hütteldorfer terrorszene


Gast: vivaaustria
03.09.2012 10:13
0 0

rapid

ein verein mit den wohl peinlichsten fans.

das ist so wie am flughafen. wenn man von ganz weit wieder nach hause kommt. auf dem letzten flughafen richtung wien, zb paris sieht man die österreicher schon von weitem. kein volk ist so peinlich.

Gast: gastschreiber
02.09.2012 11:29
1 5

vatos locos

und rude brothers.

lets go

toller job

andi marek macht seinen job mit voller hingabe, das war vor vielen jahren bei radio waldviertel schon so. solchen menschen gebührt respekt.

Gast: brüäh
01.09.2012 19:53
0 16

ein narzist

sonst nichts.

Antworten Gast: grexit
02.09.2012 14:45
0 0

Re: ein narzist

wäre er narzist hätte er wohl kaum seinen job zurück gelegt!

abgesehen davon frage ich mich was sozialarbeiter bringen sollen. ist in etwa so wie wenn man eine tiefgläubigen katholiken auf einmal einen sozialarbeiter anstelle einens bischofs oder pfarrers vor die nase setzt. und rapid ist nunmal auch eine religion.

Antworten Gast: gastkommentatore
02.09.2012 13:55
0 2

Re: ein narzist

der würde sich auch gut als heurigenanimateur und gruppenschunkler eignen.

ja aber so ist halt wien. und dann glaubens alle noch, sie sind die besten fans der welt.