Madrid/FINNE. „Ich bin nicht glücklich.“ Kaum hatte Cristiano Ronaldo diesen Satz ausgesprochen, wurden Spaniens Gazetten hellhörig und bescherten Florentino Perez, dem Klubpräsidenten von Real Madrid, unerwartete Medienpräsenz. Zwar drängt der mächtige Magnat stets ins Rampenlicht, um sich mit Erfolgen des „Weißen Balletts“ zu schmücken, doch geht es darum, Gerüchte um seinen Superstar zu dementieren, wird der Bauherr schnell missmutig: „Lasst mich damit doch in Ruhe.“
Das Aufsehen um den teuersten Fußballer der Welt, Manchester United verkaufte ihn in der Saison 2009 um 94 Millionen Euro, kennt in Madrid kaum Grenzen. Der 27-jährige Portugiese wird als Gegenpol zu Barcelona-Star Messi gepriesen und mit dem Gewinn der Meisterschaft und des Supercups wähnten ihn seine Anhänger im Vergleich mit dem Argentinier endgültig im Vorteil. Doch Reals Meisterschaftsstart verlief holprig, nach drei Runden steht ein Sieg zu Buche. Auch die verlorene Wahl zu Europas Fußballer des Jahres dürfte dem eitlen Sportler auf den Magen geschlagen haben. Barcelona-Spieler Andres Iniesta wurde von Fachjournalisten und der Uefa zum „besten Spieler“ bestimmt, und nicht er.
Ronaldo ist unglücklich und „die Verantwortlichen im Klub wissen, warum“. Darum feiere er seine Tore nicht mehr so ausgelassen wie früher, sagt der Portugiese, der bei Real mit elf Millionen Euro pro Jahr entlohnt wird. Diese seltene Form von „Traurigkeit“ regt zu vielen Spekulationen an.
Ego, Machtkampf und Geldgier
Für „El Pais“ steht fest, dass Ronaldo nur das Salär aufzubessern versuche, denn seit dem 31. August ist die Transferperiode beendet, ein Wechsel vorerst also ausgeschlossen. Bei Manchester United sei ihm das mit dieser Vorgangsweise in sechs Jahren fünfmal gelungen.
Sein Verhalten erinnere an die Taktik von Trainer José Mourinho, berichtet „Marca“. Mit Drohungen erwirkte er im Vorjahr die Entlassung seines Kritikers Jorge Valdano und stieg zum Alleinherrscher im Bernabeu-Stadion auf. Diesen Status wünsche sich Ronaldo nun auf dem Spielfeld. „Marca“: „Er will erreichen, dass ihn seine Mitspieler als unumstrittene Führerfigur anerkennen und sich auch dafür einsetzen, dass er zum Weltfußballer gekrönt wird. Bei Barcelona ist die Rollenverteilung klar: erst Messi, dann alle anderen.“
Bei Real Madrid herrscht teamintern aber ein rauer Umgangston. Oft wurde über Grabenkämpfe zwischen Spaniern und Portugiesen berichtet. Sergio Ramos und Torhüter Iker Casillas scheinen nicht gewillt, Ronaldo das Feld zu überlassen – einem Spieler, der in der Halbzeitpause immer seine Frisur neu stylen muss. Für „El Mundo“ sei alles nur seinem Ego geschuldet: „Die Prinzessin ist traurig.“
Letztlich bleibt noch eine Option: Ronaldo will Real Madrid verlassen. Manchester City und Paris sollen laut englischen Medien bereits die jeweiligen Schatzmeister in Abu Dhabi bzw. Katar kontaktiert haben. Unter 100 Mio Euro läuft dieser Transfer aber nicht ab, Ronaldo ist bis 30. Juni 2015 bei Real unter Vertrag. Sein Wehklagen beginnt früh. Oder der Poker.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2012)

