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WM-Qualifikation: „Squadra: Wo ist das schöne Spiel?“

10.09.2012 | 16:45 |   (Die Presse)

Vizeeuropameister Italien muss am Dienstag beim WM-Qualifikationsspiel gegen Malta brillieren, um aufgebrachte Tifosi nach dem 2:2 von Sofia zu besänftigen. Teamchef Cesare Prandelli: „Zeigt unsere Identität.“

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Medolla/Rom/FI.  Medolla ist an sich ein idyllischer Ort in der Emilia Romagna. 6400 Menschen leben hier, doch seit dem Frühjahr sind die Medollesi in ganz Italien bekannt. Am 29. Mai sorgte ein Erdbeben der Stärke 5,8 für großes Unheil. 27 Menschen kamen ums Leben, und um wieder „ein bisschen Freude zurückzubringen“, sagt Italiens Teamchef Cesare Prandelli, trainierte die Squadra Azzurra am Sonntag in Medolla. 3000 Zaungäste drängten sich um den Fußballplatz, die Spieler hatten 450 Kinder eingeladen und schrieben eifrigst Autogramme.

Das gab vielen Mut, auch die Spendengelder, die am Dienstag beim WM-Qualifikationsspiel gegen Malta in Modena zu erwarten sind, sollen helfen. Prandelli verfolgt aber noch einen Ansatz: Nach dem blamablen 2:2 gegen Bulgarien soll die Squadra „ihr normales, ihr schönes Gesicht zeigen“, sagt der Trainer trocken. Nach dem Sofia-Spiel hatte er den Seinen noch die Leviten gelesen. „Noch nie musste ich so viel leiden“, schimpfte er in der Kabine. „Kommt zu euch! Zeigt unsere Identität.“

Hässlich, eine Schmach

Das Erfolgserlebnis bei der Euro 2012 in Polen und der Ukraine ist in Italien schnell in Vergessenheit geraten. Calcio ist die Lieblingsbeschäftigung der Italiener, und da passt ein mickriges 2:2 gegen Bulgarien nicht in die Vorstellungskraft. „Brutta Italia“, hatte „Tuttosport“ geätzt, hässlich sei dieses Spiel gewesen. „Wo ist das schöne Spiel?“, fragte die „Gazzetta“ und verlangte Antworten von Prandelli.

Es allein auf Cassanos und Balotellis Fehlen zu schieben war den Tifosi zu wenig. Fußball verlangt Seele, Einsatz, Schmerz – aber keine leeren Worthülsen oder die Wiederholung von Unpässlichkeiten. Nachdem Prandelli gegen Bulgarien schon dreimal getauscht und sich De Rossi verletzt hatte, musste die Squadra wie schon beim EM-Finale gegen Spanien die Partie mit zehn Mann fertig spielen. Eine Schmach.

Prandelli nannte es eine „ungenügende Vorstellung“, und wenn die EM 2012 nicht endgültig in Vergessenheit geraten soll, ist ein Festival gegen Malta unerlässlich. Gelitten hat Italien bereits genug.

Heute steigt auch Welt- und Europameister Spanien in die Qualifikation zur Endrunde 2014 in Brasilien ein. Die Iberer gastieren in Georgien, der Außenseiter liegt nach dem Auftakt der Gruppe I sogar an der Spitze. Frankreich, Spaniens härtester Kontrahent um den Fixplatz, kann im Heimspiel gegen Weißrussland bereits den zweiten Sieg landen.

David Villa meldet sich zurück

Spanien reist mit einer Bilanz von 22 Siegen in Serie in WM- bzw. EM-Qualifikationsspielen nach Tiflis. Zuletzt gab es für die Iberer beim 1:1 auf Island am 8. September 2007, also vor fast exakt fünf Jahren, einen Punkteverlust. In Pflichtspielen ist das Team von Trainer Vicente del Bosque seit 20 Partien unbesiegt.

Gegen Saudiarabien wärmten sich die Iberer am Freitag (5:0) auf, David Villa gelang nach acht Monaten Verletzungspause mit einem Tor sein Comeback. Er soll auch Spaniens Luxusproblem im Angriff beheben – die Ära der stürmerlosen Aufstellung ist vorbei.

Auf Revanche brennt die Ukraine gegen England beim Gastspiel im Wembleystadion. Weiterhin unvergessen ist der bei der EM nicht gegebene Ausgleichstreffer durch Marko Dević. Teamchef Roy Hodgson ist jedenfalls vorgewarnt. John Terry, der im vergangenen Juni den Ball so spektakulär und damit den Linienrichter täuschend weggeschlagen hat, ist verletzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2012)

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