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Niederlage als Geburtsstunde der Koller-Mentalität

12.09.2012 | 18:11 |  WOLFGANG WIEDERSTEIN (Die Presse)

Österreichs Teamchef Marcel Koller sprach am Tag nach dem Deutschland-Match über seinen Frust, aber auch über Verbesserungspotenzial. Arnautović entschuldigte sich beim ganzen Land für seinen Fehler.

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Wien. Wenn ein Spieler wie Marko Arnautović feuchte Augen bekommt, sich selbst geißelt und Vorwürfe macht, dann muss im Fußball schon etwas Außergewöhnliches passiert sein. Der 23-jährige Werder-Legionär, der sonst den Eindruck erweckt, als ob ihn rein gar nichts erschüttern könnte, wirkte beinahe wie ein Häuflein Elend. Er, das personifizierte Selbstvertrauen, war von einer Sekunde auf die andere zur Karikatur eines selbst ernannten Ausnahmekünstlers geworden. Arnautović hatte versprochen, die Fans glücklich machen zu wollen – schlussendlich stempelte er sich selbst zum Sündenbock. Da er gegen Deutschland wenige Minuten vor Spielende den Ball nicht im Tor des alles andere denn souverän agierenden Gegners untergebracht hat. „Ich entschuldige mich beim ganzen Land dafür“, stammelte er in die Mikrofone. „Das war mein Fehler.“

Diese kleinen Dinge

Die Reaktion von Arnautović, der einige exzellente Aktionen gezeigt hat, zeigt die Wandlung, die in den vergangenen Monaten im Nationalteam stattgefunden hat. Früher hätte der Exzentriker mit dem Hang zum Skandalprofi nur geflucht, vor allem nach so einer leichtfertig vergebenen Chance seine Kinderstube vergessen. Er und seine Mannschaftskameraden hätten nach dem Schlusspfiff auch kein gutes Haar am Schiedsrichter gelassen, obendrein hätte man den „Dusel“, ewig treuer Begleiter der Deutschen, beklagt. Und die Tatsache bejammert, dass der Lineker-Spruch oft, aber gefühlsmäßig immer gegen Österreich stimmt.

Arnautović, seit wenigen Wochen Vater einer Tochter, hätte sich am liebsten vergraben. Er lag wie ein hilfloser Käfer auf dem Rasen, nach dem Schlusspfiff konnte ihn niemand trösten. Auch der Teamchef nicht. „Wir haben uns nach dem Match verpasst“, erzählte Marcel Koller am Tag nach der 1:2-Niederlage. „Ich bin also gar nicht dazugekommen, mit ihm zu sprechen. Aber ich werde in den nächsten Tagen Kontakt zu ihm aufnehmen.“ Schon allein deswegen, weil Koller fürchtet, dass Marko Arnautović noch länger an der vergebenen Möglichkeit kiefelt. „Wenn man ihn kennt, dann weiß man, dass so etwas nicht spurlos an ihm vorübergeht.“

Dass die ersehnte Überraschung im Prater nicht stattgefunden hat, das hat allerdings nicht nur mit Arnautović zu tun. „Es waren die „kleinen Dinge“, wie Teamchef Marcel Koller meint, die den Ausschlag gegeben hätten. Wie eben bei der großen Chance aufs 2:2. „Der Ball springt noch einmal kurz auf, geht Arnautović ans Schienbein, und er trifft den Ball nicht richtig. Er war sich sicher, dass er das Ding reinmacht. Das waren ein paar Hundertstel, in denen die Spannung weg – und die Vorfreude schon da war.“ Aber genau das, so betont der Teamchef, sind die Erfahrungswerte, die man mitnimmt.

Die deutschen Medien kritisierten die Leistung der Mannschaft von Joachim Löw scharf (siehe Pressestimmen), die Österreicher wurden mit Lob bedacht. „Vom Ergebnis her ist das Ganze sehr frustrierend!“, gesteht Teamchef Koller. Der Schweizer gab auch zu, mit der Verarbeitung dieser Niederlage so seine Probleme zu haben. „Weil unsere Leistung vor allem in der ersten Halbzeit sehr gut war.“ Im Gegensatz aber hätte die DFB-Auswahl ihre Möglichkeiten eiskalt genützt. „In solchen Situationen zeigt sich eben Weltklasse!“ Anders formuliert: „Wenn man diesen einen Moment, in dem der Gegner Fehler macht, ausnützen kann, dann ist das zwar ein kleiner, aber bedeutender Unterschied.“ Und Fehler sind den Österreichern nicht viele passiert. Allerdings vor dem 0:1 durch den bis dahin nicht existenten Reus. Und eine völlig unkontrollierte Attacke im Strafraum von Veli Kavlak, die mit einem Elfmeter bestraft wurde.

Spitze, Hacke – das reicht nicht

„Wir können uns von der Niederlage nichts kaufen“, lautet das harte Urteil des Teamchefs. „Aber es ist gut fürs Selbstvertrauen, dass ausgerechnet die Legionäre in Deutschland so ein Lob erhalten.“ Erstmals in der ÖFB-Geschichte hat eine reine Legionärself von Beginn an ihr Glück versucht, neun von ihnen verdienen ihr Geld in der Bundesliga. Bei den Deutschen waren's nur acht an der Zahl. Aber Österreich hat kein Duo von Real Madrid – das aber diesmal nicht den Unterschied ausgemacht hat. Denn Baumgartlinger war eigentlich der bessere Khedira. Geholfen hat das freilich nichts, Koller wird noch mehr graue Haare bekommen. Aber der Schweizer ist Gott sei Dank kein eitler Mensch.

Mit Pressing über weite Phasen des Spiels konnten die Deutschen ziemlich ratlos gemacht werden. „Einsatz, Leidenschaft, Wille und Laufbereitschaft waren top.“ Dennoch sieht Marcel Koller noch Verbesserungspotenzial. „Die Sicherheit im Passspiel, die Ruhe am Ball, das sind Dinge, die wir weiterentwickeln müssen. Und das braucht Zeit.“

Die Qualifikation wird am 12.Oktober fortgesetzt, zweimal heißt der Gegner nun Kasachstan. Teamchef Marcel Koller warnt jetzt schon davor. „Das wird extrem schwierig“, sagt er und verweist auf die knappen Niederlagen der Kasachen gegen Irland und Schweden. „Spitze, Hacke – das wird nicht reichen“, appelliert der Schweizer. „Die Spiele gegen Kasachstan werden um nichts leichter als gegen Deutschland.“

Die Ausgangssituation ist in einem Monat eine ganz andere als zuletzt, gegen die Nummer 142 der Welt werden die Österreicher das Spiel gestalten müssen. „Die Organisation mit dem Ball ist schwieriger hinzubekommen als ohne Ball“, meint Koller. Der Schweizer hat auch gestern schon damit begonnen, die Motivation hochzuhalten. „Jetzt gilt es, nicht die Deutschland-Mentalität, sondern die Koller-Mentalität weiterzuführen. Wir müssen gegen jeden Gegner Vollgas geben!“ Denn in Astana wird nur ein Erfolg zählen. „Auch bei dreckigen Siegen nimmt man drei Punkte mit. Dann heißt es Mund abwischen, und weiter geht's.“ Diese Formulierung hätte auch aus dem Mund eines deutschen Bundestrainers kommen können. Aber der hat schon sechs Punkte auf dem Konto. Und Österreich keinen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2012)

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16 Kommentare
Gast: Bonn
14.09.2012 21:48
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Werder Bremen

Der Trainer wird die Stürmer wieder aufbauen. Das Rückspiel wird Österreich gewinnen. Werder hat gut eingekauft. Ich bin als Bremer begeistert. Haltet die Ohren steif.

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schade

nach jahzehnten hat österreich wieder mal klasse spieler, der großteil spielt und lernt ja in deutschland und dort meist bei spitzentrainern.
aber kommen sie zum öfb wird es wieder mittelmaß. und wie mittelmaß der herr koller ist hat er uns gleich gezeigt, der trainer lässt gegen die deutschen anlaufen als währs ne jausenmanschaft, tja schäbiger zug herr koller, klar sieht gut aus wenn die österreichischen spieler hollywood spielen, (doch sie haben diesen spielern bis jetzt noch nichts gelernt) und wenns dann nicht funktioniert war es dann halt pech nicht wahr? ein guter trainer hätte auf einen punkt gespielt und wenns besser kommt auch gut, immerhin geht es um eine qualifikation. was hat den öfb vorstand nur geritten, endlich nach jahren steht eine neue spielergenration die international ihre brötchen verdienen auf dem platz, und der öfb besorgt sich einen schweizer mittelklassetrainer der in deutschland nicht mal 2. klasse bekommen würde. diese niederlage hat ganz allein der trainer zu verantworten doch dieser spricht von pech, nein pech war das nicht, das nennt man ralitätsverweigerung und unvermögen internationalen fußball zu verstehen herr koller.

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Re: schade

Wieso wirst du nicht Teamchef wennst alles besser weisst?

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Re: Re: schade

in der krone und bei österreich brauchen sie noch so poster wie dich, da bist auch besser aufgehoben und verstehst alles. nur zu fakten : der profi öfb verband hat heute am 13.09 zu lesen
Ein Tag bis zum Auftakt
Österreich wittert Chance - Deutschland hat Respekt (mehr...) das ist professionelles umfeld für österreichs kicker, ebendiese stümper und sessekleber wählen den teamchef
Leo Windtner Generaldirektor der Energie AG Oberösterreich (sportprofi)
Alfred Ludwig Hauptschullehrer Journalist 30jahre öfb (sportprofi) Hans Rinner Kälteanlagen GmbH (sportprofi) Mag. Markus Kraetschmer Schoeller Bank (sportprofi) ec ec

Antworten Gast: abcdefg3000
13.09.2012 15:09
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Re: schade

Didi?

supi

einfach gut gespielt. noch nie hab ich die Österreicher so ballsicher gesehen. weiter so und der Erfolg wird folgen ;)

Dei Spieler müssen die RICHTIGEN Lehren daraus ziehen!

Vor allem die, daß gegen Spitzenteams, auch wenn diese aktuell nicht absolut top in Form sind, jeder kleinste Konzentrationsfehler mit Gegentoren bestraft wird! Und, daß man umgekehrt die wenigen Chancen, die einem geboten werden, eiskalt nützen muß! Das gilt für Harnik in der Startphase ebenso, wie für Burgstaller, der die Möglichkeit hatte, einen "verhungerten" Rückpaß von Lahm zu Neuer zu ersprinten, dann jedoch vestolperte und natürlich Marko Arnautovic. Diesem sollte jetzt endlich bewußt sein, daß man als Stürmer 90 Minuten lang hellwach sein sollte, um in den wenigen wirklich entscheidenden Situationen den Ball über die Torlinie zu bringen.

Generell ist über den modernen Fußball zu sagen, daß das Niveau der meisten an der WM-Qualit teilnehmenden europäischen Nationen sehr dicht beieinander liegt. Da entscheiden meist Kleinigkeiten; ähnlich wie in den diversen Rennsportarten, wo man an Zehntel- und sogar Hunderstelsekunden "feilt". Wichtig ist für die österreichische Nationalmannschaft, daß sie in JEDEM Gruppenspiel bis an ihre Grenzen geht; oder sogar noch darüber hinaus. Allein schon deshalb, weil es der Gegner schließlich auch tut!

Ich jedenfalls würde KEINEN Kontrahenten in unserer Gruppe auch nur ansatzweise unterschätzen! Die Schweden haben mit Ibrahimovic einen Weltklassestürmer; die Iren rennen sich jedesmal die Seele aus dem Leib; die Kasachen sind meist ebenso "knapp dran" wie wir und die Faröer sind daheim gegen Österreich noch UNGESCHLAGEN!

Gast: Cheftrainer
12.09.2012 20:17
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Ich habe noch das Folgende erlebt, zwar als Bub aber immerhin:

Austria - 1.FC Kaiserslautern(deutscher Meister)
Im Wr. Stadion 1953 9(neun) : 2 !!!
Ein Jahr später war Deutschland Weltmeister

Rapid : Arsenal London 6 : 1

Österreich : Portugal 9 : 0 im Wr. Stadion

Sportklub : Juventus Turin 7 : 0

Na ja, das war noch was, war aber auch ein anderer Fussball. Da haben noch jene gewonnen die den genialen Spielwitz gehabt haben......

Gast: viennawash
12.09.2012 20:14
4 0

Treffend

Nach all dem Lob und Tadel für die Spieler möchte ich hier ganz dezidiert den Autor des Artikels würdigen. Sachlich, unterhaltsam und eben: treffend formuliert.

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Wenn....

so a Leistung imma gezagt werd in da Quali donn is die WM eh mit uns. Wer sogt dos die DNE nit gegen ondre schwächelt?
Weiter so !!!
Und wos gegen die DNE nit vawertet wurdn is werd gegen die Kasachn doppelt vawertet bitschen!

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"nur" die Tore ist gut

die Spielregeln sind bekannt, oder?
MIR HOBN KAN KNIPSER, das ist Fakt
Die Alibi-Schüsse von außerhalb des 16ers zeigten die Hilflosigkeit

es nutzt nix .....

Seit Jahrzehnten sind wir in der Kategorie "in Schönheit Sterben" Weltmeister !!!
.
Daran wird sich mit keinem noch so guten Trainer jemals etwas ändern.....

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Was denn?

He was is los Leute ein 2:1 gegen die Deutschen ist ein super Ergebnis...nich dazu haben wir besser gespielt.
Was die Deutschen Kohle in den Fußball und in die Nationalmannschaft stecken...die haben Weltfußballer in der Mannschaft...deswegen ein Top Ergebnis ein tolles Spiel.

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Re: Was denn?

Wie man wunderschön an Salzburg erkennen kann, schießt Geld keine Tore.

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Re: Re: Was denn?

War ein tolles Spiel, seit langem hat's mal richtig Spaß gemacht, dem Nationalteam zuzuschauen. Es geht eben nicht nur um Sieg oder Niederlage - ein Abseitspfiff mehr und es wär 1:1 gewesen, der Ball 5 cm woanders und es wär 2:1 für uns gewesen. Gilt natürlich in die andere Richtung auch - es is schon immer viel Glück dabei.

Re: Re: Re: Was denn?

Was gewesen wäre, wenn, ist uninteressant.In einer Quali zählen nur Punkte und diese haben sie nicht gemacht.