Genf/Wien/Ag. 75.000 Euro Geldstrafe und ein „Geisterspiel“ in der Europa League – Rapid ist am Freitag mit der Berufung gegen das Uefa-Urteil nach den Vorfällen in Saloniki abgeblitzt. Der Berufungssenat bestätigte nach zweieinhalb Stunden das Urteil der Kontroll- und Disziplinarkammer in erster Instanz. Neben den Zuschauerausschreitungen und Sachbeschädigungen wurde vor allem das Zünden und Werfen von Gegenständen und Feuerwerkskörpern verurteilt. Damit findet das Auftaktspiel der Europa League am Donnerstag gegen Rosenborg Trondheim unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Grünweiß denkt an eine Übertragung für die Fans im Hanappistadion.
Rapid hätte die Möglichkeit gehabt, den Sportgerichtshof CAS in Lausanne anzurufen, verzichtet aber nach internen Beratungen und der Konsultierung zahlreicher externer Experten auf weitere Rechtsmittel. Der Grund: Hohe Kosten und keinerlei Aussichten auf eine Abänderung des Urteils.
Hartes Los, harte Ticketpolitik
„Die Entscheidung ist ein schwerer Schlag für uns“, sagt Klubpräsident Rudolf Edlinger, dabei habe man alles versucht, eine Abmilderung zu erreichen und drei reguläre Europacup-Heimspiele zu bestreiten.
Im Gegensatz zur ersten Instanz, in der nur eine schriftliche Stellungnahme zugelassen war, durften Rapids Vertreter am Freitag vor Ort argumentieren. Dazu setzten die Grün-Weißen auf umfassendes Video- und Bildmaterial von den Vorfällen in und um das Toumba-Stadion, die die eigenen Fans beim Hinspiel gegen Paok Saloniki am 23. August mitausgelöst hatten. Edlinger: „Es ist für uns eine harte Entscheidung. Aber die Uefa kennt beim Missbrauch von Pyrotechnik keine Gnade und hat wegen des Gefährdungspotenzials in vollem Ausmaß gestraft.“
Unmut herrscht nicht nur in der Chefetage, sondern auch bei einigen Fans. Das „Geisterspiel“ gegen Rosenborg ist Realität – aber bereits gekaufte Eintrittskarten gelten nur als „Gutschein“, der im Fanshop oder für Tickets für ein Heimspiel verwendet werden können. Bis Mittwoch hatte Rapid 20.700 Dreier-Abos abgesetzt. Die weiteren Heimpartien folgen am 25. Oktober gegen Leverkusen und am 6. Dezember gegen Charkiw.
Peter Schöttel versucht diese Ereignisse vor dem heutigen Heimspiel gegen Admira tunlichst auszublenden. „Wir haben in den nächsten drei Wochen sieben Pflichtspiele, da gilt es mit allen Kräften und der Konzentration hauszuhalten“, sagt Rapids Trainer. Leere Ränge sind bei diesem Bundesligaduell gegen Didi Kühbauer jedenfalls nicht zu befürchten. 15.000 Tickets wurden bereits verkauft.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2012)

