Wien. Die Wiener Austria bleibt in der Bundesliga das Maß aller Dinge. Der Tabellenführer musste am Sonntag die Reise ins Burgenland antreten, die Mattersburger sind längst kein Jausengegner mehr, sondern die Konkurrenz ist vorgewarnt. Und es war kein Zufall, dass ausgerechnet die Mannschaft von Franz Lederer dazu in der Lage war, die Torsperre von Tormann Heinz Lindner zu brechen. Der Austria-Keeper konnte auf eine stolze Serie von 515 Minuten ohne Gegentreffer zurückblicken, nach nur eineinhalb Spielminuten im Pappelstadion war sie gebrochen. Mario Potzmann war nach einem Freistoß von Teamstürmer Bürger zur Stelle.
Was folgte, das war ein Aufbäumen der Wiener Austria. Und maßgeblichen Anteil daran hatte Philipp Hosiner. Erstmals durfte der Ex-Admiraner von Beginn an stürmen – und erstmals revanchierte er sich dafür mit Toren für die Austria. Zunächst erzielte er den Ausgleich zum 1:1 (5.), später konnte er nach Gorgon-Vorarbeit das 3:2 (70.) bejubeln. Ein Doppelpack, der von besonderer Wichtigkeit war.
Zwischenzeitlich waren die Burgenländer 2:1 in Führung gegangen, Naumoski war unmittelbar vor der Pause per Kopf erfolgreich. Was folgte, war eine kleine Kabinenpredigt von Peter Stöger, die Gäste legten dann auch einen Zahn zu. Nach einem Corner von Jun gelang Rogulj der erneute Gleichstand (2:2). Nach Hosiners zweitem Hochgefühl hatte die Austria allerdings Glück, dass der Schiedsrichter eine Simkovic-Attacke nicht als Elfmeter interpretiert hat. Für die endgültige Entscheidung sorgte Gorgon nach Hosiner-Pass mit dem 4:2. Der Treffer roch allerdings nach abseits.
Nach der Länderspielpause nicht ideal aus den Startlöchern gekommen ist Rapid. Die Hütteldorfer ließen gegen die Admira Kreativität bzw. Durchschlagskraft vermissen, letztlich musste man von der bislang vielleicht schlechtesten Saisonleistung sprechen. „Wir waren nicht gut genug“, gab Trainer Peter Schöttel zu. „Der Gegner war stark, von meiner Mannschaft kann ich das nicht behaupten. Wir hätten uns einen Sieg gar nicht verdient.“ Die Hütteldorfer wirkten ein wenig abgekämpft, um für die kommenden Aufgaben auch körperlich gerüstet zu sein, hat der Trainer Kondition bolzen lassen. „Wenn die Spieler in den kommenden Tagen spritzig sind, dann haben wir es richtig gemacht. Aber die Trainingssteuerung ist eine Gratwanderung.“
Am Donnerstag beginnt in der Europa League das Abenteuer Gruppenphase gegen Rosenborg Trondheim in einem leeren Happel-Stadion. Für die Fans wird die Partie zwar im Hanappistadion übertragen, die Mannschaft aber wird im Prater leiden. Kühbauers Kommentar zum 0:0: „Mit Hosiner hätten wir gewonnen.“
Austria Wien gewann zum Abschluss der 8. Fußball-Runde in Mattersburg mit 4:2. Zwei Treffer erzielte dabei Neuzugang Hosiner, Violett bleibt Tabellenführer.
Nach 517 Spielminuten ist die Torsperre von Austria-Keeper Lindner zu Ende gegangen, Potzmann (2.) hatte die Burgenländer in Führung gebracht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2012)

