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Bayern: „Drama dahoam“ soll kein Trauma werden

18.09.2012 | 17:02 |  Von Wolfgang Wiederstein (Die Presse)

Der FC Bayern München nimmt in der Champions League einen neuen Anlauf, den zweiten Titel in der Königsklasse nach 2001 zu gewinnen. Die erste Hürde auf dem Weg dahin heißt am Mittwoch FC Valencia.

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Wien. Kein deutscher Klub war in der Champions League so oft dabei wie der FC Bayern München, der deutsche Rekordmeister darf sich in der 21. Saison der europäischen Königsklasse zum 16. Mal mit den Besten der Besten messen. Erst einmal ist man in der Gruppenphase gescheitert, den größten Erfolg konnte man 2001 erringen. Damals triumphierten die Bayern in Mailand gegen den FC Valencia – dem ersten Gruppengegner am Mittwoch. Alle hoffen auf einen Neustart, vier Monate nach der bitteren Niederlage im Finale „dahoam“ gegen den FC Chelsea.

Rechtzeitig bevor in München wieder die Champions-League-Hymne erklingt, hat sich Franz Beckenbauer zu Wort gemeldet. Bayerns Ehrenpräsident traut in dieser Saison seinem Klub „mehr als in den letzten Jahren zu“. Das war ein Finale 2010, ein Achtelfinale (2011) und noch ein Endspiel (2012). „Ich halte die Bayern für stark genug, um den Titel zu gewinnen“, sagt Beckenbauer. Und wenn der „Kaiser“ das sagt, dann darf das die Mannschaft fast schon als Auftrag interpretieren.

Chelsea? „Unvergessen!“

Karl-Heinz Rummenigge, der Bayern-Boss, hat mit dem jetzigen Team große Pläne. Ein Weiterkommen gegen Valencia, Lille und Bate Borisow (Weißrussland) ist Pflicht. Wobei die Bayern immer nach Höherem streben – dem Gruppensieg. „Erster zu werden wäre schön“, sagt Rummenigge, „weil man dann im Achtelfinale möglicherweise den großen Krachern aus dem Weg gehen und zuerst auswärts antreten kann.“ Valencia wird vorerst als höchste Stufe angesehen. „Es waren immer schwere Spiele“, erinnert sich der Bayern-Chef. „Mit einem Sieg zu starten, das würde Selbstvertrauen geben. Und Ruhe.“ Aufregung ist bei den Bayern nicht so gefragt.

Auch wehmütige Erinnerungen will man verdrängen. „Aber hier kann keiner dieses Spiel gegen den FC Chelsea vergessen“, gibt Karl-Heinz Rummenigge zu. „Da ist uns so viel Dramaturgie widerfahren. Wir machen uns alle den Vorwurf, dass wir diverse Male in diesem Spiel die Chance hatten, den Sack zuzumachen. Man kann es nicht mehr ändern – jetzt müssen wir einen neuen Anlauf nehmen!“

Die Bayern hoffen auf einen wiedererstarkten Sebastian Schweinsteiger, beim Länderspiel gegen Österreich nicht im Kader, zuletzt aber für die Münchner erfolgreich im Einsatz. Gemeinsam mit dem neuen Wunschspieler Javier Martinez soll er eine Traumachse bilden. „Das kann ein Duo werden“, so Rummenigge, „das uns Stabilität verleiht. Da kommt eine Qualität zusammen, die uns gut zu Gesicht steht.“

Die Vorfreude auf seine Landsleute ist bei Javier Martinez freilich groß. Ob der 24-Jährige heute erstmals in der Startformation steht, das stand am Dienstag noch nicht fest. Bisher ist er über zwei Kurzeinsätze in der Bundesliga noch nicht hinausgekommen, motiviert ist Martinez jedenfalls bis in die Haarspitzen. „Dass es gleich im ersten Spiel gegen Valencia geht“, sagt er, „ist sehr schön. Einige Spieler kenne ich aus der Nationalmannschaft gut, ich freue mich riesig, sie in München zu treffen.“ Gleichzeitig warnt der teuerste Spieler der Bundesligageschichte (40 Mio Euro) vor der Klasse des Gegners. „Das wird uns einiges abverlangen, das ist eine große Mannschaft.“

Die Lederhose, die hat Javier Martinez bereits. Mit dem verlorenen „Finale dahoam“ hat er nichts am Hut. „Wir gehören in diesem Bewerb zu den Favoriten!“, sagt er. Und das klingt fast schon nach „Mir-san-mir“-Mentalität.

Champions League
Der FC Bayern München (ohne den rekonvaleszenten David Alaba) steigt am Mittwoch mit dem Spiel gegen Valencia in die Gruppenphase der Champions League ein. Titelverteidiger Chelsea empfängt an der Stamford Bridge den italienischen Meister Juventus. Der FC Barcelona (ohne die verletzten Iniesta und Puyol) spielt im Camp Nou gegen Spartak Moskau. Manchester United muss gegen Galatasaray auf Rooney verzichten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2012)

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