Wien. Sogar das Wetter hat sich im Osten Österreichs umgestellt, es wird auch am heutigen Abend herbsteln. Passend zu den Rahmenbedingungen, die bei Rapids erstem Gruppenspiel in der Europa League herrschen werden. Es wird keine Unterstützung von den Rängen im 50.000 Zuschauer fassenden Happel-Stadion geben, die Hütteldorfer sind gegen Rosenborg Trondheim (ORF, 21.05) auf sich allein gestellt. Diesmal hat das nichts mit einem Streik des harten Fankerns zu tun, sondern mit den Vorfällen von Thessaloniki. Die Europäische Fußballunion hat Rapid dazu verdonnert, ein Match ohne zahlende Zuschauer auszutragen.
Die Mannschaft von Peter Schöttel hat schon Erfahrung mit so einem „Geisterspiel“ gemacht, wenngleich auch nur in der Bundesliga. Im Vorjahr musste man in der ersten Runde gegen Aufsteiger Admira auch ohne Publikum auskommen, der Gastgeber gewann dieses Match dennoch. Und in der jüngeren Vergangenheit hat es mehrere Spiele gegeben, bei denen der Anhang den Support verweigerte. Diesmal kommt aber auch noch der finanzielle Schaden dazu, auch wenn der Klub Dreier-Abos aufgelegt hat – und davon 25.600 an Mann und Frau gebracht hat. Das Geisterspiel-Ticket gilt nun als Gutschein, beispielsweise im Fanshop. Aber nicht jeder, der Grün-Weiß Fußball spielen sehen will, ist an einem Rapid-Strampler oder Hütteldorfer Bettzeug interessiert.
„In einem vollen Stadion“, so meint Trainer Peter Schöttel, „wären unsere Chancen natürlich besser.“ Gegen Rosenborg wird man sehen, was der Rekordmeister ohne Anhang wert ist. „Man darf nicht vergessen, dass wir auch deshalb in der Gruppenphase sind, weil die Zuschauer gegen Novi Sad und Paok Saloniki die letzten Prozente aus uns herausgekitzelt haben.“
Trainer und Spieler haben in den vergangenen Tagen versucht, das Thema Geisterspiel so gut es ging auszublenden. „Wir dürfen uns davon nicht negativ beeinflussen lassen“, appelliert Kapitän Steffen Hofman bei der Pressekonferenz im Happel-Stadion. „Diese Nichtatmosphäre macht die Aufgabe schwieriger, aber da müssen wir durch.“
Die Rapid-Verantwortlichen gehen gegen den Dritten der norwegischen Liga von einem Geduldspiel aus. „Ich rechne bis zum Schluss mit einem ausgeglichenen Spiel – das mit einem engen Resultat enden wird“, fürchtet der Rapid-Trainer. Er selbst hat den Gegner einmal höchstpersönlich unter die Lupe genommen, sein Assistent Thomas Hickersberger zweimal. Die Norweger sind vor allem in der Abwehr gut organisiert, von klein gewachsenen Spielern kann man auch nicht gerade sprechen. „Wenn wir nicht aufpassen, dann kann uns Rosenborg Trondheim wehtun!“, warnt Schöttel aber auch vor des Gegners Offensivqualitäten. „Ich habe keinen Schwachpunkt entdeckt.“
Nur Platz für die Kritiker
Rapid hofft dennoch auf einen erfolgreichen Auftakt. Das ist zuletzt 2009 gegen den Hamburger SV gelungen. Danach setzte es allerdings eher Enttäuschungen. Ein 3:3 gegen Celtic bedeutete den einzigen Punktegewinn seither. Aber Österreichs Fußball hat heuer nur noch Rapid im Rennen, alle anderen sind bereits ausgeschieden.
Einige Rapid-Fans wollen heute dennoch in den Prater pilgern, um außerhalb der Bannmeile für Stimmung zu sorgen. Wer seine Mannschaft zumindest in TV-Bildern verfolgen will, dem bietet sich die Möglichkeit des Public Viewings im Hanappi-Stadion. Vor der Osttribüne wurde eine 50 Quadratmeter große Leinwand aufgebaut.
Im Happel-Stadion werden sich rund 400 Personen aufhalten dürfen, darunter Journalisten und die Mitglieder des „Rapid-Legendenclubs“. Peter Schöttel: „Die zwei kritischsten Gruppierungen überhaupt.“
Rapid: Königshofer; Trimmel, Sonnleitner, Gerson, Katzer; Heikkinen, Ildiz; Hofmann, Alar, Burgstaller; Boyd. – Rosenborg: Örlund; Dorsin, Rönning, Reginiussen, Höiland; Dockal, Gamboa, Diskerud, Holm; Elyounoussi, Chibuike
Weiters: Leverkusen – Metalist Charkiw (21.05 Uhr)
Nächster Termin: 4. Oktober: Charkiw – Rapid, Rosenborg – Leverkusen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2012)

