Wien/AG/RED. Für Chelsea hat die Jagd auf die Titelverteidigung mit einem Patzer begonnen. Nach dem 2:2 gegen Juventus jubelte man an der Stamford Bridge zwar über das Traumdebüt des jungen Brasilianers Oscar, Trainer Roberto Di Matteo konnte die Enttäuschung über den Punkteverlust aber nicht verhehlen. „Wir sind etwas ernüchtert“, gestand der Italiener, dessen Team eine 2:0-Führung aus der Hand gab.
Jubel hingegen herrschte in München, wo die Bayern ohne den verletzten David Alaba mit einem 2:1 über Valencia die Geister des verlorenen „Finales dahoam“ vertrieben. „Wir haben in der ersten Hälfte ein hervorragendes Spiel gemacht. Wir waren aggressiv, haben Chancen herausgespielt, aber auch nichts zugelassen“, lobte der stark aufspielende Mittelfeldmann und Torschütze zum 1:0, Toni Kroos.
Freilich war nicht alles eitel Wonne. So zeigte sich Trainer Jupp Heynckes mit dem späten Gegentreffer gar nicht einverstanden. „So ein Spiel muss man bis zum Ende konzentriert spielen, das haben wir heute nicht getan“, tadelte er, auch Kroos gestand Schwächen ein: „In der zweiten Halbzeit hatten wir 20 Minuten, in denen wir nicht mehr ganz so aggressiv und griffig waren. Da haben wir etwas nachgelassen und so ist Valencia zu großen Chancen gekommen.“
Bayerns Erfolg beendete indes auch eine 15 Jahre lange deutsche Durststrecke in der Königsklasse. Wie zuletzt in der Saison 1997/98 gewannen alle deutschen Starter ihre Auftaktbegegnungen, bereits am Dienstag waren Dortmund (1:0 gegen Ajax) und Schalke (2:1 bei Olympiakos) siegreich gewesen.
Titelverteidiger Chelsea, der sich als erstes Team seit dem AC Milan (1989 und 1990) zweimal in Folge zu Europas Königen krönen will, verschenkte gegen Juve eine 2:0-Führung. „Wir hätten den Sack zumachen müssen. Wir haben den Ball teilweise billig hergeschenkt“, erklärte Di Matteo, der sich besonders über das lasche Verhalten kurz vor dem Ausgleich durch Fabio Quagliarella ärgerte: „Da hätten wir beim Ballverlust viel schneller reagieren müssen.“
Immerhin durfte er sich über das perfekte Königsklassendebüt des 21-jährigen Oscar freuen, der im Sommer für 32 Millionen Euro aus seiner Heimat Brasilien geholt worden war. „Oscar hat perfekt gearbeitet“, befand Di Matteo über den Offensivmann, der zwei sehenswerte Treffer erzielte. „Er ist ein Riesentalent, wir sind glücklich, ihn hier zu haben.“
Schwer tat sich Chelseas Ligakonkurrent Manchester United beim 1:0 gegen Galatasaray Istanbul. Ohne den verletzten Wayne Rooney kamen Robin van Persie und Co. trotz des frühen Treffers von Michael Carrick erst in der zweiten Hälfte besser ins Spiel. „Wir waren ein bisschen nervös“, meinte Nemanja Vidic. Trainer Alex Ferguson betonte die Bedeutung des Erfolgs nach dem Aus in der Gruppenphase in der Vorsaison: „Gerade, wenn man sich anschaut, was im vergangenen Jahr passiert ist, war der Sieg für uns sehr wichtig.“
Viel Mühe hatte auch der FC Barcelona im Heimspiel gegen Spartak Moskau. Erst der späte Doppelpack Lionel Messis brachte den in der Primera Division bisher makellosen Katalanen einen 3:2-Erfolg, der Argentinier hält in der Königsklasse nun bei 53 Treffern und rückte den in dieser Liste führenden van Nistelrooy (56) und Raul (71) näher. „Die Leistung war gut, aber nicht spitze“, befand Tito Vilanova nach seinem ersten CL-Spiel als Cheftrainer Barças. „Sie waren schwer zu knacken und haben es uns mit einigen Kontern schwergemacht.“
Für Aufsehen sorgte indes Bate Borisow. Die Weißrussen feierten mit dem 3:1 gegen Lille ihren ersten Erfolg in der Gruppenphase.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2012)

