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Die Karikatur eines Fußballspiels

20.09.2012 | 23:13 |  Von Wolfgang Wiederstein (DiePresse.com)

Rapid verliert zum Europa League-Auftakt das „Geisterspiel“ im Happel-Stadion gegen Rosenborg mit 1:2. Deni Alar verschoss einen Elfmeter.

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[WIEN] Es war ein Spiel unter besonderen Voraussetzungen. Wo sich sonst die Massen tummeln, da herrschte beinahe Finsternis. Rund um das Happel-Stadion hatte die Europäische Fußball-Union eine Bannmeile eingerichtet, nur dessen Name sich auf einer Liste fand, der durfte es wagen, sich dem Oval wirklich zu nähern. Schon nach wenigen Minuten war klar, dass am gestrigen Abend nur die Karikatur eines Fußballspiels stattfinden kann. Die Europäische Fußball-Union hatte nach den schweren Ausschreitungen von Thessaloniki ein Spiel ohne Zuschauer angeordnet, Rapid war daher dazu verdonnert, zum Auftakt der Gruppenspiele in der Europa League gegen Rosenborg Trondheim ein sogenanntes „Geisterspiel“ auszutragen.

Rund 400 Personen war es gestattet, dem Spiel mit den so untypischen Rahmenbedingungen beizuwohnen. Darunter viele Rapid-Legenden, die es sich im VIP-Klub gemütlich machten. Auch Teamchef Marcel Koller wurde Zeuge dieses seltsamen Abends. Aus dem Lautsprecher dröhnte anfangs so etwas ähnliches wie Kaufhaus-Musik, die berieselnde Wirkung auf die beiden Teams beim Aufwärmen haben musste. Später erklangen die „Rapid-Lieder“ aus der Konserve, Stimmungsmacher aber war auch das nicht. Nicht einmal Any Marek, die „Stimme Rapids“, war gestern im Einsatz. „Für wen hätte ich das auch machen sollen?“, fragte der Waldviertler, der sich selbst auch in einer ungewohnten Rolle sah. „Wir sind Rapid“ hatte fast schon einen tragischen Unterton.

Wer nahe am Spielfeldrand war, der konnte die Unterhaltungen und Befehle der Spieler wahrnehmen. Hin und wieder war ein einsames Klatschen im fast 50.000 Zuschauer fassenden Happel-Stadion zu hören. Rapid hat schon einmal, in der Bundesliga gegen die Admira, so ein „Geisterspiel“ absolvieren müssen. Damals im kleineren Hanappistadion. Aber mit der Größe der Sportstätte wächst auch die Skurrilität.

Kein zwölfter Mann

Im Bauch des Prater-Ovals herrschte Tristesse. Der Spielverlauf konnte daran auch gar nichts ändern. Denn Rapid hatte bei der Trostlosigkeit Mühe, in die Gänge zu kommen. Wenn die Unterstützung von den Rängen fehlt, dann sind die Hütteldorfer etwas verloren. Vielleicht sind sie Stimmungsspieler, die den zwölften Mann mehr brauchen als andere. Und diesbezüglich ein wenig verwöhnt sind.

Die Norweger zeigten sich von der grotesken Kulisse unbeeindruckt. Rosenborg Trondheim versuchte sich im Konter, konzentrierte sich in erster Linie darauf, das Spiel zu kontrollieren. Rapid mühte sich im Aufbau von gefährlichen Aktionen, die meisten versandeten in Strafraumgrenze. Rosenborg gab einen ersten Warnschuss nach einem Konter ab, Elyounoussi aber konnte die Gunst des Augenblicks nicht nützen. Zwei Minuten später aber brannte bei Rapid der Hut. Zunächst stellte sich Torhüter Königshofer nicht gerade besonders geschickt an, dann produzierte Katzer einen fatalen Pass zu Gerson – der Nutznießer der Verkettung unglücklicher Umstände war Tarik Elyounoussi (0:1, 18.).

Auch Shakira und Pink waren in der Pause keine Aufmunterung. Der norwegischen Delegation gefiel's, in der 60. Minute folgte der nächste Nackenschlag, als Kapitän Dorsin aus fünf Metern nach einem Eckball per Kopf zum 0:2 traf. Königshofer war auf der Linie picken geblieben. Als Katzer nach Eckball per Kopf auf 1:2 (66.) verkürzte, schöpfte Rapid noch einmal Hoffnung. Und als Deni Alar im Strafraum gefoult wurde, lag plötzlich die Chance zum Ausgleich in der Luft. Aber der Gefoulte selbst trat an – und der norwegische Keeper parierte den Elfer (69.). Die Karikatur eines Fußballspiels war perfekt.

Reaktionen

Peter Schöttel (Rapid-Trainer): "Wir haben zwar sehr viel Kontrolle über das Spiel und viel Ballbesitz gehabt, haben aber auch viele einfache Fehler gemacht. Die werden in der Europa League eben sofort bestraft. Wir hätten unsere Möglichkeiten, die da waren, besser nützen müssen. Wir haben uns sehr schwergetan, diesen Abwehrriegel zu knacken. Jetzt gilt es wieder einmal, aus diesem Spiel zu lernen. Die Fehler kann ich mir schwer erklären. Trotzdem hätten wir noch immer die Möglichkeit gehabt, das Spiel zu gewinnen."

Lukas Königshofer (Rapid-Torhüter): "Beim ersten Tor haben wir den Ball nicht wegbekommen, das habe ich nicht richtig mitbekommen. Beim zweiten Tor haben wir alle geschlafen, inklusive mir. Da muss ich herauskommen, dann habe ich den Ball. Das ist ganz einfach. Es ist sehr schade. Wir haben gesehen, dass alles drinnen gewesen wäre. Normalerweise müssen wir hier als Sieger vom Platz gehen."

Deni Alar (Rapid-Offensivspieler): "Ich war mir sicher, habe den Elfmeter aber nicht gut geschossen. Der Torhüter war in der Ecke und hat ihn gehabt. Wir waren über 90 Minuten klar die bessere Mannschaft. Es waren blöde Tore, die wir bekommen haben, da waren wir selber schuld. Vorne müssen wir aber normalerweise noch ein bis zwei Tore machen, dann schaut die Sache anders aus."

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2012)

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