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Fußball: Ein Talent, das aus der Tiefe kommt

02.10.2012 | 18:17 |  von Wolfgang Wiederstein (Die Presse)

Österreichs Teamchef Marcel Koller gibt England-Legionär Andreas Weimann, 21, eine Chance. David Alaba ist im Heimspiel gegen Kasachstan eine Option.

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Wien. Österreichs Teamchef Marcel Koller gehört nicht zu den Trainern, die sich schnell blenden lassen. Der Schweizer legt Wert auf Beständigkeit, auf Schüsse aus der Hüfte verzichtet er. Koller zeichnet eine gewisse Ruhe aus, seine Handlungen sind überlegt, er ist kein Showman. Und der Teamchef gehört auch nicht zu der Sorte von Trainern, die gute Leistungen von Teamkandidaten euphorisch feiern. All das führt dazu, dass der Schweizer bei seinen Länderspiel-Nominierungen auch keine allzu großen Veränderungen mehr vornimmt. Er hat seinen Stamm gefunden, an dem hält er fest. Für die bevorstehenden WM-Qualifikationsspiele gegen Kasachstan vertraut er mehr oder weniger jenen Profis, die Deutschland gefordert haben. Mit dem Unterschied, dass sich England-Legionär Andreas Weimann erstmals über eine Einberufung ins A-Team freuen darf. Patrick Bürger hält sich hingegen nur auf Abruf bereit.

 

Kunstrasen nicht ideal

Das Nationalteam trifft sich am kommenden Montag in Bad Tatzmannsdorf, alle Trainings sind öffentlich zugänglich, die Mannschaft wird zum Anfassen sein. Geübt wird auf Kunstrasen, weil es am 12.Oktober in Astana auch auf künstlichem Grün um WM-Punkte geht. Beim Hinspiel sicher nicht dabei sein wird David Alaba, der Bayern-Legionär trainiert zwar schon wieder mit der Mannschaft mit, Marcel Koller sieht Kasachstan aber nicht als idealen Ort für ein Comeback. Ausgerechnet auf Kunstrasen nach einer Mittelfußknochen-Verletzung das erste Match zu bestreiten, betrachtet der Teamchef als falsch. Nach Rücksprache mit Jupp Heynckes aber könnte Alaba ab 13.Oktober auf Abruf zur Verfügung stehen. „Es ist möglich“, sagt Marcel Koller, „dass wir ihn nach unserer Rückkehr aus Kasachstan dazunehmen.“ Für das „Rückspiel“ am 16.Oktober in Wien, für das bereits 40.000 Karten abgesetzt wurden.

David Alaba soll nicht ins Comeback gehetzt werden, Koller hält darum ständigen Kontakt zum Bayern-Spieler und zu Jupp Heynckes. „Wir werden uns die Option offenlassen.“ Fehlende Spielpraxis sieht der Teamchef nicht als allzu großes Problem. „Die Motivation im ersten Spiel ist nach einer Verletzung stets extrem groß. Schwierigkeiten kommen meistens dann erst ein paar Spiele später.“

Unter näherer Beobachtung wird Andreas Weimann stehen. Der 21-Jährige hätte bereits im Frühjahr zum Zug kommen sollen – damals kam dann allerdings eine Verletzung dazwischen. „Er ist ein Stürmer, der das umsetzen kann, was wir als Philosophie bei unseren Stürmern sehen wollen“, erklärt Teamchef Koller. Mehrere DVDs hat sich der Schweizer von Aston-Villa-Spielen bereits angesehen, die Spielanlage und das Spielverständnis des Wieners beeindruckten Koller. „Er ist einer, der weite Wege gehen kann. Er kommt mehr aus der Tiefe – und geht auch in die Tiefe.“

Weimann kann man bei Aston Villa zwar noch nicht ganz als Stammspieler bezeichnen, in dieser Saison ist der junge Österreicher aber schon viermal zum Einsatz gekommen. Davon zweimal von Beginn an. „Es ist in der Premier League eben schwieriger, in die Mannschaft zu kommen als in Österreich“, so Koller. „Aber das ist nicht der Grund, warum ich ihn sehen will. Er bringt vielleicht auch taktisch ein anderes Element.“

 

Koller glaubt weiter an Janko

Während Patrick Bürger diesmal nicht berücksichtigt wurde, hält Marcel Koller auch weiterhin an Marc Janko, der zuletzt für seinen neuen Klub Trabzonspor erstmals von Beginn an stürmen durfte, fest. Der Teamchef ist nach wie vor von den Qualitäten des Mittelstürmers überzeugt. „Er hat schon bewiesen, dass er auf internationalem Niveau Tore schießen kann.“ Andere eben noch nicht.

Gefreut haben den Teamchef die guten Kritiken der Deutschland-Legionäre, auch das Debüt von Raphael Holzhauser (VfB Stuttgart) in der Startformation sei erfreulich. Aber noch lange kein Grund, euphorisch zu werden.

Auf einen Blick

Teamchef Marcel Koller nominierte für die beiden WM-Qualifikationsspiele gegen Kasachstan (12. und 16.Oktober) erstmals Andreas Weimann für das A-Team. Der 21-Jährige steht seit 2007 bei Aston Villa unter Vertrag, kam in dieser Saison bislang zu vier Einsätzen. Der ehemalige Rapid-Akademie-Spieler ist zuletzt im U21-Team zum Einsatz gekommen. David Alaba ist im Heimspiel gegen Kasachstan eine Option.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2012)

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