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Fußball-Europa-League: Alles nur aus Liebe zum Fußball

04.10.2012 | 17:19 |  von Wolfgang Wiederstein (Die Presse)

Rapid kann heute im zweiten Gruppenspiel in der Ukraine bei Metalist Charkiw vermutlich nur auf Schadensbegrenzung aus sein.

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Wien. Geld schießt Tore. Wäre das das einzige Kriterium, dann bräuchte Rapid heute in der Europa League auswärts bei Metalist Charkiw (19 Uhr, live, ORF eins) erst gar nicht anzutreten. Der Marktwert der ukrainischen Mannschaft wird auf 73,1 Millionen Euro geschätzt, jener von Rapid auf 16,55 Millionen. So gesehen sind die Hütteldorfer im zweiten Gruppenspiel nicht nur Außenseiter, sondern sogar chancenlos. Und spielt nur Geld Fußball, dann geht es am heutigen Abend nur um Schadensbegrenzung. Das haben in der jüngeren Vergangenheit im Europacup auch schon die Wiener Austria und Salzburg gegen Charkiw versucht. Beiden Mannschaften ist es nicht gelungen, eine Art Cup-Sensation zu liefern. Die einen verloren 1:2 und 1:4, die anderen 1:4 und 0:4. Das ergibt eine ernüchternde Tordifferenz von 3:14. Aber Rapid ist es auch zum Auftakt gegen Rosenborg Trondheim nicht geglückt, die Niederlage im Geisterspiel tat besonders weh.

Das Rapid-Kugerl befand sich bei der Auslosung in Topf vier, dementsprechend kann man sich das Kräfteverhältnis in dieser Gruppe mit Charkiw, Leverkusen und Rosenborg Trondheim ausmalen. „In der Ukraine“, sagt Rapid-Trainer Peter Schöttel, „wäre auch Salzburg nur ein kleines Rädchen, wenn es ums Geld geht.“ Der ukrainische Meister Schachtjor Donezk wiegt laut transfermarkt.at doppelt so viel wie Metalist. Aber Donezk spielt auch in der Champions League.

Rapid war schon gegen Novi Sad und Paok Saloniki Außenseiter, wenn es ums Geld geht. Darum wirft Peter Schöttel auch die Flinte nicht ins Korn. „In diesen 90 Minuten spielen elf gegen elf – und wir werden alles versuchen, um erfolgreich zu sein.“ Besonderen Druck macht der Trainer seiner Mannschaft keinen. „Wir haben nicht die Verpflichtung, gegen Metalist Charkiw zu punkten – aber wir wollen diese Reise nicht vergebens machen.“

Der Gegner hat sich in den vergangenen Jahren als Nummer drei in der Ukraine etabliert. Im Europacup ist die Mannschaft von Trainer Miron Markewitsch in der vorigen Saison erst an Sporting Lissabon im Viertelfinale gescheitert. Der 61-Jährige hat eine halbe Südamerika-Auswahl zur Verfügung, beim 0:0 gegen Bayer Leverkusen stand in der Grundaufstellung lediglich ein einziger Ukrainer. Es handelte sich um Tormann-Oldie Oleksandr Goryainov, mittlerweile 37. Der Rest? Fünf Argentinier, vier Brasilianer, ein Senegalese.

Hinter dem Klub steckt ein spendierfreudiger Unternehmer, der 53-jährige Alexander Jaroslawskij, eng befreundet mit Rinat Achmetow. Sein Firmenimperium nennt sich Development Construction Holding; wie das alles in Charkiw genau rennt, das weiß man nicht so wirklich. Sein Engagement im Fußball sieht Jaroslawskij jedenfalls als ein soziales Projekt – ähnlich wie seinerzeit ein gewisser Frank Stronach. In die Infrastruktur von Metalist hat man rund 200 Millionen Dollar investiert, das Klubbudget wird mit 40Millionen beziffert. „Das Geld“, so wird der Vereinsbesitzer zitiert, „wird für die Liebe zum Fußball ausgegeben. Und für die Liebe, die Metalist von den Menschen in dieser Stadt empfängt.“

 

„Dürfen nicht ins Rollen kommen“

Die Liebe zu Metalist hat Jaroslawskij 2004 entdeckt. Damals war der Verein noch zweitklassig, der Vitrinenkasten noch relativ leer. Nur ein echter Pokal steht dort – für den Cupsieg der UdSSR 1988. Auch heuer scheint der Meistertitel eher nicht erreichbar zu sein.

Praktiziert wird ein 4-2-3-1-System, in Leverkusen konnten sich die Offensivkräfte nicht nach Wunsch entfalten. Rapid hat den Gegner live beobachtet, auch intensives Videostudium betrieben. „Charkiws Auswahl verfügt über hohe Qualität“, urteilt Trainer Schöttel. „Sie dürfen nicht ins Rollen kommen.“ Meisterschaftsspiele haben nicht ganz so eine große Aussagekraft, da müssen nämlich vier Ukrainer in der Startformation stehen. Alles natürlich nur aus Liebe zum ukrainischen Fußball.

Auf einen Blick

Europa League: Rapid bestreitet heute das zweite Gruppenspiel, Gegner ist auswärts Metalist Charkiw, dritte Kraft im ukrainischen Fußball. Die Mannschaft tritt im Europacup als „Südamerika-Auswahl“ an, spielte zuletzt 0:0 bei Leverkusen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2012)

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