London/Da. „Bunch of twats“ nannte Ashley Cole die Verantwortlichen des englischen Fußballverbandes in einem Twitter-Eintrag nach der Bestrafung seines Chelsea-Teamkollegen John Terry. Man könnte es als „Haufen Deppen“ verstehen, „twats“ ist aber vorwiegend in der englischen Vulgärsprache gebräuchlich.
In England gingen die Wogen hoch, dem 31-jährigen Cole drohte nach 98 Länderspielen das Aus im Nationalteam. Prompt löschte er den Eintrag, entschuldigte sich persönlich bei Verbandspräsident David Bernstein und hofft auf seinen Einsatz am Freitag gegen San Marino in der WM-Qualifikation. Die letzte Entscheidung obliegt aber Teamchef Roy Hodgson.
Viel Lärm um nichts, könnte man glauben, doch es spiegelt die Zerrissenheit im englischen Fußball wider, die seit der Terry-Causa jedes Spiel begleitet. Cole war in dem Verfahren um Terrys vermeintliche rassistische Beleidigung von Queens-Park-Spieler Anton Ferdinand als Zeuge aufgetreten und hatte zugunsten Terrys ausgesagt. Die Richter sprachen Terry frei, der Verband aber sperrte ihn für vier Spiele und brummte ihm zudem eine Geldstrafe in Höhe von 270.000 Euro auf. Cole fühlte sich der Lüge bezichtigt und ließ seinem Unmut freien Lauf.
Vom Verband hat Cole nichts zu befürchten, jedoch droht ihm von Vereinsseite Ungemach. „Wir haben eine Social-Media-Politik, es gibt eine Strafe“, sagt Chelsea-Trainer Roberto di Matteo. Kolportiert werden zwei Wochengehälter, 250.000 Euro: „A bunch of money.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2012)

