Wien. Mit Kasachstan hat Österreich bereits Erfahrung gesammelt, für den einen oder anderen ist Astana noch relativ frisch in Erinnerung. Genau vor einem Jahr hat die Nationalmannschaft auswärts nur ein 0:0 erreicht, diesmal gelobt sie Besserung. Denn damals ging es in einer Qualifikation (Euro 2012) um nichts mehr, Rot-Weiß-Rot war aus dem Rennen. Diesmal stehen die Österreicher erst am Beginn dieses Turniers vor dem echten Turnier, der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Der Niederlage gegen Deutschland sollte heute (ATV, ab 17.25 Uhr) ein Sieg folgen, um sich berechtigte Hoffnungen auf eine erfolgreiche Ära machen zu dürfen. Eine gute Leistung aber wird zu wenig sein, in Kasachstan zählt letztlich nur das Resultat. Das weiß auch Teamchef Marcel Koller. „Es darf auch ein dreckiger Sieg sein“, hat der Schweizer schon vor wenigen Wochen gemeint.
Die Anreise am Donnerstag dauerte fünf Stunden, die Zeitdifferenz beträgt vier Stunden, das Abschlusstraining fand daher um 22.30 Uhr statt. Die Österreicher stellten ihre Uhren gar nicht erst um, man behält den heimischen Rhythmus bei, um keine Irritationen zu erleben. Die Mannschaft wird daher am heutigen Spieltag erst um 13 Uhr geweckt, alle Zimmer sind verdunkelt. Der Rückflug ist für 3.05 Ortszeit geplant, in Wien sollte man dann wieder um 4 Uhr (MESZ) in der Früh sein. Auch die deutsche Nationalmannschaft hat das zuletzt in Kasachstan so praktiziert, ist damit gut gefahren.
Deutschland dient wieder einmal als Vorbild. Die Mannschaft von Joachim Löw hat im Vorjahr in Kasachstan 3:0 gewonnen, nicht wahnsinnig geglänzt, aber sie ist nie in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Trotzdem ist es zur Pause 0:0 gestanden. „Wir wollen die drei Punkte anstreben“, sagt Marcel Koller. „Aber wir wissen, wie schwierig es wird. Die Kasachen haben auf Kunstrasen sicher einen kleinen Vorteil, nichtsdestotrotz wollen wir unseren Fußball durchziehen.“
Österreichs Teamchef wird nicht müde, an die Spieler zu appellieren, mit dem gleichen Engagement wie beim 1:2 gegen die DFB-Auswahl in die Partie zu gehen. „Wir müssen diese Leistung bestätigen. Wenn wir wieder so viel Leidenschaft, Teamgeist und Willen zeigen, dann sind wir sicher besser als die Kasachen.“
Verwirrspiel um die Aufstellung
In den vergangenen Trainingseinheiten hat Marcel Koller für einige Verwirrung gesorgt. Auch eine Variante mit Marc Janko in vorderster Linie wurde geprobt. Möglich, dass der Türkei-Legionär trotz mangelnder Spielpraxis den Vorzug gegenüber Martin Harnik bekommen könnte. Auch Marko Arnautović und György Garics dürfen sich ihres Stammplatzes nicht sicher sein. Teamchef Koller ließ sich diesbezüglich aber nicht in die Karten blicken: „Alle 23 Kadermitglieder können spielen.“
Der Teamchef hat die Aufstellung laut eigenen Angaben im Kopf, ebenso das System. Ein Umschwenken auf ein 4-4-2 dürfte es aber nicht geben. „Es ist bei einer Nationalmannschaft verdammt schwierig, innerhalb von zwei Tagen ein neues System einzuführen“, sagt Koller.
Der 51-jährige Schweizer Koller hofft auf einen günstigen Spielverlauf mit einem schnellen Tor. Sollte dies nicht gelingen, könnte es eng werden, wie schon die Iren im September feststellen mussten. Bis zur 88. Minute lag die Mannschaft von Giovanni Trapattoni in der Astana-Arena 0:1 zurück, erst zwei Tore im Finish retteten den glücklichen Sieg. Auch die Schweden hatten mit den Kasachen kein leichtes Spiel, beim 2:0 vor eigenem Publikum gelang das zweite Tor erst in der Nachspielzeit. Die Österreicher sind gewarnt und auf einen Gegner eingestellt, der tief stehen und sein Heil in Kontern und Standardsituationen suchen wird. Sorgen macht sich Marcel Koller aber keine: „Die Mannschaft ist absolut fokussiert!“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2012)

