ASTANA/WIEN. Nach guten, respektablen Leistungen des Fußballteams gegen große Mannschaften, etwa dem 1:2 gegen Deutschland, begleitet Österreich bei jedem darauf folgendem Spiel vor dem Anpfiff ein beklemmendes Gefühl. Die Leistung ist nicht zu wiederholen, von präzisen Pässen, geschweige denn überlegten Aktionen ist keine Spur. Ineffizienz der Stürmer verwandelt selbst die wenigen, zufälligen Torchancen in nicht verwandelte Momentaufnahmen - und nicht anders ist der Auftritt des ÖFB-Teams am Freitag im Rahmen der WM-Qualifikation in Astana zu werten.
Das 0:0 gegen Kasachstan ist ernüchternd, ein Rückschlag, den Teamchef Marcel Koller in dieser Form rätseln lassen muss. Wurden die Vorgaben nicht verstanden? Wieso lief kaum ein Angriff über die linke Seite, wo war Fuchs? Im Strafraum wartete Janko brav, er bekam aber selten den Ball. Harnik (28.) vergab nach einem Doppelpass mit Junuzović die einzige wirklich herausgespielte Torchance. Der Bremen-Legionär scheiterte in der 90. Minute mit einem Schuss im Strafraum. Ivanschitz war kaum zu sehen, Weimann kam zu spät und Arnautović? Er lief, er zeigte Einsatz. Aber er übte sich wieder an Ferslern und Kunststücken, die der Spielgestaltung auf dem Kunstrasen alles, nur nicht zuträglich waren und Kasachstan, Nummer 147 der Welt, einen Punkt bescherten.
Dem ÖFB-Team nützt das Remis nichts, im Gegenteil. Statt erhofften und einkalkulierten drei Punkten wurde die Erkenntnis gewonnen, dass weiterhin etwas nicht stimmen kann. Seit März 2005 und dem 2:0 in Wales wartet Rot-Weiß-Rot nun auf einen Auswärtssieg in einer WM-Qualifikation. Und jetzt droht der Traum der Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien erneut früh zu platzen. So bleiben auch Siege in den direkten Duellen gegen Schweden oder Irland vorerst eine Illusion.
„Das war kein Rückschritt"
Koller wirkte nach dem Abpfiff konsterniert. Mit einem 0:0 in Astana - wie schon in der vergangenen EM-Qualifikation - ereilte den Schweizer nun jenes Phänomen, mit dem schon seine Vorgänger zu kämpfen hatten. Einem guten Auftritt folgt gegen einen schwächeren, mauernden, auf Konterchancen wartenden Gegner der Einbruch. „Es war das erwartet schwere Spiel", sagte Koller und übte sich in Zweckoptimismus. „Es ist kein Rückschritt. Es war ein ganz anderes Spiel als gegen Deutschland. Die Kasachen sind mit neun Mann hinten gestanden. Da war es schwierig, die Räume zu finden."
Für das Spiel am Dienstag im Happel-Stadion (20.30 Uhr) versprach er „frischen Wind". Der ist auch nötig, um die dicht stehende Abwehr der Kasachen auszuspielen. Vor allem aber bedarf es der Kreativität der Spielmacher. Ivanschitz, Junuzović oder Jantscher sind gefragt. Legionäre, die bei ihren Klubs aufzeigen und es eigentlich auch im Nationalteam sollten.
("Die Presse", Printausgabe vom 13. Oktober 2012)

