20.06.2013 07:59 Merkliste 0

Marcel Koller: "Spieler sind auch nur Menschen"

13.10.2012 | 17:08 |  von MARKKU DATLER (Die Presse)

Mit dem 0:0 in Astana gerät Österreich in der WM-Qualifikation vorzeitig ins Hintertreffen. Das übliche Wehklagen trübt den Gesamteindruck. Der 51-jährige Teamchef Marcel Koller kennt dieses Geschäft.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Durchhalteparolen, Aufmunterungen, Versprechungen, Ausreden – hat Österreichs Fußballteam wieder einmal die Erwartungen nicht erfüllt, beginnt landesweit sofort eine Ursachenforschung mit dem üblichen Wehklagen. Fakt ist, dass das ÖFB-Team mit dem enttäuschenden 0:0 in Astana wichtige Punkte in der WM-Qualifikation für Brasilien 2014 verloren hat. Unübersehbar war, dass abermals zu viele Chancen vergeben wurden oder das Spiel über die Flanken nur selten funktionierte. Zweifelsohne, auf einem Kunstrasen Fußball zu spielen, bereitet selten Freude. Auch andere Nationen, zuletzt Irland, hatten große Probleme in Astana, sie haben aber gewonnen, Österreich nicht.

Die Kasachen verteidigten, sie liefen, simulierten, ließen die Zeit verstreichen, warben bei Referee Tamas Bognar um Nachsicht – aber welches Team würde das denn nicht tun, wenn es die Chance auf eine Überraschung hätte? Auch darauf fanden Österreichs Fußballer keine Antwort.

Unter Druck. Das ÖFB-Team liegt somit nach zwei Spielen mit nur einem Punkt auf Rang vier der Gruppe C. Deutschland enteilt seinen Verfolgern und hat nach drei Spielen neun Punkte, dahinter folgen die Schweden mit sechs, sogar Irland hat drei Zähler zu Buche stehen – um den angestrebten zweiten Platz zu erreichen, müssen nun zwangsläufig Siege folgen. Am Dienstag im Heimspiel gegen Kasachstan, danach allerdings auch gegen andere Kaliber.

Teamchef Marcel Koller schien nach dem Schlusspfiff in Astana gezeichnet. Der Schweizer brauchte wohl einige Augenblicke, um das Erlebte zu verdauen. Auch in seinem zweiten Bewerbsspiel war er sieglos geblieben und obgleich er davon sprach, dass es keineswegs ein Rückschritt gewesen sei, musste er sich innerlich eingestehen, dass es freilich einer war. Einer, wie ihn all seine Vorgänger auch schon erlebt hatten. Einem passablen Spiel mit aufopfernder Leistung gegen eine starke Mannschaft folgt zumeist der Einbruch. Mit vergebenen Chancen, Fehlpässen, unnötigen Ferslern, etc.

Koller, 51, kennt das Fußballgeschäft gut. Der 51-Jährige verzichtete am Tag danach auf eine Standpauke, der Profi ließ sich auch nicht zu medialer Kritik hinreißen. Vielmehr suchte er nach einer Antwort, um der nach Erfolg und der Teilnahme bei Großereignissen schreienden rot-weiß-roten Seele etwas Linderung zu spenden. Er stelle sich vor seine Spieler, er wolle sie aufbauen. Dann sagt er: „Die Spieler sind auch nur Menschen und können einmal einen schlechten Tag haben.“

Geht es nach der emotionslosen Statistik, haben Österreichs Fußballer im Rahmen einer WM-Qualifikation seit März 2005 bei Auswärtsspielen unentwegt schwarze Tage. Damals siegte das ÖFB-Team in Wales mit 2:0.

Ein Wunschkonzert?
Nach zwei Runden vorzeitig alle Konzepte, Ideen und Wünsche zu verwerfen, davon hält der Teamchef nichts. Der Begriff der Resignation ist ihm fremd, noch seien acht Runden zu spielen und in diesen Spielen gehe es darum, vieles zu verbessern – vor allem die Chancenauswertung. Die Problematik, der sich auch der Schweizer bewusst werden muss, wurzelt nicht nur bei den Stürmern, sondern im Mittelfeld, bei den Passgebern.

Marc Janko wartete brav und geduldig im Strafraum auf hohe Bälle. Doch sie kamen selten bis nie. Kam er in die Nähe des Balls, machte sich seine fehlende Spielpraxis deutlich bemerkbar. Bei Trabzonspor brachte er es als Reservist bislang auf 110 Spielminuten und kein Tor.
Stuttgart-Spieler Martin Harnik hat sechs Spiele in den Beinen und drei Tore zu Buche stehen, benötigt aber viele, für Kritiker sogar viel zu viele Anläufe, um einmal zu treffen.

Zlatko Junuzović hat für Bremen ein Tor erzielt. Er läuft, er passt und sucht Räume, doch im entscheidenden Moment will nichts gelingen. Dieses Dilemma begleitet auch Marko Arnautović. Null Tore für Bremen, dafür verspielt und stets für Ballverluste gut.

Teamchef Marcel Koller wollte das „alte Lied“ der vergebenen Chancen zwar nicht anstimmen, aber er kam nicht darum herum. „Wir hatten Ballbesitz, drei gute Chancen. Aber, man muss das Tor machen.“
In diesem Fall bemühte Koller von sich aus die Statistik. Zahlen lügen nicht, und er beleuchtete den Aspekt der Standardsituationen. Die Eckbälle, die seine Spieler getreten haben, seien „nicht gut gekommen“. Das lag freilich am Kunstrasen, dessen „Halme“ kürzer seien als die auf dem Trainingsplatz in Bad Tatzmannsdorf. Koller sagt: „Da kommt man nicht richtig unter den Ball. Nur eine Trainingseinheit auf diesem Platz war zu wenig.“ Wäre es daher vielleicht ratsamer gewesen, schon einen Tag früher nach Astana anzureisen? Die Spielstätte ist Österreichs Teamspielern doch schon bekannt, die Gegebenheiten ebenfalls.

Koller hielt sich bedeckt. Offensichtlich wollte er der Thematik Standardsituationen dann doch nicht so viel Gewicht beimessen. „Außerdem fällt laut Uefa-Statistik ohnehin nur nach jedem 46. Corner ein Tor. Fußball ist kein Wunschkonzert.“

Ob es nun zwei Punkte zu wenig waren, werde man 2013 wissen, sagt Koller und richtete seine Energie auf die Vorbereitung für das Heimspiel am Dienstag im Happel-Stadion. Es wäre eine fatale Erkenntnis, würden sich Österreichs Leistungen nun schlagartig verbessern und letztlich nur diese zwei Punkte auf den zweiten Platz fehlen. Koller erwartet übrigens erneut ein „Geduldspiel“. Im Warten haben Österreichs Fußballfans auch langjährige Routine. Seit Frankreich 1998 spielte das Team bei keiner WM mehr mit.

FUSSBALL-WM
1998. Frankreich, Teilnahme
Österreich spielte gegen Kamerun (1:1), Chile (1:1) und Italien (2:1). Aus nach der Gruppenphase.

2002. Japan, Südkorea
Österreich scheitert in der WM-Relegation an der Türkei (0:1, 0:5).

2006. Deutschland
Österreich verpasst als Gruppendritter hinter England und Polen die WM- Qualifikation.

2010. Südafrika
Österreich scheitert abermals als Gruppendritter, diesmal hinter Serbien & Frankreich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

48 Kommentare
 
12
Gast: Held der Arbeit
15.10.2012 15:02
1 1

warum

verzichtet österreich nicht auf die teilnahme an internationalen fussballbewerben und steckt das geld, das aus der sportförderung in dieses sinnlose unterfangen fließt, in andere sportarten.

Antworten Gast: Franz343
15.10.2012 16:19
1 0

Re: warum

Ein toller Vorschlag!!!!!

Gast: Robert44
15.10.2012 14:26
0 1

Warum spricht das niemand aus?

Von diesen hochbezahlten, 3.klassigen Spielern kann man international nicht mehr erwarten.

1 2

erste klasse flieger

sollte es nur für erste klasse leistungen geben. durchschnittsleistung bringt standardklasse. und keine extraköche, etc.

Gast: kernöl
14.10.2012 09:08
1 8

didi

constantini wurde die ganze zeit für die schwachen spiele unseres teams verantwortlich und zum sündenbock gemacht. nun zeigt das team auch mit dem neuen messias aus der schweiz eine beschämende leistung. es wäre an der zeit, sich bei didi zu entschuldigen.

6 0

Re: didi

wozu? er hat viel geld verdient und seine arroganz hat viel mehr geschadet als geholfen!
nurbzu sagen: i bin halt stur - ist etwas wenig
koller arbeitet ordentlich - ohne sein ego permanent in den vordergrund zu pressen.

"Die Eckbälle, die seine Spieler getreten haben, seien „nicht gut gekommen“ - Deutschland hatte im EM-Halbfinale 14 Ecken und die Italiener keine einzige und verloren trotzdem. Chelsea hatte gegen Bayern im Champions-League-Finale eine einzige Ecke und machte daraus den entscheidenden Treffer. Daraus lernen wir, dass es völlig unerheblich ist, ob die Ecken ankommen, die Grashalme zu kurz sind etc. Das Runde muss ins Eckige und dabei helfen weder die Anzahl der Standardsituationen oder sonstige Statistiken.

Gast: be.es:
13.10.2012 22:40
0 5

das ist keine Nationalmannschaft.....

......sondern eine Halluzinationalmannschaft, genau wie in der Politik......geht endlich in die Schule, lernt etwas und werdet erwachsen!
be.es: und hoert endlich auf SUENDTEURE Trainer einzustellen, solche Halluzinationalmaennchen brauchen keinen Trainer sondern einen Arzt.....KRANKE kann man nicht trainieren, man sollte sie eher pflegen!

Re: das ist keine Nationalmannschaft.....

so einen Schwachsinn hab ich noch selten gelesen!
diese Mannschaft ist sicher die beste die wir seit langer zeit hatten!das ist leider eine typisch österreichische 'Krankheit' immer alles schlecht zu reden was aus Österreich kommt!
was der Grund ist weiß ich nicht-Minderwertigkeitskomplex oder fehlender Nationalstolz?
jedenfalls ist das bei uns hier leider sehr ausgeprägt!
wenn man da andere Nationen anschaut-und ich komme viel herum-ist das dort was ganz was anderes..
dort wird viel mehr hinter 'seinen' Sportlern, Künstlern, Menschen gestanden!
ich finde das echt traurig, dass immer alles viel schlechter geredet wird als es überhaupt ist..

Antworten Antworten Gast: dr Atl
14.10.2012 16:27
2 5

Re: Re: das ist keine Nationalmannschaft.....

fehlender Nationalstolz.
worauf denn auch , bitte.
mir fällt nur die schöne landschaft ein , in jahrmillionen gewachsen , in den letzten jahrzehnten teils teils ziemlich verschandelt.
ansonsten sollte mir was entgangen sein , bitte sehr.

Gast: I.A.
13.10.2012 21:30
1 5

Mainz, wie es singt und lacht.

Das war kein großer Koller, das war ein großer Holler.

1 4

wie in der politik alles nur schön reden

seit jahren das selbe bla bla

österreich 1 punkt misserfolg

schweiz 7 punkte erfolg

wie in der plolitik österreich ist immer weit hinter der schweiz.

jetzt wissen wir warum er österreich und nicht die schweiz trainiert.

2 0

Re: wie in der politik alles nur schön reden

nur vielleicht bringt er neuen schwung. allerdings kann er nicht zaubern.

0 3

Re: wie in der politik alles nur schön reden

naja heilig sind die Eidgenossen auch wieder nicht, Österreich!!!!!!!
"wurscht wos kumt!!!!!"

Lieber Mista Koller!

Es hat sich nicht viel geändert!
Die Spieler schieben sich gegenseitig den Ball zu, weil jeder Angst hat, aufs Tor zu schießen!

Gast: Kch
13.10.2012 13:35
7 0

"Stars"

Warum müssen diese "Stars" eigentlich in absoluter Luxusklasse, wie man in den Medien gelesen hat, nach Kasachstan, oder wo auch immer hin, fliegen? Köche werde eigens dafür ein paar Tage in Voraus gsandt usw. - unglaublich überzogen das Ganze!!!

Gast: AlterKämpfer
13.10.2012 13:07
3 3

Das war's dann!

Bitte keine Berichterstattung über diese Jammerlappen mehr bis 2014!

Gast: 12345
13.10.2012 12:59
3 3

Wenigstens hat Österreich diesmal nicht verloren.


Gast: matt03
13.10.2012 12:51
4 1

Schade

Nach der Leistung gegen Deutschland dachte ich das wir es diesmal wirklich zur WM schaffen können.Aber jetzt ists ja schon fast wieder aussiechtslos:-(

Das ist einfach pech!

Österreicher haben bei den Turkvölkern eben kein Glück!

Antworten Gast: CONSTANTINI
13.10.2012 21:33
0 4

Re: Das ist einfach pech!

Mit mir hat Österreich 2:0 gewonnen.

Gast: Knaller
13.10.2012 10:56
2 0

So schade, dass es um Tore geht!

Würde es Kampfrichter geben, die a) die Schönheit b) die Frisuren c) die Minuten, in denen ein Team den Ball hält, etc.etc. bwerten, wären wir wenig Gegener.
Da man aber dummer Weise beim Fußball Tore schießen sollte, werden nwir auch deises Mal wohl die Qualifikation nicht schaffen. Schade, aber dei Welt dreht sich trotzdem weiter!

Unterschied

Gleich nach dem Spiel konnte man bei Irland-Deutschland den Unterschied sehen. Fast jeder Pass der Deutschen im richtigen Tempo zur richtigen Zeit zum richtigen Mann, irgendwie völlig logisch. Dagegen Österreich, falsches Tempo, nicht zum Mann, dem springt dann noch der Ball weg, wenn er doch einmal angespielt wird, dadurch ständig Tempoverluste, völlig unlogisches Spiel. Einzig Prödl würde ich ausnehmen, er spiel sehr gute Bälle aus der Abwehr heraus, auch bei Bremen. Vor dem Tor kein Punch. Das ist der Unterschied und daran wird sich auch nichts ändern. Teamchef hin oder anderer her

Re: Unterschied

Die österr. Nationalmannschaft spielt gut gegen bessere Gegner. Denn in solchen Spielen ist es gefragt, zu reagieren und auf Fehler der anderen zu warten.

Gegen schlechtere Gegner müsste man agieren und kreaktiv sein. Im Gegensatz zum reagieren, lässt sich das jedoch viel schlechter trainieren. Das sollte wahrscheinlich irgendwie schon ein wenig "mit angeboren" sein.

Wenn man versucht

das Niveau der österr. Nationalmannschaft als Linie zu sehen, so spielte sie gegen Deutschland wohl sehr, sehr weit darüber, gegen Kasakstan etwas darunter. Hier spielte, neben der vollkommen anderen Spielsituation (Spiel selbst gestalten), wohl auch ein klein wenig die neue Selbsteinschätzung "wir sind gut, das machen wir aus dem Stand" mit. Zumindest die oftmals mangelnde Bewegung der Spieler ohne Ball vor dem Kasakstan-Strafraum legt diese Vermutung nahe.

Das Hauptproblem ist wohl das Fehlen eines echten Torjäger und ein echter Regisseur im Mittelfeld, damit man auch mit etwas weniger Glück zu Torerfolgen kommt.

Aber in Summe ist das 0:0 wohl o.k., denn zumindest hatte die Mannschaft das nicht immer vorhandene Glück, das auch die Kasachen deren durchaus vorhandene Totchancen grandios vernebelten.

6 0

Jetzt wartet der Angst-Gegner: Faröer(!)

Wenn 'wir' den bezwingen, ist Platz 4 in dieser Hammer-Gruppe realisierbar.

 
12