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Marcel Koller: "Spieler sind auch nur Menschen"

13.10.2012 | 17:08 |  von MARKKU DATLER (Die Presse)

Mit dem 0:0 in Astana gerät Österreich in der WM-Qualifikation vorzeitig ins Hintertreffen. Das übliche Wehklagen trübt den Gesamteindruck. Der 51-jährige Teamchef Marcel Koller kennt dieses Geschäft.

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Durchhalteparolen, Aufmunterungen, Versprechungen, Ausreden – hat Österreichs Fußballteam wieder einmal die Erwartungen nicht erfüllt, beginnt landesweit sofort eine Ursachenforschung mit dem üblichen Wehklagen. Fakt ist, dass das ÖFB-Team mit dem enttäuschenden 0:0 in Astana wichtige Punkte in der WM-Qualifikation für Brasilien 2014 verloren hat. Unübersehbar war, dass abermals zu viele Chancen vergeben wurden oder das Spiel über die Flanken nur selten funktionierte. Zweifelsohne, auf einem Kunstrasen Fußball zu spielen, bereitet selten Freude. Auch andere Nationen, zuletzt Irland, hatten große Probleme in Astana, sie haben aber gewonnen, Österreich nicht.

Die Kasachen verteidigten, sie liefen, simulierten, ließen die Zeit verstreichen, warben bei Referee Tamas Bognar um Nachsicht – aber welches Team würde das denn nicht tun, wenn es die Chance auf eine Überraschung hätte? Auch darauf fanden Österreichs Fußballer keine Antwort.

Unter Druck. Das ÖFB-Team liegt somit nach zwei Spielen mit nur einem Punkt auf Rang vier der Gruppe C. Deutschland enteilt seinen Verfolgern und hat nach drei Spielen neun Punkte, dahinter folgen die Schweden mit sechs, sogar Irland hat drei Zähler zu Buche stehen – um den angestrebten zweiten Platz zu erreichen, müssen nun zwangsläufig Siege folgen. Am Dienstag im Heimspiel gegen Kasachstan, danach allerdings auch gegen andere Kaliber.

Teamchef Marcel Koller schien nach dem Schlusspfiff in Astana gezeichnet. Der Schweizer brauchte wohl einige Augenblicke, um das Erlebte zu verdauen. Auch in seinem zweiten Bewerbsspiel war er sieglos geblieben und obgleich er davon sprach, dass es keineswegs ein Rückschritt gewesen sei, musste er sich innerlich eingestehen, dass es freilich einer war. Einer, wie ihn all seine Vorgänger auch schon erlebt hatten. Einem passablen Spiel mit aufopfernder Leistung gegen eine starke Mannschaft folgt zumeist der Einbruch. Mit vergebenen Chancen, Fehlpässen, unnötigen Ferslern, etc.

Koller, 51, kennt das Fußballgeschäft gut. Der 51-Jährige verzichtete am Tag danach auf eine Standpauke, der Profi ließ sich auch nicht zu medialer Kritik hinreißen. Vielmehr suchte er nach einer Antwort, um der nach Erfolg und der Teilnahme bei Großereignissen schreienden rot-weiß-roten Seele etwas Linderung zu spenden. Er stelle sich vor seine Spieler, er wolle sie aufbauen. Dann sagt er: „Die Spieler sind auch nur Menschen und können einmal einen schlechten Tag haben.“

Geht es nach der emotionslosen Statistik, haben Österreichs Fußballer im Rahmen einer WM-Qualifikation seit März 2005 bei Auswärtsspielen unentwegt schwarze Tage. Damals siegte das ÖFB-Team in Wales mit 2:0.

Ein Wunschkonzert?
Nach zwei Runden vorzeitig alle Konzepte, Ideen und Wünsche zu verwerfen, davon hält der Teamchef nichts. Der Begriff der Resignation ist ihm fremd, noch seien acht Runden zu spielen und in diesen Spielen gehe es darum, vieles zu verbessern – vor allem die Chancenauswertung. Die Problematik, der sich auch der Schweizer bewusst werden muss, wurzelt nicht nur bei den Stürmern, sondern im Mittelfeld, bei den Passgebern.

Marc Janko wartete brav und geduldig im Strafraum auf hohe Bälle. Doch sie kamen selten bis nie. Kam er in die Nähe des Balls, machte sich seine fehlende Spielpraxis deutlich bemerkbar. Bei Trabzonspor brachte er es als Reservist bislang auf 110 Spielminuten und kein Tor.
Stuttgart-Spieler Martin Harnik hat sechs Spiele in den Beinen und drei Tore zu Buche stehen, benötigt aber viele, für Kritiker sogar viel zu viele Anläufe, um einmal zu treffen.

Zlatko Junuzović hat für Bremen ein Tor erzielt. Er läuft, er passt und sucht Räume, doch im entscheidenden Moment will nichts gelingen. Dieses Dilemma begleitet auch Marko Arnautović. Null Tore für Bremen, dafür verspielt und stets für Ballverluste gut.

Teamchef Marcel Koller wollte das „alte Lied“ der vergebenen Chancen zwar nicht anstimmen, aber er kam nicht darum herum. „Wir hatten Ballbesitz, drei gute Chancen. Aber, man muss das Tor machen.“
In diesem Fall bemühte Koller von sich aus die Statistik. Zahlen lügen nicht, und er beleuchtete den Aspekt der Standardsituationen. Die Eckbälle, die seine Spieler getreten haben, seien „nicht gut gekommen“. Das lag freilich am Kunstrasen, dessen „Halme“ kürzer seien als die auf dem Trainingsplatz in Bad Tatzmannsdorf. Koller sagt: „Da kommt man nicht richtig unter den Ball. Nur eine Trainingseinheit auf diesem Platz war zu wenig.“ Wäre es daher vielleicht ratsamer gewesen, schon einen Tag früher nach Astana anzureisen? Die Spielstätte ist Österreichs Teamspielern doch schon bekannt, die Gegebenheiten ebenfalls.

Koller hielt sich bedeckt. Offensichtlich wollte er der Thematik Standardsituationen dann doch nicht so viel Gewicht beimessen. „Außerdem fällt laut Uefa-Statistik ohnehin nur nach jedem 46. Corner ein Tor. Fußball ist kein Wunschkonzert.“

Ob es nun zwei Punkte zu wenig waren, werde man 2013 wissen, sagt Koller und richtete seine Energie auf die Vorbereitung für das Heimspiel am Dienstag im Happel-Stadion. Es wäre eine fatale Erkenntnis, würden sich Österreichs Leistungen nun schlagartig verbessern und letztlich nur diese zwei Punkte auf den zweiten Platz fehlen. Koller erwartet übrigens erneut ein „Geduldspiel“. Im Warten haben Österreichs Fußballfans auch langjährige Routine. Seit Frankreich 1998 spielte das Team bei keiner WM mehr mit.

FUSSBALL-WM
1998. Frankreich, Teilnahme
Österreich spielte gegen Kamerun (1:1), Chile (1:1) und Italien (2:1). Aus nach der Gruppenphase.

2002. Japan, Südkorea
Österreich scheitert in der WM-Relegation an der Türkei (0:1, 0:5).

2006. Deutschland
Österreich verpasst als Gruppendritter hinter England und Polen die WM- Qualifikation.

2010. Südafrika
Österreich scheitert abermals als Gruppendritter, diesmal hinter Serbien & Frankreich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2012)

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48 Kommentare
 
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Jetzt wartet der Angst-Gegner: Faröer(!)

Wenn 'wir' den bezwingen, ist Platz 4 in dieser Hammer-Gruppe realisierbar.

Gast: Paz
13.10.2012 10:02
6 0

Nichttorschießend

Eine Mannschaft die gefällig spielt und auch im Zweikampf stark ist scheitert an ihrer Abschlußschwäche.
Es gehört auch ein Portion Glück dazu im richtigen Moment den Ball richtig zu treffen, allerdings sollte ein Profi, der nichts anderes macht als auf den Fussblall zu treten auch einmal in der Lage sein ein Tor zu schießen.
Die Hintermannschaft der Gegenseite hat keinen starken Eindruck gemacht. Es ist für das Toreschießen auch ein gewisser Spielwitz erforderlich, der leider der österr. Mannschaft seit Jahren abgeht!
Woher auch nehmen, wenn man es nicht drauf hat.

Re: Es ist für das Toreschießen auch ein gewisser Spielwitz erforderlich

Die Grundvoraussetzung dafür ist wohl, dass man beim Schießen überhaupt das Tor trifft. Und vorgelagert, dass man in eine Situation kommt, wo man schießen kann.

Und hier fehlt der Nationalmannschaft nicht nur Glück und Spielwitz, sondern vor allem ein Torjäger mit Riecher und Unterstützung durch das Mittelfel. Der beste Torjäger nützt nichts, wenn er allein im Strafraum gegen 6 Gegner antreten muss.

D.h. die Basismannschaft für 2-3 Könner wäre vorhanden, nur die 2-3 Könner fehlen. Könner sind die, welche auch mit Pech im Spielverlauf, mal 1-2 Torschüsse vorbereiten und im Netz unterbringen können.

ernüchternd

und ein Armutszeugnis für Österreich ist die politische Landschaft.
Bitte liebe Kicker verzeiht mir das ich hier über was anderes schreibe als über euere Leistung in der Fremde.
So wie die Medien versuchen Euch in eine Liga zu schreiben in der unser kleines Land nichts zu suchen hat,
schreiben diese auch die Politiker in Sphären von Weltpolitik und Großdenkern.


Antworten Gast: echter Wiener
13.10.2012 13:35
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Re: ernüchternd

Ja das stimmt , mein Vorschlag Trainer Fayman Mittelstürmer Häupl und im Tor Vasilasku ???

Gast: Tobias Hun
13.10.2012 09:00
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ist gut!

Beim Rempelsport (Fußball) sind doch die Tore völlig egal.

Die Amerikaner, als Experten des Showgeschäftes haben sogar einen Show-Rempelsport, den sie Wrestling nennen, erfunden.

Tja, bei uns Europäern geht es wenigstens noch richtig zur Sache, auch unter den Fans.

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0:0 - WM-Qualifikation de facto beendet

Nachdem Irland in Kasachstan gewonnen hat, wären auch für uns 3 Punkte Pflicht gewesen. Mag schon sein, dass sich auch unsere direkten Konkurrenten Schweden und Irland schwertun, aber letztendlich gewinnen sie, wenn auch mit Glück, unserer Truppe fehlt die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor.
Es ist halt leider so: unsere Legionäre sind bei ihren Vereinen Mitläufer, die sich in einer starken Umgebung steigern können. In der Nationalmannschaft sollen sie plötzlich eine Führungsrolle einnehmen, der sie offensichtlich nicht gewachsen sind. Darüber hinaus fehlt es an der nötigen Technik, wenn das Spiel schnell gestaltet werden soll.

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oesterreich ist auf dem nivau von zypern und tadschikistan

fuenftklassig und das seit 20 jahren


Gast: total crash
13.10.2012 00:11
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Wenn man am Rande des Abgrund steht und man macht keinen Rückschritt,

na da gehts hat runter;o)

hihihi

Hauptsach die Türken und die Serben ham verlorn hihihi

Re: hihihi

Über eine Niederlage der türkischen Nationalmahnschaft freu' ich mich mehr, als über einen Sieg der österreichischen Elf.

Re: Re: hihihi

ich freue mich immer wnn der Sterndlstaat aus dem Morgenland nirgends dabei ist.

Gast: Fussballhobbyanalyst
12.10.2012 22:59
6 0

Nullnummer. Das Bild sagt tausend Worte. Das Spiel - Ein Krampf.


Zwar keine tolle Leistung

aber sicherlich kein Rückschritt. Gegen Kasachstan haben sich schon viele sehr schwer getan, noch ist nichts verloren. Aber am Dienstag muss die Partie gewonnen werden, und das wird gelingen!

Antworten Gast: Gast: Leser
13.10.2012 10:07
4 0

Re: Zwar keine tolle Leistung

Nichts verloren? Auf jeden Fall die WM-Qualifikationschance - die ist definitiv weg, auch wenn jetzt die Beschwichtiger kommen und - wie schon seit Jahrzehnten - sagen, die Chancen seien weiterhin intakt. Ja natürlich, vorausgesetzt wir gewinnen auswärts gegen Deutschland und Schweden, und vor allem auch gegen die Färöer - letzteres ist uns ja noch nie gelungen. Man muss es realistisch sehen: Der Traum ist leider aus - endgültig. Und, jedenfalls für mich, keineswegs überraschend.

Re: Zwar keine tolle Leistung

endlich einmal ein positiver Kommentar!ich habe schon gedacht im presseforum schreiben welche die jammern-die wahrscheinlich bei Siegen sich als Fans schimpfen würden!

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Re: Re: Zwar keine tolle Leistung

einfach nur mehr peinlich das ganze du schenkst faymann sicher auch deinen glauben.

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Re: Re: Re: Zwar keine tolle Leistung

und sie scheinen wieder eine klassische Intelligenzbestie zu sein!

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Re: Re: Re: Re: Zwar keine tolle Leistung

ja sicher.

Die nächste EM Quali kommt bestimmt ..

... dann dürfen wir wieder 2 Spiele lang hoffen bevor die Seifenblase platzt.

Gast: gast55
12.10.2012 22:07
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und das war bzw ist das problem

http://diepresse.com/home/sport/fussball/1299622/Fuchs_Haben-die-besseren-Fussballer-als-Kasachstan?from=simarchiv

es bringt eben nichts vorab vom sieg zu reden, und vom fuchs hat man auch recht wenig gesehen

Gast: gast55
12.10.2012 22:01
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da ist genau das eingetreten, was zu befürchten war

nein nicht ganz, sie haben wenigstens nicht verloren

aber man sollte endlich damit aufhören vorab von einem sieg zu reden, wie es wieder der eine oder andere spieler im vorfeld dieses spieles tat

wie viele chancen braucht denn der harnik noch, um endlich ein tor zu schießen?? besser kann man sich nicht freispielen, wie er in der ersten hälfte, und dann versemmelt er diese 100%ige aber so was von kläglich

"..Arnautović? Er lief, er zeigte Einsatz. Aber er übte sich wieder an Ferslern und Kunststücken,.."

der war doch eine katastrophe, wo ist denn der gelaufen?? behäbig herumgestolpert trifft es eher und diese fersler regen mich komplett auf, da steht es 0:0 und die treffen kein tor machen aber die ganze zeit solche mätzchen

Gast: Gast Omega
12.10.2012 20:11
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Team von Koller musste sich mit einem torlosen Remis begnügen

Da nützt auch der beste Trainer nichts! Die sollten sich sparen immer neue Trainer zu engagieren. Es fehlt ganz einfach die Qualität für Erfolge. Sie sollen zufrieden sein, dass sie mit Kasachstan mithalten können. Vielleicht genügt auch ein Trainer aus der Wiener Liga um zu "Nichterfolgen" zu kommen!

 
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