Wien. David Alaba strahlte, und als der 20-jährige Bayern-Spieler nach seiner zwölf Wochen langen Verletzungspause am Sonntag in Wien durch den Presseraum schlenderte, entkam auch so manchem Fußballreporter ein Lächeln. Nach dem 0:0 in Astana am vergangenen Freitag sind in der laufenden WM-Qualifikation positive Stimmung und Hoffnung gefragt, und beides soll Alaba gewährleisten. Doch alles an einem festzumachen, der gerade erst wieder mit dem Training begonnen hat, wäre wirklich billig. So vermessen sind nicht einmal Österreichs Fußballer.
Diesen Druck könnte selbst Alaba nicht bewältigen. Dennoch, er dient ÖFB-Teamchef Marcel Koller als willkommene Ablenkung. Mit einem Schlag musste er keine Spielanalysen machen oder gar Fehler zugeben.
„Wir haben gut ausgeschaut“
Alaba möchte am Dienstag (20.30Uhr, ORFeins) im Happel-Stadion gegen Kasachstan sein Pflichtspiel-Comeback geben und mithelfen, nach nur einem Punkt aus den ersten zwei Qualifikationsspielen eventuell den ersten Sieg einzufahren. Wie lange er spielt oder wann er eingetauscht wird, ließ er offen. Er sagt: „Ich lasse mich davon nicht verrückt machen. Ich bin kein Heilsbringer. Es wird nicht von mir abhängen, ob wir gewinnen oder nicht. Wir sind eine Mannschaft, wie Brüder. Und wir glauben alle an unsere Chance.“
Beim 0:0 in Astana seien seine „Brüder“ weit unter Wert geschlagen worden, meint Alaba. Auch ihm war aufgefallen, dass die Chancenauswertung miserabel und auch so mancher Fehlpass vermeidbar gewesen sei. Alaba geht jedoch davon aus, dass dieses Remis dem Selbstvertrauen seiner Teamkollegen keinen nachhaltigen Schaden zugefügt hat. Er sagt: „Wir waren überlegen, haben gut gespielt, heute im Training hat alles wieder sehr gut ausgeschaut.“
In zwei Einheiten seit seiner Nachnominierung verspürte Alaba übrigens keine Schmerzen mehr, der Ermüdungsbruch im linken Fuß ist endgültig ausgeheilt. Trotzdem, noch fehlen Präzision und die entscheidende Sicherheit.
Einen Disput zwischen Bayern-Trainer Jupp Heynckes und Teamchef Marcel Koller rund um seine Abstellung wollte er nicht bemerkt haben. „Heynckes hat sich für mich gefreut, dass ich wieder beim Team bin“, erzählte der Ex-Austrianer, der bei den Bayern als Linksverteidiger, im ÖFB-Team allerdings als zentraler Mittelfeldspieler vorgesehen ist.
Wenn Kritik verstummt
Nach den Übungen stand nur David Alaba im Rampenlicht des ÖFB-Termins. Über Astana wurden nur noch halb kritische, unangenehme Fragen gestellt. Auch wurde kein Spieler angeprangert. Alaba strahlte, er lächelte, und selbst wenn er am Dienstag keine einzige Minute spielen wird, er scheint tatsächlich der „Heilsbringer“ für den ÖFB zu sein. Ob es Alaba glauben will oder nicht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2012)

