Wien. Österreichs Teamchef Marcel Koller erweckt nicht den Eindruck, als ob er nach einem Rückschlag gleich die Flinte ins Korn wirft. Der Schweizer versucht, ruhig und sachlich zu bleiben, auch wenn die ersten beiden Qualifikationsspiele für die WM-Endrunde 2014 in Brasilien nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. Nach der Nullnummer von Astana steht Österreichs Nationalmannschaft im heutigen „Rückspiel“ gegen Kasachstan im Happel-Stadion (20.35 Uhr, live ORF eins) bereits gewaltig unter Druck. Koller aber scheint das nicht zu beunruhigen, er präsentiert sich ganz und gar nicht irritiert. „Ich merke nicht, dass der Druck höher ist“, sagt er. „Ich bin immer noch locker und versuche mich auf das Spiel zu fokussieren.“
Kritik an seiner Mannschaft lässt Marcel Koller eigentlich nicht gelten, er stellt sich schützend vor seine Auswahl. Weil er das Team auf einem richtigen Weg sieht. „Wenn man etwas aufbauen will, dann ist es normal, dass es nicht immer geradeaus geht. Alles braucht etwas Zeit – in der Nationalmannschaft noch mehr als bei einem Verein. Es ist völlig normal, dass man manchmal einen Schritt zurück gehen muss, um zwei nach vorne zu kommen.“ Was der Schweizer damit genau meint, das blieb unbeantwortet.
Selbst bei einem neuerlichen Punkteverlust gegen die Kasachen wären die Hoffnungen auf eine WM-Teilnahme laut Koller noch nicht im Eimer. „Dann stehen immer noch sieben Spiele auf dem Programm.“ Wer nach drei Qualifikationsspielen allerdings mit beispielsweise zwei Punkten dasteht, der darf sich als gescheitert betrachten. Der 52-Jährige gibt immerhin zu: „Wir wissen, dass wir Punkte holen müssen und dass jeder Punkt wertvoll ist.“
Alaba ist Kollers Geheimnis
An der Spielweise des Gegners wird sich auch im Prater nichts ändern, Defensive soll Kasachstans Trumpf sein, gepaart mit Destruktivität. „Davon dürfen wir uns nicht irritieren oder beirren lassen. Wir müssen uns darauf konzentrieren, was wir wollen“, fordert Marcel Koller. Die Fehler vom vergangenen Freitag gilt es zu vermeiden – gefragt ist vor allem eine bessere Chancenverwertung. Und ein druckvolleres Spiel nach vorne. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet die Innenverteidiger am meisten im Ballbesitz waren. „Wir müssen uns weiter vorne positionieren, um dahin zu kommen, wo wir die Löcher finden.“
Was die Aufstellung betrifft, so lässt Teamchef Marcel Koller wieder einmal vieles offen. Es ist denkbar, dass Andreas Ivanschitz, Martin Harnik oder Marko Arnautović auf der Ersatzbank Platz nehmen müssen. Oder auch Julian Baumgartlinger. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass David Alaba von Koller von Beginn an aufgeboten wird. „Trainer Jupp Heynckes hat mir bestätigt, dass es an mir liegt, ob und wie lange David spielt.“ Die 42.000 Zuschauer werden Bayerns Jungstar sicher sehen wollen. Fans möchten schließlich mitgerissen werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.10.2012)

