[WIEN] Die Nullnummer vom Hinspiel in Astana hat geschmerzt, aber die österreichische Nationalmannschaft hat offenbar gelernt, mit solchen Rückschlägen umzugehen. Sie war fest entschlossen, den Kasachen im Heimspiel zu zeigen, wer die bessere Mannschaft ist. Teamchef Marcel Koller hat gut daran getan, keine Verunsicherung aufkommen zu lassen. Er hat sich in den vergangenen Tagen schützend vor seine Auswahl gestellt und Selbstvertrauen ausgestrahlt. Der Schweizer hat auch sicher schon auf der langen Heimreise aus Kasachstan den Plan geschmiedet, wie man im Happelstadion diesen defensiven bis destruktiven Gegner bezwingen kann. Mit personellen Veränderungen, die der Elf so richtig gut getan haben.
Marcel Koller hat bereits bei der Kaderbekanntgabe im Hinterkopf gehabt, David Alaba für das Wiener Rückspiel nachzunominieren. Der Bayern-Legionär, der nach einem Ermüdungsbruch im linken Fuß erst vor zwei Wochen wieder ins Mannschaftstraining einsteigen konnte, durfte dann gleich von Beginn an ans Werk gehen. Und das, obwohl er erst ein Testspiel in den Beinen hatte. Aber nicht nur Alaba kehrte zurück, sondern auch Marc Janko, der Mittelstürmer, am Freitag zunächst nur Ersatz. Als rechter Verteidiger fiel die Wahl auf Florian Klein. Garics, Ivanschitz, Baumgartlinger mussten auf die Bank.
Der Mann für entscheidende Züge
„Ich bin kein Heilsbringer", hatte Alaba gemeint, als er zum Team gestoßen ist. Aber der Jungstar spielte gleich wieder so, als ob er nie verletzt gewesen wäre. Er verteilte die Bälle, er war überall zu finden, er versuchte kluge Pässe zu schlagen. David Alaba ist aus dem Team nicht mehr wegzudenken, er versprüht Spielfreude, er kann der Koller-Elf wirklich helfen. Und zwar auch dann, wenn sie Hilfe gut gebrauchen kann.
„Wir fliegen nach Brasilien - kommt ihr mit?", war auf einem Transparent zu lesen. Das Team wollte von Beginn an zeigen, dass es diese WM-Qualifikation noch lange nicht abgeschrieben hat. Die Österreicher zeigten sich nicht nur ambitioniert, sondern sie strebten vor den 43.000 Zuschauern tatsächlich das gewünschte schnelle Tor an. Sie machten das Spielfeld breit, forcierten das Flügelspiel, setzten Kasachstan unter Druck, das Match lief wie auf einer schiefen Ebene.
Möglichkeiten, um den Führungstreffer zu erzielen, gab es phasenweise im Minutentakt. Manchmal fehlten nur wenige Zentimeter zum Glück, mitunter hatten die Kasachen einfach Fortuna. In der 24. Minute aber erfolgte die Erlösung, Marc Janko war per Kopf zur Stelle (1:0). Die Vorarbeit leistete - David Alaba mit einer Maßflanke. Nur vier Minuten später hatte der Bayern-Legionär Pech, als er den Ball volley übernahm, aber nur die Stange traf.
Das 2:0 schien nur eine Frage der Zeit, aber wieder musste David Alaba ein entscheidendes Zuspiel gelingen, damit der Zillertaler Hochzeitsmarsch erklingen konnte. Erneut durfte Marc Janko (63., Kopf) jubeln. Alaba aber hatte noch nicht genug, er wollte sein Team-Comeback mit einem Treffer krönen - seinem ersten im rot-weiß-roten Trikot. Nach Arnautović-Pass war ihm auch das noch vergönnt (3:0, 71.). Einziger Schönheitsfehler daran war, dass ein verletzter Kasache im kleinen Strafraum gelegen ist. In der 80. Minute holte Teamchef Koller seine Matchwinner Janko und Alaba vom Feld. Unter tosendem Applaus. Das 4:0 durch Martin Harnik war Draufgabe (93.).
("Die Presse", Printausgabe vom 17. Oktober 2012)
Reaktionen: ''Es war nur eine Frage der Zeit''
Kantersieg gegen Kasachen: Alaba und Janko entscheiden die Partie










